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nnz-doku: Wer braucht uns?

Dienstag, 14. März 2006, 08:24 Uhr
Nordhausen/Bleicherode (nnz). Eine Seminarfachgruppe des Friedrich-Schiller-Gymnasiums Bleicherode hat eine Seminarfacharbeit über das Thema "Gebietsreform in Nordthüringen" verfasst. Die nnz veröffentlicht dazu eine Dokumentation der Bleicheröder Gymnasiasten.


Es geht nicht um die kleinen Sorgen, sondern um die Perspektiven unserer Region. Die thematische Karte zur Arbeitslosigkeit in Thüringen hat uns zum wievielten Mal eigentlich geschockt. Simpel gefragt, haben wir nach Berufsausbildung und Abitur im Nordhäuser Land noch eine Perspektive? Politiker, Funktionsträger und Parteien hatten und haben offensichtlich kein Interesse mit uns darüber zu diskutieren, und wir hatten darum auch nicht gebeten.

Was macht eigentlich den Unterschied aus: Für uns waren Haushaltsplan, Schulnetzplan, Verwaltungsreform Vokabeln mit wenig interessanten Inhalten - aber Politiker konnten damit auch nicht so richtig umgehen. Bei der Suche für ein Thema unserer Seminarfacharbeit zum Abitur fiel uns das Problem der Gebietsreform geradezu vor die Füße. Deren Notwendigkeit oder Fragwürdigkeit stand zur Debatte. Zwangsläufig kam die Frage auf, warum die Arbeitslosigkeit und Abwanderungstendenz. zwischen dem Eichsfeldkreis und dem Landkreis Nordhausen so unterschiedlich sei. Was wurde unternommen, diesem Prozess erfolgreich zu begegnen?

Mit den Landräten der nördlichen Kreise des Freistaates suchten wir Gespräche, besonders zum Thema Gebietsreform, wegen der Vermutung der Einsparung von Verwaltungskosten. Von vorsichtiger Ablehnung über verbale Bejahung bis zu ausgearbeiteten Modellen für Großkreise auf Gebietskarten war alles zu haben. Die Vernunft ist offensichtlich rätselhaft am dargestellten Beispiel, mehr noch an den bisherigen Bemühungen um eine stabile Wirtschaftsentwicklung in Nordhausen. Das Problempaket war immens, besonders unmittelbar nach der Wende, die Bemühungen beachtlich, aber der Erfolg bescheiden.

Nicht zu kritisieren sind hoch gestellte Ziele. Überzogen werden sie zu Wunschbildern, auch Märchen. Eine oberzentrale Kreisstadt plus eine hyperzentrale Industriefläche, gedacht für die gesamte Nordregion von 100 ha in der Goldenen Aue für Großinvestoren, wer ersann so ein Lotteriespiel? Verbrauchte Geldmittel für Planungen, Gutachten, Beratungen, Gehälter, Fahrkosten und Werbematerial werden sicher niemals veröffentlicht. Deshalb spekulieren wir: Ein Teil der Sanierungskosten für dringende Arbeiten am Altbau Schillergymnasium wären möglich gewesen. Genügend Informationen standen zur Verfügung. Es fehlten wichtige anziehende Faktoren (wissenschaftliche Potentiale, komplette Südharzautobahn und nach Presseinformation, kofinanzierte Fördermittel.).

Die Folgen solcher Wirtschaftsförderung waren sicher in Unternehmen und bei Arbeitslosen zuerst spürbar. Wie ertrug der Mittelstand so eine Kultur des Wunschdenkens? Die Antwort konnte nur von den Unternehmern selbst kommen - sie legten ein Strategiepapier vor, fordern gar noch kritische Stellungnahmen heraus (wenn es stimmt?). Ein Ja für diesen Anfang, für diesen Mut, aber wir wollen einbezogen werden. Beim Studium des Textes fallen zu viele Kompromisse auf. Wenn dieses Fremdwort „Zugeständnisse“ bedeutet, ist Gefahr im Verzug. Die Gesamtheit der Wirtschaftsförderung für Nordhausen ähnelt wohl stark einem „Gordischen Knoten“, das Industriegebiet Goldene Aue erfährt eine Abrüstung, wird nun strategische Vorhaltefläche! Der Verdacht ist ein schlechter Berater, aber ein Jahrzehnt verpasste Wirtschaftsperspektive machen sensibel.

Wir provozieren: Welche Unternehmen könnten durch effektive Kooperation mit Forschung und effektiver Förderung bis etwa 2008 neue weltmarktfähige Produkte entwickeln mit Chancen auf dem europäischen Markt (Motorenkonstruktion, Erdwärmenutzung, Nanotechnologie in Werkstoffen, Satellitennutzung u.a.)? Diese eine Frage würde monatelang viele Arbeitsgruppen beschäftigen und am Ende sogar falsch gestellt sein. Aber es könnten sich endlich wieder nach der Ausbildung Motive für eine Rückkehr in unsere Heimat ergeben.
Christian Meyer, Matthias Kroneberg, Lisa Hitzing
Autor: nnz

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