Erfolg im Krankenhaus
Dienstag, 25. April 2006, 17:05 Uhr
Nordhausen (nnz). Erstmals wurde in der vergangenen Woche eine Stammzelltherapie am Südharz-Krankenhaus in Nordhausen erfolgreich durchgeführt. Dazu ein Beitrag von Chefarzt Dr. Michael Ibe in der nnz.
Erfolg im Krankenhaus (Foto: nnz)
Der Patient litt unter einer besonders bösartigen Form von Lymphknotenkrebs, die nach aktuellem Stand der medizinischen Wissenschaft am besten mit einer intensiven Chemotherapie behandelt wird, die anschließend eine Stammzelltransplantation erforderlich macht. Chefarzt Dr. Ibe weist darauf hin, dass diese Therapie in bestimmten Fällen eine Standardtherapie darstellt, da sie das Überleben der Patienten deutlich verlängert. Sie sollte deshalb den Patienten nicht vorenthalten werden. Die Therapie ist sehr effektiv und sicher durchführbar. Die therapiebedingte Sterblichkeit liegt deutlich unter 5 Prozent.
Stammzellen sind definitionsgemäß Zellen, die neben der Fähigkeit zur Proliferation und Selbsterneuerung das Potential besitzen, die Identität verschiedener anderer Zellen anzunehmen. Blutbildende Stammzellen sind hauptsächlich im Knochenmark zu finden. Lebenslang sorgen sie für eine ständige Erneuerung des Blutes. Aus den Stammzellen entwickeln sich die roten Blutzellen, die weißen Blutzellen, die für die Bekämpfung von Keimen zuständig sind und die Blutplättchen, die eine wichtige Rolle bei der Blutgerinnung spielen.
Die Blutstammzell-Transplantation hat es ermöglicht, bestimmte Leukämieformen radikal zu bekämpfen. Fast 90 Prozent der Patienten, die eine Stammzelltransplantation bekommen, leiden unter dem so genannten Plasmozytom oder Multiplen Myelom. Bisher war die Intensität einer Chemotherapie durch die nachfolgende Phase der Blutbildungsstörung begrenzt. In dieser Phase der Blutbildungsstörung kann es aufgrund einer Abwehrschwäche leicht zu Infektionen kommen, die dann einen schweren Verlauf nehmen können. Durch die Transplantation von blutbildenden Stammzellen ist es möglich geworden, die Intensität der Chemotherapie drastisch zu erhöhen und die Zeit bis zur Erholung des Knochenmarks von den schädigenden Einflüssen der Chemotherapie deutlich zu verkürzen.
Die meisten Patienten, die mit einer Hochdosis-Chemotherapie und anschließender Stammzelltransplantation behandelt werden, leiden unter einer Leukämie, Lymphknotenkrebs oder einem Plasmozytom.
Die Therapie einer Hochdosis Chemotherapie mit anschließender Stammzelltransplantation besteht aus zwei Teilen. Zunächst müssen die Stammzellen des Patienten gewonnen werden. Dies geschieht in der Regel durch eine Mobilisierungschemotherapie, die gleichzeitig effektiv die Krebserkrankung bekämpft. Durch die Chemotherapie kommt es zu einem Abfall der weißen Blutzellen. Dieser Abfall der weißen Blutzellen führt im Knochenmark zu einer Stimulierung der Blutzellneubildung. Diese wird zusätzlich durch die Gabe eines Wachstumsfaktors gesteigert. In der Erholungsphase der weißen Blutzellen werden Stammzellen in das periphere Blut ausgeschwemmt. Diese können dann aus dem peripheren Blut gewonnen werden. Nach der Stammzellgewinnung kann der Patient in der Regel alsbald entlassen werden.
Der zweite Teil der Therapie, der ca. 6 – 8 Wochen nach der Stammzellgewinnung durchgeführt wird, besteht in der Gabe einer Hochdosis-Chemotherapie, die über mehrere Tage gegeben wird. Hierdurch werden die Tumorzellen maximal bekämpft. Anschließend wird nach eintägiger Chemotherapie-Pause die Stammzelltransplantation durchgeführt. Das tiefgefrorene Stammzellpräparat wird aufgetaut und dem Patienten wie bei einer Bluttransfusion transfundiert. Acht bis vierzehn Tage nach der Übertragung der Stammzellen beginnen diese mit der Produktion von Blutzellen. Nach weiteren zehn bis vierzehn Tagen sind normalerweise ausreichend weiße Blutkörperchen vorhanden, um eine Infektionsabwehr zu ermöglichen. Anschließend kann der Patient wieder entlassen werden.
Seit der Identifizierung der blutbildenden Stammzellen im Jahr 1963 hat sich die Blutstammzelltransplantation von einer experimentellen und gefährlichen Methode zu einer standardisierten und sicheren Behandlungsmethode entwickelt. Wir freuen uns, dass wir in enger Zusammenarbeit mit der Abteilung für Transfusionsmedizin unseres Hauses unter der Leitung von Frau DM U. Leib und der Transfusionsabteilung der Universitätsklinik Göttingen diese Therapiemöglichkeit unseren Patienten anbieten können.
Nachtrag:Am 31.05.2006 hält Dr. Ibe für interessierte Ärzte einen Vortrag im Neustädter Hof zum Thema Autologe Stammzelltransplantation. Chefarzt Dr. Ibe hat seit kurzem eine Ambulanzermächtigung für Patienten, die eventuell für eine Stammzelltherapie in Frage kommen, so dass diese Patienten dort vorgestellt werden können. Anmeldung im Sekretariat 03631-41-2309.
