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Seltsame Blüten

Freitag, 28. April 2006, 07:43 Uhr
Nordhausen (nnz). Der Wahlkampf in und um Nordhausen herum nimmt seit einigen Tagen an Schärfe zu. Das bemerken auch nnz-Leser. Eine von ihnen hat sich jetzt zu Wort gemeldet.


“Als alt eingessene Nordhäuserin interessiert mich natürlich der laufende Wahlkampf, denn mir ist es wichtig, wer in Zukunft in Stadt und Landkreis regiert. Allerdings spitzt sich der Wahlkampf enorm zu – vor allem über die Grenze des Erträglichen hinaus.

Besonders wenig angetan bin ich von den Aussagen der hiesigen SPD-Größen, zumindest von den Personen, die von sich selbst glauben eine politische Größe zu sein. Es wird immer mehr ein Wahlkampf betrieben, der sich nicht an Sachthemen orientiert, sondern vielmehr versucht die Gegenkandidaten von Frau Rinke zu diskreditieren.

Machen wir es an einem ersten Beispiel fest. Man versucht den FDP-Kandidaten Martin Höfer einer IM-Tätigkeit zu überführen. Nun dürfte es dem aufmerksamen Beobachter nicht entgangen sein, dass dies schon ein alter Hut ist. Anfang der neunziger Jahre unternahm Höfers damalige Partei, die CDU, ihren Fraktionsvorsitzenden mit derselben unschönen Kampagne aus dem Weg zu räumen. Seinerzeit wurde Herr Höfer von Pfarrer Rüter entlastet, da seine Tätigkeit für den Staatssicherheitsdienst nur 4 Tage (!) dauerte.

Meinen Informationen zufolge hat Herr Höfer eine Kopie seiner Stasi-Akte, diesen Punkt betreffend, beim Gemeindewahlleiter hinterlegt, so dass jeder Bürger dies nachlesen kann. Er hat sich keiner Schuld bewusst zu sein. Vielmehr redet dieser Herr Wieninger mit gespaltener Zunge. Wer mit der alten SED einen Pakt schließt um an der Macht zu bleiben, der verhöhnt die Opfer der sozialistischen Diktatur. Am Rande bemerkt, ist in diesem Jahr meines Wissens nach das 60jährige Jubiläum der Zwangsvereinigung von SPD und KPD zur SED. Also gibt es zu diesem Gedenktag in Nordhausen eine Wiederauflebung der 40jährigen Vergangenheit. Die Nordhäuser SPD hat weder Würde noch Anstand.

Das Schlimmste daran ist aber, dass dies von der noch amtierenden Oberbürgermeisterin auch noch getragen wird. Angeblich war sie mit eine der Ersten, die 1989 gegen die SED Front machte. Wenn dies so ist, dann wundert mich dieser Akt der Verbrüderung doch schon arg. Die OB ist unglaubwürdig. Aber das ist ja scheinbar egal, denn der Wähler ist ja dumm, er vergisst ja schnell – keiner redet mehr von 1000 DM Begrüßungsgeld für jedes Neugeborene, sie verkauft die Fachhochschule als ihren Erfolg, der aber auf das Konto der CDU geht, und dass sie unsere Stadt in die Schulden getrieben hat, interessiert auch keinen.

Das zweite Beispiel für Unsachlichkeit ist die Debatte um das Landkreiswappen auf den Plakaten der CDU. Hier spielt die SPD die empörte Hausfrau und kündigt sogar Wahlanfechtung an. Schaut man sich aber mal die Großaufsteller der noch regierenden Oberbürgermeisterin an, so wird man feststellen, dass sie mit dem Blumenlogo der Landesgartenschau für sich wirbt. Nun frage ich mich als einfache Bürgerin, warum darf sie das Logo benutzen, welches doch mit Hilfe von Steuergeldern erstellt wurde? War die Landesgartenschau also eine vom Land Thüringen unwissentlich gesponserte Wahlkampfveranstaltung der seit 12 Jahren herrschenden Oberbürgermeisterin Barbara Rinke? Wenn dem so ist, sollte man darüber nachdenken, ob man vielleicht die OB-Wahl dann auch anfechten kann.

Die SPD führt Debatten auf einem Kindergartenniveau. Sie erweckt den Eindruck einer in die Ecke gedrängten Ratte, die als einzigen Ausweg nur noch das wilde und sinnlose Umsichbeißen kennt. Scheinbar kann man nicht mit Argumenten aufwarten, die zumindest die Gegenkandidaten haben und damit für Frau Rinke gefährlich werden.

Und noch ein Wort zu Rechtschreibfehlern in Wahlprospekten. Auch ich habe sie bemerkt, doch ich mache daran nicht meine Wahlentscheidung abhängig. Wir sind alle Menschen und machen Fehler, denn das macht uns menschlich – vor allem bei derartigen Kleinigkeiten. Wer sich darüber echauffiert benimmt sich kindisch und macht sich zu einem Korinthenk…..! Mich interessiert es recht wenig, ob der zukünftige Oberbürgermeister die Rechtschreibung perfekt beherrscht. Für mich ist wichtig, dass Arbeitsplätze geschaffen werden und die Jugend nicht mehr abwandert. Ob dies mit oder ohne perfekte Rechtschreibung erfolgt ist mir recht herzlich egal. Wichtig ist, was dabei heraus kommt.

Für mich steht jedenfalls fest, dass unsere Stadt nach 12 Jahren eingefahrenen und verkrusteter Strukturen einen Wechsel braucht. Und ich bleibe in der Hoffnung, dass die Bürgerinnen und Bürger unserer schönen Stadt Nordhausen endlich aufwachen und dies ebenso erkennen.
Eleonore Mundhaß, Nordhausen
Anmerkung der Redaktion:
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Autor: nnz

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