nnz-online

Zwölf Lehrjahre

Mittwoch, 03. Mai 2006, 11:51 Uhr
Nordhausen (nnz). Am kommenden Sonntag wird in Nordhausen ein neuer Oberbürgermeister gewählt. Mit Amtsinhaberin Barbara Rinke (SPD) sprach die nnz über Veränderungen, über Visionen aber auch über Niederlagen und eine dicke Haut.


nnz: Frau Rinke, wenige Tage vor der Wahl, wie sehr sind Sie da angespannt?


B. Rinke Ich gebe es zu, ein wenig Anspannung ist da, auch meine Familie spürt das, andere Themen rücken in den Hintergrund. Ich beobachte natürlich schon, was zum Beispiel die anderen Kontrahenten machen. Was mich belastet ist die Tatsache, dass erwachsene Menschen meine Kinder in den Wahlkampf hineinziehen und sie provozieren wollen. Ansonsten habe ich mittlerweile eine dickere Haut bekommen. Trotzdem: Ich mache mit meiner erneuten Kandidatur keine Spielchen, es geht mir um das Wohl meiner Heimatstadt. Die Erfahrungen der letzten 12 Jahre wären vergeudet, würde ich sie nur noch zu Hause am Kochtopf einbringen.

nnz: Aber mehr ehrlich, sind zwölf Jahre nicht genug?

B. Rinke Die zwölf Jahre waren nicht immer leicht und ich kann mir durchaus vorstellen, auch anderen schönen Tätigkeiten nachzugehen. Doch mit der Arbeit im Rathaus trägt man Verantwortung für andere mit anderen. Das ist das besondere und auch das reizvolle. Zum Beispiel will ich die Sanierung der Schulen unbedingt fortführen. Sie alle sollen in einem schönen und funktionalen Zustand sein, damit das Lernen mehr Spaß macht. Ich will aber auch nicht verhehlen, dass die zwölf bisherigen Jahre richtige Lehrjahre für mich waren. Ich habe viel dazugelernt, eigentlich mit jedem Tag, habe aber auch Verbindungen geknüpft und mich in Netzwerke eingebracht, die für unsere Stadt sehr vorteilhaft sind. Meine Devise war stets, Politik mit Respekt und Fingerspitzengefühl zu machen und nicht mit dem Kopf durch die Wand zu wollen.

nnz: Sie führten bislang einen relativ unaufgeregten Wahlkampf. Sind Sie sich ihres Erfolges so sicher?

B. Rinke Der Wahlausgang ist immer offen. Was ich spüre, das ist die Zustimmung bei der Bevölkerung zu meiner Person und zu den Erfolgen in der Stadt. Das habe ich in vielen Gesprächen erfahren. Ich will mit Argumenten die Wähler überzeugen und nicht mit Schoko-Stückchen oder Sonntagsbrötchen. Politik ist kein Spaß, sondern kontinuierliche harte Arbeit für und mit den Menschen. Ich wollte immer eine Oberbürgermeisterin sein, die über Parteigrenzen hinweg ohne ideologische Scheuklappen Politik für die Bürger macht.

nnz: Haben Sie Fehler gemacht?

B. Rinke Sicher gibt es Entscheidungen, die man so nicht noch einmal treffen würde. Aber es waren die persönlichen Niederlagen, die mir in den vergangenen Jahren ganz schön zu schaffen gemacht haben. Die Schließung des Reemtsma-Standortes zum Beispiel. Hier musste ich erfahren, wie wenig Politik vor Ort ausrichten kann. Da wird einfach in einer ganz anderen Liga gespielt.

nnz: Wie sollte Nordhausen in sechs Jahren aussehen?

B. Rinke Ich will, so ich wiedergewählt werde, den Stadtumbau vorantreiben. Und das meine ich nicht nur im städtebaulichen Sinne. Nordhausen wird in den kommenden Jahren auch eine Baustelle für Kultur, Soziales und Sport werden. Und hier betone ich, dass es nicht um Abbau geht. Ich will unsere Stadt als wichtigstes Zentrum in Nordthüringen weiter etablieren. Mit dem Bau des neuen Einkaufszentrums am Pferdemarkt, mit dem Bau von zwei neuen Parkhäusern sowie der Rekonstruktion der Wohnungen rund um das Rathaus wird Nordhausen in den nächsten Jahren noch attraktiver werden. Als größte Stadt im Landkreis Nordhausen werden wir uns in den nächsten Jahren zunehmend für andere Gemeinden öffnen. Wir werden unsere Strategie ändern und in die Offensive gehen. Das Ziel muss sein, dass Nordhausen auch im Jahr 2020 noch mehr als 40.000 Einwohner haben wird, denn wir brauchen gerade in unserer ländlichen Region auch eine starke Stadt.

nnz: Und wie stellen Sie sich den Rest des Landkreises vor?

B. Rinke Sicher werden die Kreisgrenzen nach 2009 andere sein als heute. Davon bin ich überzeugt. Es gibt viele Aufgaben, die die Stadt nur gemeinsam mit den Gemeinden lösen kann. So müssen wir auf ein attraktives Umland achten, die Regionalplanung wird überarbeitet, der Flächennutzungsplan der Stadt wird verabschiedet, das Naturpark-Harz-Projekt muss auf den Weg gebracht werden. Auch vor dem Hintergrund immer knapper werdender Kassen werden die Gemeinden enger zusammenrücken müssen.

nnz: Und wie wollen Sie damit umgehen?

B. Rinke Da müssen wir an Kreativität zulegen. Nach den Wahlen am 7. Mai wird es im Herbst auch um die Nachfolge vom 2. Beigeordneten Dietrich Beyse gehen. Ich hoffe auch hier gelingt uns der Generationswechsel, der ja bereits mit Matthias Jendricke als Bürgermeister begonnen hat. Sollte ich gewählt werden, hoffe ich mit einer jungen Führungsmannschaft die vor uns liegenden Probleme zu lösen.

nnz: Haben Sie einen Wahlwunsch?

B. Rinke Die Nordhäuser sollen wählen gehen, sie sollen von diesem Recht Gebrauch machen. Das haben wir uns im Herbst 1989 erstritten und darauf können wir immer noch sehr stolz sein. Das ist mein wichtigstes Anliegen. Natürlich würde ich mich freuen, wenn möglichst viele Nordhäuser mir ihre Stimme geben würden.

nnz: Vielen Dank für das Gespräch.
Autor: nnz

Drucken ...
Alle Texte, Bilder und Grafiken dieser Web-Site unterliegen dem Urherberrechtsschutz.
© 2026 nnz-online.de