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Matthias Jendricke: "Verwunderlich!"

Donnerstag, 06. Dezember 2001, 12:51 Uhr
Nordhausen (nnz). Der Streit zur Kreisumlage zwischen der Stadt und dem Landkreis Nordhausen ist in den Countdown eingetreten. Am kommenden Dienstag läuft er ab. Wird danach wirklich Ruhe eintreten?


Wo immer kommunale Spitzenpolitiker auftreten wird betont, dass man sich bemüht, die Konflikte zwischen dem Kreis und der Stadt beizulegen. Eine Chance dazu wurde mit dem Vergleich zur Kreisumlage vertan. Vielmehr wurde die zurückliegenden Woche dazu genutzt, die Gräben zwischen den Verwaltungen tiefer anzulegen. Mittendrin hat nun quasi Matthias Jendricke (SPD) Platz genommen.

Der musste sich gestern erst einmal eine ordentliche Standpauke seiner Parteigenossin Sabine Meyer anhören. Die Jendricke-Nachfolgerin auf dem Posten des SPD-Fraktionsvorsitzenden zeigte sich enttäuscht von Jendricke in seiner Funktion als jetziger Beigeordneter. Er habe gänzlich vergessen wo seine lokalen und politischen Wurzeln liegen würden. Von Interessensname für Stadt merke sie nichts. Indirekt warf sie ihm vor, dass auch er gegen die Stadt arbeite. Ein genüssliches Lächeln schienen sich einige CDU-Fraktionäre nicht verkneifen zu können, man applaudierte der Sozialdemokratin.

Jendricke blieb äußerlich ruhig, auch heute gab er sich im nnz-Gespräch sehr gelassen. „Verwunderlich“, so sein Kommentar. Den bezog er mehr auf die zurückliegenden Tage. Er hätte gern im Finanzausschuß der Stadt die Position des Landkreises erläutert, doch eine Einladung an ihn hätte es in dieser heißen Phase nicht gegeben. Der Stadtverwaltung wirft der 1. Beigeordnete vor, dass sie ihre Zahlenansätze faktisch geheim gehalten hätte. Die pure Auflistung der Streitwerte aus den zurückliegenden Jahren sei für ihn keine Ausgangsbasis für einen Vergleich.

Für die Stadtverwaltung doch, denn am Mittwoch vergangener Woche seien die zahlenmäßigen Vorstellungen der Stadt vorgelegt worden. Die städtische Kämmerin Karin Spieß sei an diesem Tag mit der entsprechenden Verhandlungskompetenz ausgestattet gewesen, erläuterte Oberbürgermeisterin Barbara Rinke. Wer sich nicht habe in die Karten gucken lassen, das sei die Kreisverwaltung gewesen. Deren Kämmerer Bernd Liesegang hätte der städtischen Seite Blätter vorgelegt, allerdings ohne eine Untersetzung mit Kostenstellen. „Das ist dann wie ein Tappen im Dunkeln“, so Rinke zur nnz. Letztlich schraubte die Stadt Nordhausen ihre durch das Verwaltungsgericht untersetzten Forderung von 21 Millionen Mark über 12 Millionen Mark auf schließlich sechs Millionen Mark herunter. Für die Stadt ein faires Vergleichsangebot. Das war dann sozusagen das Ende der Fahnenstange, das auch in einem letzten Spitzengespräch am Mittwochvormittag nicht überwunden werden konnte. Ging auch gar nicht, „da hatte der Kreistag uns ja auch schon die Pistole mit seinem Beschluß auf die Brust gesetzt“, so Rinke.

Die Oberbürgermeisterin konstatierte heute, dass insbesondere Matthias Jendricke die Prozessunterlagen aus den 90er Jahren nicht zur Kenntnis genommen hätte, daraus hätten sich die Forderungen der Stadt durchaus ableiten lassen. Für die Mitglieder des Nordhäuser Kreistages und die Kreisverwaltung könnte in der kommenden Zeit eine zusätzliche Arbeit zukommen. Wie die nnz aus dem Rathaus erfuhr, denke Matthias Jendricke darüber nach, die kompletten Haushaltssatzungen der Jahre 1994 bis 2001 neu zu erstellen. Diese müssten dann auch per Beschluß den Kreistag passieren. Aber damit werden sich im Vorfeld vermutlich wieder einmal Rechtsanwälte beschäftigen müssen.
Autor: nnz

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