Autor: nnz
Erfolg im Krankenhaus (Foto: nnz)
Der Patient litt unter einer besonders bösartigen Form von Lymphknotenkrebs, die nach aktuellem Stand der medizinischen Wissenschaft am besten mit einer intensiven Chemotherapie behandelt wird, die anschließend eine Stammzelltransplantation erforderlich macht. Chefarzt Dr. Ibe weist darauf hin, dass diese Therapie in bestimmten Fällen eine Standardtherapie darstellt, da sie das Überleben der Patienten deutlich verlängert. Sie sollte deshalb den Patienten nicht vorenthalten werden. Die Therapie ist sehr effektiv und sicher durchführbar. Die therapiebedingte Sterblichkeit liegt deutlich unter 5 Prozent.Stammzellen sind definitionsgemäß Zellen, die neben der Fähigkeit zur Proliferation und Selbsterneuerung das Potential besitzen, die Identität verschiedener anderer Zellen anzunehmen. Blutbildende Stammzellen sind hauptsächlich im Knochenmark zu finden. Lebenslang sorgen sie für eine ständige Erneuerung des Blutes. Aus den Stammzellen entwickeln sich die roten Blutzellen, die weißen Blutzellen, die für die Bekämpfung von Keimen zuständig sind und die Blutplättchen, die eine wichtige Rolle bei der Blutgerinnung spielen.
Die Blutstammzell-Transplantation hat es ermöglicht, bestimmte Leukämieformen radikal zu bekämpfen. Fast 90 Prozent der Patienten, die eine Stammzelltransplantation bekommen, leiden unter dem so genannten Plasmozytom oder Multiplen Myelom. Bisher war die Intensität einer Chemotherapie durch die nachfolgende Phase der Blutbildungsstörung begrenzt. In dieser Phase der Blutbildungsstörung kann es aufgrund einer Abwehrschwäche leicht zu Infektionen kommen, die dann einen schweren Verlauf nehmen können. Durch die Transplantation von blutbildenden Stammzellen ist es möglich geworden, die Intensität der Chemotherapie drastisch zu erhöhen und die Zeit bis zur Erholung des Knochenmarks von den schädigenden Einflüssen der Chemotherapie deutlich zu verkürzen.
Die meisten Patienten, die mit einer Hochdosis-Chemotherapie und anschließender Stammzelltransplantation behandelt werden, leiden unter einer Leukämie, Lymphknotenkrebs oder einem Plasmozytom.
Die Therapie einer Hochdosis Chemotherapie mit anschließender Stammzelltransplantation besteht aus zwei Teilen. Zunächst müssen die Stammzellen des Patienten gewonnen werden. Dies geschieht in der Regel durch eine Mobilisierungschemotherapie, die gleichzeitig effektiv die Krebserkrankung bekämpft. Durch die Chemotherapie kommt es zu einem Abfall der weißen Blutzellen. Dieser Abfall der weißen Blutzellen führt im Knochenmark zu einer Stimulierung der Blutzellneubildung. Diese wird zusätzlich durch die Gabe eines Wachstumsfaktors gesteigert. In der Erholungsphase der weißen Blutzellen werden Stammzellen in das periphere Blut ausgeschwemmt. Diese können dann aus dem peripheren Blut gewonnen werden. Nach der Stammzellgewinnung kann der Patient in der Regel alsbald entlassen werden.
Der zweite Teil der Therapie, der ca. 6 – 8 Wochen nach der Stammzellgewinnung durchgeführt wird, besteht in der Gabe einer Hochdosis-Chemotherapie, die über mehrere Tage gegeben wird. Hierdurch werden die Tumorzellen maximal bekämpft. Anschließend wird nach eintägiger Chemotherapie-Pause die Stammzelltransplantation durchgeführt. Das tiefgefrorene Stammzellpräparat wird aufgetaut und dem Patienten wie bei einer Bluttransfusion transfundiert. Acht bis vierzehn Tage nach der Übertragung der Stammzellen beginnen diese mit der Produktion von Blutzellen. Nach weiteren zehn bis vierzehn Tagen sind normalerweise ausreichend weiße Blutkörperchen vorhanden, um eine Infektionsabwehr zu ermöglichen. Anschließend kann der Patient wieder entlassen werden.
Seit der Identifizierung der blutbildenden Stammzellen im Jahr 1963 hat sich die Blutstammzelltransplantation von einer experimentellen und gefährlichen Methode zu einer standardisierten und sicheren Behandlungsmethode entwickelt. Wir freuen uns, dass wir in enger Zusammenarbeit mit der Abteilung für Transfusionsmedizin unseres Hauses unter der Leitung von Frau DM U. Leib und der Transfusionsabteilung der Universitätsklinik Göttingen diese Therapiemöglichkeit unseren Patienten anbieten können.
Nachtrag:Am 31.05.2006 hält Dr. Ibe für interessierte Ärzte einen Vortrag im Neustädter Hof zum Thema Autologe Stammzelltransplantation. Chefarzt Dr. Ibe hat seit kurzem eine Ambulanzermächtigung für Patienten, die eventuell für eine Stammzelltherapie in Frage kommen, so dass diese Patienten dort vorgestellt werden können. Anmeldung im Sekretariat 03631-41-2309.
