Plädoyer für Handkasse
Montag, 20. Februar 2006, 16:47 Uhr
Nordhausen (nnz). Wenn es im Kreisausschuss schon nicht allzu viel zu beraten und zu diskutieren gibt, dann ist der Bürokratieabbau ein beliebter Pausenfüller Diesmal sorgte die FDP für einen solchen und machte dann einen Rückzieher.
Der Landkreis Nordhausen solle sich am Projekt Modellregion Bürokratieabbau beteiligen, so der Antrag der Liberalen. Die FDP wolle damit ein Zeichen setzen, schließlich müsse doch nicht alles beantragt werden. Warum soll Klaus-Dieter Drick – in seinem beruflichen Leben Schulleiter in Bleicherode – für 2,50 Euro einen Verwaltungsgang auslösen, der am Ende 3 Euro kosten würde. Das alltägliche Beispiel: Wer sich als verwalteter Bürger des Landkreises Nordhausen einen grünen Sack im Landratsamt kaufen will, der bringt einen oder zwei Euro mit. An der Rezeption trägt der Bürger sein Anliegen ordnungsgemäß vor. Er erhält einen Laufzettel, damit geht er zur Kasse, irgendwo in den weiten Fluren der Behörde. Wenn er seinen Euro eingezahlt hat, dann bekommt er eine Quittung und kann zur Expertin für die grünen Säcke gehen und sich einen solchen aushändigen lassen.
Das macht dem Bürger sicher viel Spaß, lernt er doch die Behörde teilweise kennen und kann sich sicher sein, dass er ordnungsgemäß verwaltet wird. Nur darf der Bürger nicht auf die Idee kommen, dass es eine Handkasse an der Rezeption wohl auch getan und ihm Laufereien erspart hätte. Und genau so eine Handkasse hätte sich auch Schulleiter Drick wieder in seiner Schule gewünscht.
Das hat er aber Pech, denn das Wort Handkasse erzeugt in der Leitung des Landratsamtes ein derartiges Grauen, dass auch heute richtig gekontert wurde. Es gibt im Hause eine Auflage, keine Handkasse mehr zu führen und dabei bleiben wir, meinte die zweite Beigeordnete Loni Grünwald (Linkspartei.PDS). Sie erhielt zuvor Unterstützung von ihrem Parteikollegen Rainer Bachmann, der der FDP vorwarf, das Fahrrad zweimal zu erfinden. Doch ganz so gegen einen Bürokratieabbau wollen die Linken natürlich auch nicht sein und lenkten ein. Wir sind ja dafür, aber es muss ganz konkret werden!
In der Nordhäuser Kreisverwaltung gebe es sowieso keine Bürokratie abzubauen, das sei eine prima Behörde. Diese Worte des Egon Primas ließen die Augen der Verwalter funkeln und der CDU-Fraktionsvorsitzende redete sich geradezu in Rage, denn er habe in keiner Amtsstube erlebt, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Landratsamtes nichts zu tun gehabt hätten.
Gott sei Dank ist vom Kreisausschuss nicht noch eine Arbeitsgruppe zur Bekämpfung des Bürokratieabbaus eingesetzt worden. Die FDP aber, die war in Person von Klaus-Dieter Drick so überwältig, dass sie den Antrag zurückzog und wohl nun in den kommenden Jahrzehnten selbst über eine Handkasse nicht mehr nachdenken wird.
Autor: nnzDer Landkreis Nordhausen solle sich am Projekt Modellregion Bürokratieabbau beteiligen, so der Antrag der Liberalen. Die FDP wolle damit ein Zeichen setzen, schließlich müsse doch nicht alles beantragt werden. Warum soll Klaus-Dieter Drick – in seinem beruflichen Leben Schulleiter in Bleicherode – für 2,50 Euro einen Verwaltungsgang auslösen, der am Ende 3 Euro kosten würde. Das alltägliche Beispiel: Wer sich als verwalteter Bürger des Landkreises Nordhausen einen grünen Sack im Landratsamt kaufen will, der bringt einen oder zwei Euro mit. An der Rezeption trägt der Bürger sein Anliegen ordnungsgemäß vor. Er erhält einen Laufzettel, damit geht er zur Kasse, irgendwo in den weiten Fluren der Behörde. Wenn er seinen Euro eingezahlt hat, dann bekommt er eine Quittung und kann zur Expertin für die grünen Säcke gehen und sich einen solchen aushändigen lassen.
Das macht dem Bürger sicher viel Spaß, lernt er doch die Behörde teilweise kennen und kann sich sicher sein, dass er ordnungsgemäß verwaltet wird. Nur darf der Bürger nicht auf die Idee kommen, dass es eine Handkasse an der Rezeption wohl auch getan und ihm Laufereien erspart hätte. Und genau so eine Handkasse hätte sich auch Schulleiter Drick wieder in seiner Schule gewünscht.
Das hat er aber Pech, denn das Wort Handkasse erzeugt in der Leitung des Landratsamtes ein derartiges Grauen, dass auch heute richtig gekontert wurde. Es gibt im Hause eine Auflage, keine Handkasse mehr zu führen und dabei bleiben wir, meinte die zweite Beigeordnete Loni Grünwald (Linkspartei.PDS). Sie erhielt zuvor Unterstützung von ihrem Parteikollegen Rainer Bachmann, der der FDP vorwarf, das Fahrrad zweimal zu erfinden. Doch ganz so gegen einen Bürokratieabbau wollen die Linken natürlich auch nicht sein und lenkten ein. Wir sind ja dafür, aber es muss ganz konkret werden!
In der Nordhäuser Kreisverwaltung gebe es sowieso keine Bürokratie abzubauen, das sei eine prima Behörde. Diese Worte des Egon Primas ließen die Augen der Verwalter funkeln und der CDU-Fraktionsvorsitzende redete sich geradezu in Rage, denn er habe in keiner Amtsstube erlebt, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Landratsamtes nichts zu tun gehabt hätten.
Gott sei Dank ist vom Kreisausschuss nicht noch eine Arbeitsgruppe zur Bekämpfung des Bürokratieabbaus eingesetzt worden. Die FDP aber, die war in Person von Klaus-Dieter Drick so überwältig, dass sie den Antrag zurückzog und wohl nun in den kommenden Jahrzehnten selbst über eine Handkasse nicht mehr nachdenken wird.
