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Trübe Aussichten für Nordhausen

Montag, 20. März 2006, 07:23 Uhr
Nordhausen (nnz). In rund fünfzig Prozent aller deutschen Kommunen mit mehr als 5.000 Einwohnern wird die Bevölkerung bis zum Jahr 2020 zum Teil erheblich schrumpfen. Wie die wichtigsten Daten für Nordhausen aussehen, das hat jetzt die nnz recherchiert.


Einen allgemeinen Bevölkerungsschwund prognostiziert ein bislang einzigartiges Informations- und Frühwarnsystem der Bertelsmann Stiftung für den demographischen Wandel. Wie das für Nordhausen aussieht. Die für Jedermann zugängliche Datenbank zeigt eindrucksvoll, wie sich das Leben in den Städten und Gemeinden durch rückläufige Geburtenzahlen und den steigenden Anteil älterer Menschen grundlegend verändern wird. So wird das Durchschnittsalter in allen untersuchten Kommunen deutlich ansteigen - in Einzelfällen bis auf über 55 Jahre.

In Nordhausen betrug das Durchschnittsalter im Jahr 2003 43,9 Jahre, im Jahr 2030 wird auf 49 Jahre angestiegen sein. Der Anteil der Gruppe der 60 bis 80jährigen erhöht sich von 23,9 auf 27,3 Prozent. Die Bevölkerung im allgemeinen wird in den kommenden 14 Jahren um 10 Prozent zurückgehen, sagt die Studie. In ihrer Einschätzung setzen die Fachleute die Stadt Nordhausen in die Gruppe der schrumpfenden und alternden Kommunen mit „hoher Abwanderung“. Mit diesen Aussichten ist Nordhausen in Thüringen nicht allein. Die Gütersloher Untersuchung hat ergeben, dass in Thüringen lediglich Erfurt, Weimar und Jena weiter wachsen werden.

Die Datenbank verbindet erstmals flächendeckende Prognosen zur demographischen Entwicklung der Bevölkerung in Deutschland mit aktuellen Daten zur sozialen und ökonomischen Situation in den Städten und Gemeinden. Mit dem "Wegweiser Demographischer Wandel" der Bertelsmann Stiftung werden im Internet erstmals belastbare Daten zur lokalen Situation in 2.959 untersuchten Kommunen und 432 Landkreisen bereitgestellt. Erfasst wird das Lebensumfeld von 85 Prozent der Einwohner Deutschlands. Der Wegweiser gliedert sich in die drei Rubriken: Daten, Prognosen und Konzepte.

"Die Kommunen sind der Ort, wo der demographische Wandel unmittelbar und unausweichlich erlebt wird", sagte Dr. Johannes Meier, Vorstandsmitglied der Bertelsmann Stiftung, bei der Vorstellung des Frühwarnsystems. Die Kommunen würden jedoch zu unterschiedlichen Zeitpunkten, mit unterschiedlicher Geschwindigkeit und Intensität von den Auswirkungen des demographischen Wandels erfasst. Der Wegweiser Demographischer Wandel mache diese Entwicklungen nun für jede Kommune transparent.

So sind die Städte Wolfen, Hoyerswerda und Weißwasser am stärksten von Alterung und Schrumpfung betroffen. Der Bevölkerungsverlust wird in diesen Städten bis zum Jahr 2020 laut Prognose bis zu 47 Prozent betragen. Dies ist in erster Linie auf eine besonders starke Abwanderung der 18 bis 24 Jährigen zurückzuführen. Demgegenüber stehen Kommunen, die bis zum Jahr 2020 über 40 Prozent an Bevölkerung hinzugewinnen werden. Dies sind häufig Städte und Gemeinden im Umfeld der wirtschaftsstarken und aufstrebenden Großstädte wie Ahrensfelde bei Berlin oder Wentorf bei Hamburg.

Die Aktion Demographischer Wandel der Bertelsmann Stiftung hat den Wegweiser gemeinsam mit kommunalen Experten aus Wissenschaft und Praxis entwickelt. Eine Besonderheit des Wegweisers ist die Einteilung der untersuchten Städte und Gemeinden in 15 unterschiedliche Demographietypen. Für diese Demographietypen bietet der Wegweiser konkrete Handlungskonzepte für die kommunale Praxis an.

"Das kommunale Management, aber auch jeder Bürger haben damit die Möglichkeit, sich ein konkretes Bild über die zukünftigen Herausforderungen ihres unmittelbaren Umfelds zu machen", erläuterte Meier. "Der Wegweiser stellt darum auch für Journalisten und Bürger einen wichtigen Service dar, um sich aktiv in die Gestaltung des demographischen Wandels einzubringen."
Autor: nnz

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