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Gefährliche Zwerge

Donnerstag, 04. Mai 2006, 11:48 Uhr
Nordhausen (nnz). Das schöne Wetter lockt auch dieses Jahr wieder Motorrad und Moped aus der Garage zu schieben. Leider gehören bei einigen hier auch die sogenannten Pocket-Bikes dazu. Doch viele scheinen nicht zu wissen, dass die „Zwerge“ nicht im öffentlichen Verkehrsraum geführt werden dürfen, weiß die Polizei in Nordhausen...

Gefährliche Zwerge (Foto: nnz) Gefährliche Zwerge (Foto: nnz) Auch die Gefährlichkeit der Gefährte wird häufig unterschätzt. Erst vergangenen Sonntag musste die Verkehrspolizei Nordhausen dahingehend einen 20jährigen belehren. Dieser war mit seinem Pocket-Bike in Görsbach im Landkreis Nordhausen unterwegs. Ihn erwartet nun eine Anzeige wegen des Verstoßes gegen das Pflichtversicherungsgesetz.

Doch trotz der rechtlichen Konsequenzen erfreuen sich die Pocket-Bikes immer größerer Beliebtheit. Ursprünglich für unter 10-Jährige gebaut, begeistern sich nicht nur die „Kleinen“ an den Leichtkrafträdern. Hauptsächlich die Gruppe der zwischen 18 und 25jährigen hat die „Motorrad-Zwerge“ für sich entdeckt, erreichen die Bikes doch Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 70 Kilometer pro Stunde je nach Gewicht des Fahrers. Gemäß § 1 Abs. 2 des Straßenverkehrsgesetzes gelten die Pocket-Bikes als Kraftfahrzeuge und sind somit zulassungs- und versicherungspflichtig.

Doch eigentlich als Spielzeuge gedacht, taugen die Geräte im Straßenverkehr ganz und gar nicht, sind sogar gefährlich. Bei einer Höhe von maximal 565 mm und einer Länge von 950 mm wären die kleinen Motorräder von anderen Verkehrsteilnehmern leicht zu übersehen.

Wer die Flitzer im öffentlichen Verkehrsraum führt, macht sich strafbar. Die Pocket-Bikes genügen keinerlei Sicherheitsbestimmungen. Vom Hersteller bekommt der Kunde beim Kauf maximal eine Bedienungsanleitung, aber keine behördliche Betriebserlaubnis, Zulassung oder gar einen Versicherungsschutz. Sollten alle technischen Vorraussetzungen erfüllt sein, bräuchte der Biker einen Motorradführerschein der Klassen A1 bzw. A, aufgrund der erreichbaren hohen Spitzengeschwindigkeiten.

Doch die zur Zeit auf dem Markt angebotenen Modelle entsprechen den Vorraussetzungen nicht im Geringsten. Es fehlen an den Geräten lichttechnische Einrichtungen, die Bremsanlagen lassen deutlich zu wünschen übrig und die Reifen haben kaum Profil. Nachweise über Geräusch- und Abgasverhalten gibt es nicht. Die relativ preiswert (ab 200 Euro) angepriesenen Krafträder sind schlecht in der Verarbeitung, weisen Mängel bei den Schweißnähten auf. Pocket-Bikes dürfen nur auf Privatgelände genutzt werden, die Gefährdung ist aber auch hier gegeben.
Autor: nnz

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