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Rückkehr nach 61 Jahren

Mittwoch, 05. April 2006, 11:03 Uhr
Nordhausen (nnz). „Nekropolis“, eine autobiografiesche Erzählung über die Haft in deutschen Konzentrationslagern veröffentlichte 1967 der slowenische Schriftsteller Boris Pahor. Jetzt kehrt er nach 61 Jahren an den Ort seines Leidens zurück. Der 93 jährige wird eine Gedenkansprache halten.

Rückkehr nach 61 Jahren (Foto: nnz) Rückkehr nach 61 Jahren (Foto: nnz) Anlässlich des 61. Jahrestages der Befreiung des KZ Mittelbau-Dora wird der slowenische Schriftsteller Boris Pahor am Montag, dem 10. April 2006 um 11.00 Uhr eine Gedenkansprache vor dem ehemaligen Krematorium in der KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora halten. Der 93-jährige Boris Pahor ist ein ehemaliger Häftling des KZ Mittelbau-Dora, der nun zum ersten Mal nach 1945 an diesen Ort seiner Leiden zurückkehren wird. Für seine autobiografische Erzählung "Nekropolis", die um die Haft in deutschen Konzentrationslagern und die Schwierigkeit des Erinnerns kreist, erhielt Pahor 2002 den Preis der SWR-Bestenliste.

Boris Pahor wurde als Angehöriger der slowenischen Minderheit 1913 in Triest geboren, wo er als Publizist, Schritsteller und Deutschlehrer gearbeitet hat und bis heute lebt. Im Januar 1944 wurde er dort als slowenischer Widerstandskämpfer verhaftet und in das Konzentrationslager Dachau verschleppt. Über das KZ Natzweiler kam Boris Pahor im Dezember 1944 in das KZ Mittelbau. Bis April 1945 war er im Außenlager Harzungen inhaftiert. Als sich die amerikanischen Truppen näherten, ließ die SS die Mittelbau-Lager räumen. Boris Pahor kam auf einen dieser Todesmärsche in das KZ Bergen-Belsen, wo er am 15. April von den Briten befreit wurde.

Boris Pahor ist einer der international bekanntesten Vertreter der slowenischen Gegenwartsliteratur. Pahor beschäftigt sich in seiner Prosa mit dem Leben der slowenischen Minderheit im italienischen Triest, vor allem aber mit dem Erlebnis der KZ-Haft. Das bedeutendste Werk Boris Pahors ist "Nekropolis", das 1967 auf slowenisch erschien und unter anderem ins Deutsche, Englische und Französische übersetzt wurde. Das Buch schildert ohne Hass und Verbitterung Pahors Irrfahrt durch die deutschen Konzentrationslager. Die Jury, die ihn 2002 mit dem Preis der SWR-Bestenliste auszeichnete, sieht Boris Pahors reflektierende Erzählweise auf einer Stufe mit den Werken von Primo Levi, Jorge Semprun und Imre Kertész.
Autor: nnz

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