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Stille umgesetzt

Samstag, 15. April 2006, 07:34 Uhr
Nordhausen/Sondershausen (nnz). Karfreitag. Übersetzt der Schmerzens- oder auch Leidenstag. Weg und Leiden Christi auf dessen Weg nach Golgatha, um dort den Tod durch die Kreuzigung zu erleiden. War das von Gott gewollt? Wohl nicht. Diese Zeit der Stille wurde am Abend in der Trinitatiskirche Sondershausen in Musik, Worte und Bilder umgesetzt. Für die nnz war Katrin Landgraf dabei.


Wie jedes Jahr gastiert in der Passionszeit der Violoncello Meisterkurs von Professor Storck in der Kirche. Den Auftakt bildeten die Dozenten Klaus Storck, Yasuko Ogata und ihre Meisterkursschülerin Viviane Neumann mit Giacobo Cervettos Adagio und Allegro aus dem Trio für 2 Violoncelli und basso continuo. Gefolgt von Allemande, Sarabande und Giga aus der berühmten Partitia Nr. 2, d-moll für Violine Solo von Johann Sebastian Bach meisterhaft vorgetragen von Noriko Iwasa.

Nach den Worten von Pastorin Angelika Greim-Harlad über die Geschehnisse auf Golgatha und der Feststellung, dass das Leiden Christi vergleichbar ist mit dem Leben der Menschheit, in Form dessen, dass jeder sein eigenes Kreuz tragen muss und seine eigene Wiederauferstehung nach jedem überwundenen Schmerz (sei es nun seelisch oder körperlicher Natur) erlebt, folgte die Passacaglia c-moll von Johann Sebastian Bach, gespielt von Jens Goldhardt. Eines der wohl schönsten und beliebtesten Orgelwerke überhaupt, dass in nichts der orchestrierte Fassung von Stokowski nachsteht.

Die Passacaglia ist eine Form der kontrapunktischen Variation über einem stets wiederkehrenden Bassthema. Die weitläufige Ansicht, dass Bach die ersten vier Takte seines Themas einer Orgelmesse von André Raison entnommen haben soll, steht zur Frage, denn es war in damaliger Zeit guter Brauch, bekannter Themen für die eigenen Kompositionen zu verwenden. Das Passacaglia-Thema tauchte schon häufiger vor Bach auf und ist sogar auf eine Communio im gregorianischen Choral "acceptabis" zu finden, der ebenfalls das Anfangsmaterial dieses Themas verwendet. Über diesem Bassthema baute Bach zwanzig ausdrucksstarke, kontrastreiche Variationen auf. Typisch für den Aufbau des Werks ist die konstante Ausweitung des Tonraums, kulminierend in einer eine Fuge.

Da Original und Abschrift verschollen sind, ist nicht sicher feststellbar, wann Bach die Passacaglia komponiert hat. Klanglich erinnert sie an düstere Schritte im Nebel, vergleichbar mit der Agonie im Garten Gezemane.

Zu dem Stück wurden die Bilder "am Ölberg", "Verleumdung", "Verurteilung" und "Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?" von Sigurd Köhler auf einer Leinwand gezeigt, die ebenso farbenprächtig wie niederschmetternd waren, zeigten sie doch die immer wiederkehrende Geschichte, mit der sich der Abend beschäftigte.

Den Abschluss bildeten Jaques Offenbachs Andante a-moll aus dem Duo für 2 Violoncelli op. 52 Nr. 2 gespielt von den Dozenten Klaus Storck und Yasuko Ogata und Joseph Haydns Allegro moderato aus dem Streichquartett op. 76, Nr. 2 d-moll, gespielt von Lisa Lee, Sumako Yoshikawa (Violine), Mao Takasaki (Viola) und Yasuko Ogata (Violoncello). So bleibt zum Schluss nur die Frage offen, warum bei Storck Kursen fast ausschließlich nur Japaner teilnehmen.
Katrin Landgraf
Autor: nnz

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