Szenische Lesung hält Erinnerung wach
Freitag, 30. November 2001, 10:44 Uhr
Nordhausen Im Gegenzug zu dem geplanten NPD-Aufmarsch findet zwei Tage zuvor eine szenische Lesung über Wernher von Braun und die Produktion der V2 in der Aula des Herder-Gymnasiums statt. nnz-Mitarbeiterin Manuela Jauer war bei den laufenden Vorbereitungen dabei und hat ihr Geschichtswissen etwas aufgefrischt.
Der geplante NPD-Aufmarsch am 8. Dezember in Nordhausen bereitet einige Bauchschmerzen. Die linke Seite hat eine Gegen-Demonstration angekündigt. Dieser Anlass ist Grund genug, sich erneut ein paar Gedanken über die Hintergründe zu machen und etwas in der deutschen Geschichte zu blättern. Dazu hat man in der Wiedigsburg die Gelegenheit, wenn eine Lesung über die Arbeit Wernher von Brauns und die Produktion seiner Vergeltungswaffe im Stollen des KZ-Mittelbaus Dora gezeigt wird.
Noch vor zwei Jahren war sie in aller Munde: Die EXPO 2000 in Hannover. Das Herder-Gymnasium in Nordhausen gehörte zu den vielen Einrichtungen, die für dieses Großereignis Projekte vorbereiteten. Es begann am Anfang des Jahres 1999, als sich die Kooperative Gesamtschule Stuhr-Brinkum (in der Nähe von Bremen) an die KZ-Gedenkstätte Mittelbau Dora wandte. Die Stuhr-Brinkumer hatten bereits konkrete Vorstellungen von einem Projekt über Wernher von Braun und die Produktion der Rakete V2 im Stollen des Lagers. Allerdings fehlte der Schule zum einen eine Informationsquelle, die sie in der Gedenkstätte fand, und zum anderen ein Partner, der bei der Koordinierung der Informationen und beim Erstellen des Projektes helfen sollte. Aufgrund bereits bestehender Kontakte verwies die Gedenkstätte auf Ilona Mertens, Geschichtslehrerein am Herder-Gymnasium in Nordhausen, die ihre Unterstützung gern zusagte. Eine Arbeitsgruppe war schnell gefunden.
Die Nordhäuser Schüler setzten sich zusammen mit den Schülern des Stuhr-Brinkumer Projektkurses Spurensuche das Ziel, im Rahmen des EXPO-Themas Mensch Natur Technik eine szenische Lesung auszuarbeiten. Inhalt sollte die Entstehung und Umsetzung des Traumes von Brauns, Weltraum-Forscher zu werden, seine Zeit in Peenemünde, die Bedingungen für die Häftlinge im Stollen während der Produktion der Rakete, die Todesmärsche und von Brauns Schaffen in Amerika nach dem Zweiten Weltkrieg sein. Die Aufgabe der Nordhäuser Schüler bestand im Wesentlichen darin, die Aussagen von Brauns während seines Prozesses in Fort Bliss den Berichten überlebender Häftlinge gegenüberzustellen.
Während der Arbeitsphase kamen die Schüler zu Workshops in der Gedenkstätte sowie zu mehreren privaten Treffen zusammen, um bereits gesammelte Informationen auszutauschen und zu vergleichen. Den größten Teil erarbeiteten sie in ihrer Freizeit und teilweise im Unterricht. Unterstützt wurden sie dabei nicht nur von ihren Lehrerinnen, die das Projekt betreuen, sondern unter anderem auch von den Mitarbeitern der Gedenkstätte, Brita Scheuer und Dr. Cornelia Klose, sowie von mehreren ehemaligen Häftlingen, die sowohl im Briefwechsel als auch im Gespräch von ihren Erlebnissen erzählten. Auch den anderen beteiligten Personen, die hier nicht alle im Einzelnen aufgezählt werden können, gebührt ihr Dank.
Die Ergebnisse der Zusammenarbeit können sich sehen und hören lassen. Davon überzeugten sich am 7. Juni 2001 etwa 100 Besucher, die zur Uraufführung in den Stollen gekamen. Weitere Lesungen im Stollen folgten, außerdem in Stuhr-Brinkum, natürlich auf der EXPO und am 24. Januar diesen Jahres im Rahmen einer Gedenkveranstaltung des Deutschen Bundestages in Berlin. Die 60-minütige Lesung wurde durch kurze Filmszenen, eingespielte Lieder der damaligen Zeit, Fotos und einigem mehr ergänzt. Die Aufführung selbst und die Gestaltung der Bühne wurden dem Thema angepasst. Sie will über die Opfer aufklären, die die Wissenschaft damals mit sich brachte. Wernher von Braun gilt heute noch als genialer Mann und legendärer, maßgeblicher Kopf auf dem Weg des Menschen zum Mond. Ihm fielen mehr als 20.000 Menschen zum Opfer.
