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14 Mal Premiere

Freitag, 03. März 2006, 14:08 Uhr
Nordhausen (nnz). 14 Premieren und so viele Besucher wie seit 15 Jahren nicht mehr, ein Theater zieht Bilanz. Doch nicht nur das, Lars Tietje wagt auch einen Ausblick auf die Zukunft. Was erwartet langjährige Theaterfans und alle, die es noch werden wollen? nnz stellt die Pläne vor.

14 Mal Premiere (Foto: nnz) 14 Mal Premiere (Foto: nnz)

14 Premieren erwarten das Publikum in der Spielzeit 2006/2007. Für jeden Geschmack ist etwas dabei, Opern, Ballett, Musical, Schauspiel und Stücke für Kinder. Mit dieser bunten Mischung war es Intendant Lars Tietje und seinen Kollegen gelungen, so viele Besucher ins Theater zu locken, wie seit 1990 nicht mehr. Den größten Zuwachs, über 30 %, erreichte eine Sparte, die nicht jedermanns Geschmack ist und deren Nutzen daher am schnellsten in Frage gestellt wird. Doch Jutta Wörne hat gezeigt, daß Ballett nicht „Hupfdohlen“ heißt, sondern besonders junges Publikum anspricht. Erst kürzlich kamen Schüler zur Ballettkompanie und überzeugten mit ihren Interpretationen zu „TanzMiro“.

Mit „Generation 80ies“ traf die Ballettdirektorin den Nerv ihrer Generation, die mit den Hits dieser Zeit aufgewachsen ist. Um den Tänzern nahe zu sein, wird sie auch dieses Jahr wieder einen Kammertanzabend im Theater unterm Dach inszenieren. Dabei haben die Mitglieder der Ballettkompanie die Möglichkeit, ihre Stärken als Choreographen und Bühnenbildner zu zeigen und ihre eigenen experimentellen Ideen auszuleben. Absoluter Ballett-Höhepunkt wird „ReqiueMozaTanz“ sein. Die Ballettkompanie tritt zu Mozarts „Requiem“ in der Blasii-Kirche auf. Von diesem Ort als Kulisse ist Jutta Wörne fasziniert. Sie versichert, daß dieses Stück nur in der Kirche aufgeführt wird, nicht im Theater

Durch bekannte Darbietungen wie „Jesus Christ Superstar“ konnte das Theater sein Image bei der Bevölkerung deutlich verbessern und mehr Zuschauer anlocken. Natürlich erinnerten sich noch Leute an fragwürdige Stücke, die das Haus vor vielen Jahren in die Kritik brachten, berichtete Lars Tietje. Er freute sich, daß sich die meisten dann doch vom „neuen“ Theater überzeugen ließen. Als heißer Kandidat für den Publikumsliebling der nächsten Spielzeit wird das lang erwartete ABBA Musical „Chess“ gewertet. Das Theater war schon länger an der Aufführung interessiert und konnte jetzt die Rechte erwerben.

Opernfreunde hatten in dieser Spielzeit ihre Freude an „Madame Butterfly“. Im nächsten Jahr können sie sich auf „Turandot“ von Giacomo Puccini freuen. Auch diese Oper wird in Originalsprache mit Untertiteln aufgeführt. Wieder steht eine Liebesgeschichte aus dem asiatischen Raum im Mittelpunkt. 12 exotische Instrumente schaffen die passende Atmosphäre. Wer lieber etwas leichtere Unterhaltung finden möchte, kann sich auf „Die drei Musketiere“ freuen. Eine humorvolle und zudem zeitkritische Oper ist „Neues vom Tage“. Sie entstand zwar bereits 1929, zeigt aber durchaus aktuell, wie ein zerstrittenes Ehepaar Schlagzeilen für Presse und Fernsehen liefert. Einschlägige Fernsehshows lassen grüßen.

Die jüngsten Zuschauer werden in der neuen Spielzeit nicht leer ausgehen. Eine weitere Episode der beliebten „Petterson und Findus“- Reihe ist für Kinder ab vier Jahren geeignet. Petterson will diesmal für seinen Katzenfreund eine Torte backen, allerdings fehlen ihm einige Zutaten. Bei deren Beschaffung erleben die beiden lustige Abenteuer. An ein Weihnachtsmärchen wurde auch gedacht. In Kooperation mit der Musikhochschule „Franz Liszt“ Weimar entstand das Märchenspiel „Hänsel und Gretel“. Studenten singen das bekannte Stück von Engelbert Humperdinck. Mit „Der Lebkuchenmann“ steht zudem ein Musical für Kinder auf dem Programm.

„Der Export von Nordhäuser Stücken nach Rudolstadt funktioniert sehr gut, sie sind bis zu 90 % ausgelastet“, berichtet Intendant Lars Tietje begeistert. Umgekehrt funktioniere es leider noch nicht so gut. Die Nordhäuser trauern ihrem Schauspiel hinterher. Neue Gesichter haben es schwer. Die Aufführungen aus Rudolstadt haben hier nur eine Auslastung von etwa 75 %. Vielleicht kommt diesjahr der Durchbruch mit Lessings Trauerspiel „Emilia Galotti“ oder der Schlagerrevue „Wovon träumst du, wenn du träumst“. Bei Jugendlichen könnte das Schauspiel „Hafen der Sehnsucht“ gute Chancen haben. Es beschreibt die Suche nach Lebensglück in Zeiten der gesellschaftlichen Veränderung, damit also etwas, was junge Menschen heute bewegt. An Bewährtem, wie der Kooperation mit Schulen und den Theaterjugendklubs wird natürlich nach wie vor festgehalten. Das ist längst nicht alles, Spielpläne gibt es auch unter www.theater-nordhausen.de.
Autor: wf

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