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Jetzt wieder beleben

Freitag, 19. Mai 2006, 10:40 Uhr
Nordhausen (nnz). Auf der Konferenz der Vereinten Nationen für Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro 1992 haben nahezu 180 Staaten ein richtungsweisendes Dokument unterschrieben – die AGENDA 21. Damals war der Landkreis Nordhausen schneller. Wie es heute im Landkreis aussieht, das hat jetzt die nnz erfahren.


Für die Bundesrepublik Deutschland hatte der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl unterschrieben. Es ist ein Aktionsprogramm für das 21 Jahrhundert und beinhaltet Aufgabenstellungen für die Völker dieser Welt. In 40 Kapiteln analysiert es die Probleme, die eine lebenswerte Zukunft der Menschen behindern und zeigt Wege zu einer zukunftsfähigen Entwicklung auf. Das Dokument ist kein Gesetz. Vielmehr liegt es im Ermessen der Staaten bzw. deren Kommunen, wie sie mit energischen Aktionen, Initiativen und Projekten das Dokument von Rio mit Leben erfüllen.

Die Agenda 21 verfolgt eine geradezu revolutionäre Philosophie: Erstmals wird der Nachweis erbracht, dass sich die Bereiche Wirtschaft, Soziales und Umwelt nicht mehr als Konkurrenten gegenüber stehen müssen, sondern sich einander bedingen und als gleichberechtigte „Säulen“ im Aktionsprogramm verankert sind.

Noch vor besagter Konferenz von Rio wurde mit einem Beschluss des Kreistages Nordhausen vom September 1991 ein Pilotprojekt unter der Bezeichnung „Ökologischer Landkreis Nordhausen – Umweltgerechte Raumnutzung“ auf den Weg gebracht. Das zeigt, dass der Gedanke der Nachhaltigkeit im Landkreis Nordhausen schon frühzeitig aufgegriffen und mit vielfältigen Initiativen und Einzelprojekten untersetzt wurde. Erinnert sei hier nur an die Gründung der Umweltakademie Nordthüringen (UAN), die Errichtung des Abfallwirtschafts-zentrums Nentzelsrode mit Windpark, Biogasanlage, Deponiegas, Block-heizkraftwerk und Fotovoltaikanlage, die Umweltfesttage des Landkreises, den Aufbau eines Agenda 21 – Büros, die Gründungen von Agenda 21 – Foren, vor allem aber den Kreistags-Beschluss vom Dezember 1999 zur Kommunalen Naturhaushaltswirtschaft (KNHW). Diese Initiativen fanden nicht nur Befürworter. Doch der Gedanke, dass alle daran interessiert sein müssen, kommenden Generationen eine lebenswerte Erde zu überlassen, und dass mit den erforderlichen Anstrengungen dazu hier und jetzt begonnen werden muss, gewann allmählich die Oberhand. Nicht zuletzt führte das Engagement dazu, dass der Landrat des Landkreises Nordhausen, Joachim Claus, als einziger ostdeutscher Kommunalpolitiker im August 2002 nach Johannesburg (Südafrika) fahren und auf dem dortigen Umweltgipfel „Rio + 10“ von den Aktivitäten in der Agenda 21 – Arbeit seines Landkreises berichten und ebenso viele dort aufgegriffene Anregungen und Erfahrungen mit in den Südharz nehmen konnte.

Wichtigstes Vorhaben im lokalen Agenda 21 – Prozess aber war und ist die Kommunale Naturhaushaltswirtschaft. Die KNHW ist ein Instrument zur Steuerung des kommunalen Umweltverbrauchs und ist somit Teil einer langfristigen Umweltfürsorge. In der KNHW wird der Umweltverbrauch mit Naturhaushaltsplänen auf der Grundlage von Umweltzielen und Umweltindikatoren gesteuert - ähnlich der Verfahrensweise bei der Aufstellung eines Finanzhaushaltes. Der Landkreis Nordhausen, genauer: der Kreistag Nordhausen, hat damals mit seinem Beschluss zum sorgsamen Umgang mit den zur Verfügung stehenden Naturressourcen bundesweit für Aufsehen gesorgt. Es gab viele gute Ansatzpunkte, um auf Dauer in der Naturhaushaltswirtschaft voran zu kommen. Doch die immer schwieriger werdende finanzielle Situation hat dem Landratsamt Nordhausen deutlich Grenzen aufgezeigt. So war es der Verwaltung nicht weiterhin möglich, einen Dienstposten für eine Teilzeitkraft vorzuhalten, die das Instrument der Naturhaushaltswirtschaft kontinuierlich steuert und abrechnet. Gleiches galt für das Agenda 21 – Büro. Auch hier musste ein herber Schritt getan werden. Das Büro mit einem Angestellten in Vollzeit wurde Anfang 2003 geschlossen. Beide Dienstposten waren freiwillige Aufgaben und nicht mehr finanzierbar.

Seit dem 15. März 2006 ist Bernhard Dietrich im Fachbereich Umwelt- und Naturschutz der Landkreisverwaltung tätig. Im Rahmen einer AB-Maßnahme beschäftigt er sich als Projektkoordinator für Kommunales Nachhaltigkeits-management mit der Naturhaushaltswirtschaft des Südharzkreises. Im Rahmen seines Aufgabenbereiches nahm er jetzt an einem zweitägigen von der EU geförderten Trainingsseminar in Balatonfüred (Ungarn) teil. Gemeinsam mit 53 weiteren Umweltaktivisten aus 12 Ländern wurden reichlich Informationen vermittelt und Erfahrungen ausgetauscht, wie das Kommunale Nachhaltigkeitsmanagement weiter voran gebracht werden kann. Dieses II. EU-Seminar MUE – 25 (Managing Urban Europe – 25) – die 25 steht für 24 teilnehmende Kommunen plus die EU – gab den Teilnehmern mit auf den Weg, ein neues Rahmenmodell für ein Nachhaltigkeitsmanagement in den Kommunen zu entwickeln, die Akteure zu befähigen, den Gedanken der Nachhaltigkeit nicht nur vor Ort umzusetzen, sondern auch über Kreisgrenzen hinaus zu tragen und erforderliche Steuer- und Abrechnungssysteme neu einzurichten bzw. wieder zu beleben. Bernhard Dietrich wurde im Übrigen auf der Tagung in Balatonfüred stürmisch begrüßt, da in Umweltschutzkreisen der Landkreis Nordhausen aufgrund seiner Vorreiterrolle in der Agenda 21 – Arbeit hohes Ansehen genießt. Nicht von ungefähr wünschte Landrat Joachim Claus in seiner Eingangsrede während der Kreistagssitzung am 16. Mai 2006 Bernhard Dietrich eine „glückliche Hand“ und äußerte die Hoffnung, dass er die ihn übertragenen Aufgaben mit großem Engagement erfüllt. Weitere Auskünfte unter 03631/911331.
Autor: nnz

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