Die Lesung beginnt am 6. Dezember um 18.30 Uhr in der Aula des Herder-Gymnasiums. Alle Interessierten sind hierzu recht herzlich eingeladen.
Manuela Jauer
Autor: nnzDer geplante NPD-Aufmarsch am 8. Dezember in Nordhausen bereitet einige Bauchschmerzen. Die linke Seite hat eine Gegen-Demonstration angekündigt. Dieser Anlass ist Grund genug, sich erneut ein paar Gedanken über die Hintergründe zu machen und etwas in der deutschen Geschichte zu blättern. Dazu hat man in der Wiedigsburg die Gelegenheit, wenn eine Lesung über die Arbeit Wernher von Brauns und die Produktion seiner Vergeltungswaffe im Stollen des KZ-Mittelbaus Dora gezeigt wird.
Noch vor zwei Jahren war sie in aller Munde: Die EXPO 2000 in Hannover. Das Herder-Gymnasium in Nordhausen gehörte zu den vielen Einrichtungen, die für dieses Großereignis Projekte vorbereiteten. Es begann am Anfang des Jahres 1999, als sich die Kooperative Gesamtschule Stuhr-Brinkum (in der Nähe von Bremen) an die KZ-Gedenkstätte Mittelbau Dora wandte. Die Stuhr-Brinkumer hatten bereits konkrete Vorstellungen von einem Projekt über Wernher von Braun und die Produktion der Rakete V2 im Stollen des Lagers. Allerdings fehlte der Schule zum einen eine Informationsquelle, die sie in der Gedenkstätte fand, und zum anderen ein Partner, der bei der Koordinierung der Informationen und beim Erstellen des Projektes helfen sollte. Aufgrund bereits bestehender Kontakte verwies die Gedenkstätte auf Ilona Mertens, Geschichtslehrerein am Herder-Gymnasium in Nordhausen, die ihre Unterstützung gern zusagte. Eine Arbeitsgruppe war schnell gefunden.
Die Nordhäuser Schüler setzten sich zusammen mit den Schülern des Stuhr-Brinkumer Projektkurses Spurensuche das Ziel, im Rahmen des EXPO-Themas Mensch Natur Technik eine szenische Lesung auszuarbeiten. Inhalt sollte die Entstehung und Umsetzung des Traumes von Brauns, Weltraum-Forscher zu werden, seine Zeit in Peenemünde, die Bedingungen für die Häftlinge im Stollen während der Produktion der Rakete, die Todesmärsche und von Brauns Schaffen in Amerika nach dem Zweiten Weltkrieg sein. Die Aufgabe der Nordhäuser Schüler bestand im Wesentlichen darin, die Aussagen von Brauns während seines Prozesses in Fort Bliss den Berichten überlebender Häftlinge gegenüberzustellen.
Während der Arbeitsphase kamen die Schüler zu Workshops in der Gedenkstätte sowie zu mehreren privaten Treffen zusammen, um bereits gesammelte Informationen auszutauschen und zu vergleichen. Den größten Teil erarbeiteten sie in ihrer Freizeit und teilweise im Unterricht. Unterstützt wurden sie dabei nicht nur von ihren Lehrerinnen, die das Projekt betreuen, sondern unter anderem auch von den Mitarbeitern der Gedenkstätte, Brita Scheuer und Dr. Cornelia Klose, sowie von mehreren ehemaligen Häftlingen, die sowohl im Briefwechsel als auch im Gespräch von ihren Erlebnissen erzählten. Auch den anderen beteiligten Personen, die hier nicht alle im Einzelnen aufgezählt werden können, gebührt ihr Dank.
Die Ergebnisse der Zusammenarbeit können sich sehen und hören lassen. Davon überzeugten sich am 7. Juni 2001 etwa 100 Besucher, die zur Uraufführung in den Stollen gekamen. Weitere Lesungen im Stollen folgten, außerdem in Stuhr-Brinkum, natürlich auf der EXPO und am 24. Januar diesen Jahres im Rahmen einer Gedenkveranstaltung des Deutschen Bundestages in Berlin. Die 60-minütige Lesung wurde durch kurze Filmszenen, eingespielte Lieder der damaligen Zeit, Fotos und einigem mehr ergänzt. Die Aufführung selbst und die Gestaltung der Bühne wurden dem Thema angepasst. Sie will über die Opfer aufklären, die die Wissenschaft damals mit sich brachte. Wernher von Braun gilt heute noch als genialer Mann und legendärer, maßgeblicher Kopf auf dem Weg des Menschen zum Mond. Ihm fielen mehr als 20.000 Menschen zum Opfer.
Die Lesung beginnt am 6. Dezember um 18.30 Uhr in der Aula des Herder-Gymnasiums. Alle Interessierten sind hierzu recht herzlich eingeladen.
Manuela Jauer
