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Wolfgang Tiefensee besucht Nordhausen:

Minister morgen auf Sommertour in der Hochschule

Montag, 15. August 2022, 13:13 Uhr
Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee sieht die Umstellung auf CO2-neutrale Energiequellen und Produktionsprozesse als die zentrale Herausforderung für die Thüringer Wirtschaft in den kommenden Jahren. Morgen diskutiert er in der Nordhäuser Hochschule darüber...

„Die Dekarbonisierung von Produkten und Verfahren ist unumgänglich, aber der damit ausgelöste Strukturwandel kommt einer neuen industriellen Revolution gleich“, sagte der Minister beim heutigen Start seiner Sommertour „#neueenergiethueringen“. Dabei kämen erhebliche Kosten auf die Betriebe zu. Laut einer KfW-Studie belaufen sich die klimaschutzbedingten Mehrinvestitionen der deutschen Industrie bis 2045 auf gut 460 Milliarden Euro. Nach Schätzung des Thüringer Wirtschaftsministeriums entfallen davon gut neun Milliarden Euro auf die Industrieunternehmen im Freistaat das entspricht einer Investitionssumme von etwa 380 Millionen Euro jährlich. Der Minister fordert daher vom Bund, entsprechende Förderprogramme zur Bewältigung dieser Kosten aufzulegen, von denen insbesondere auch der Mittelstand profitieren müsse. Auch Thüringen selbst sollte steigende Förderbedarfe in diesem Bereich in seinen künftigen Haushaltsplanungen berücksichtigen.

Auf seiner Sommertour „#neueenergiethueringen“ möchte sich Tiefensee in dieser Woche über die Situation der Betriebe auf ihrem Weg zur CO2-Neutralität informieren, innovative Lösungen und Projekte zur Dekarbonisierung von Produkten und Prozessen kennenlernen und mit den Unternehmen über weitere Schritte, aber auch Probleme und Unterstützungsbedarfe ins Gespräch kommen. Viele Unternehmen im Freistaat hätten die Herausforderungen längst angenommen, neue Energiequellen und Einsparpotentiale erschlossen oder arbeiteten bereits an neuen Technologien und Produkten, um die Chancen und Potentiale der Energiewende zu nutzen, so der Minister.

Er sei jedenfalls überzeugt davon, dass die notwendige Bewältigung der „Energiewende“ für die Wirtschaft nicht nur Herausforderungen, sondern auch Chancen biete: „Im Bereich der erneuerbaren Energien und der alternativen Energietechnologien tun sich erhebliche Wertschöpfungspotentiale auf“, so Tiefensee. Diese Potentiale wird das Wirtschaftsministerium in den kommenden Monaten in einer Studie untersuchen lassen und daraus entsprechende Handlungsoptionen ableiten. Schon jetzt gebe es eine Vielzahl von Aktivitäten des Landes etwa im Bereich der Batterie- und Wasserstofftechnologien. Thüringen baue seine Kompetenzen in diesen Bereichen von der Produktion bis zur Forschung systematisch aus. Dies reiche etwa von der Großansiedlung des chinesischen Batteriezellenherstellers CATL über den künftigen „Technologiecampus Batteriefertigung“ mit dem Fraunhofer-BITC am Erfurter Kreuz bis hin zum Fraunhofer-Institut für Keramische Systeme und Technologien (IKTS) in Hermsdorf oder dem Zentrum für Energie- und Umweltchemie (CEEC) an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Zugleich ist das Land unter Führung der Bauhaus-Universität Weimar und Firmen wie der KUMATEC Sondermaschinenbau & Kunststoffverarbeitung GmbH an der von Bund und Land mit 7,7 Millionen Euro geförderten Wasserstoff-Initiative H2-Well beteiligt. Zudem baut das Land im Rahmen seiner Wasserstoffstrategie weitere Forschungs- und Transferkompetenzen am Erfurter Kreuz und im Raum Sonneberg auf.

Aber nicht nur die Unternehmen seien jetzt gefordert auch die Politik sei gefragt, für die richtigen Rahmenbedingungen zu sorgen. „Der Ausbau der erneuerbaren Energien muss beschleunigt werden, und Thüringen braucht den Anschluss an die großen, bundesweiten Energietrassen“, sagte der Minister. Das gelte insbesondere für das geplante nationale Wasserstoffnetz, an das Thüringen unbedingt angebunden werden sollte. Zudem müssten Fragen der Versorgungssicherheit und Bezahlbarkeit von Energie künftig wieder eine größere Rolle spielen: „Energie- und Wirtschaftspolitik müssen stärker zusammen gedacht werden.“ Das gelte auch mit Blick auf die Energieversorgung der Industrie- und Gewerbestandorte in Thüringen, die in Zukunft klimaneutral gestaltet werden sollten: „Dekarbonisierung wird hier immer mehr zu einem Standortfaktor. Eine wachsende Zahl von Unternehmen setzt auf CO2-neutrale Prozesse und investiert deshalb in Zukunft dort, wo es regenerative Energiequellen mit hoher Versorgungssicherheit und zu bezahlbaren Preisen gibt.“ Tiefensee sagte, Thüringen bemühe sich hier um ein gemeinsames Pilotprojekt mit dem Bund, im Rahmen dessen der größte Industriestandort in Thüringen das „Erfurter Kreuz“ künftig CO2-frei mit Energie versorgt werden solle. „Damit wollen wir auch bundesweit eine Vorreiterrolle einnehmen.“
Autor: red

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