Weiter Streit um Renteneintritt
Dienstag, 31. Januar 2006, 07:17 Uhr
Nordhausen (nnz). Die Pläne von Arbeitsminister Franz Müntefering für die schnellere Einführung der Rente mit 67 sorgen weiter für Streit. Wer sich der Münte-Meinung nicht anschließen kann, das erfahren Sie mit einem Klick auf MEHR.
Der Chef des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Michael Sommer, äußerte nach einem Treffen des SPD-Gewerkschaftsrates in Berlin Vorbehalte gegen die Verlängerung der Lebensarbeitszeit. Er nahm aber das Angebot Münteferings an, gemeinsam mit der SPD Ideen zur Beschäftigungssicherung älterer Arbeitnehmer zu entwickeln. Müntefering wies Kritik an seinem Vorstoß in der ARD zurück. Unterstützung erhält er dabei vor allem vom Rentenexperten Bert Rürup, der sich gestern im "ZDF- Mittagsmagazin" für den Vorschlag von Arbeitsministers aussprach, das Renteneintrittsalter heraufzusetzen.
"Ich begrüße den Vorstoß als solchen. Denn er ist meines Erachtens die richtige Antwort auf die Kosten, die daraus entstehen, dass mit der Lebenserwartung auch die Rentenbezugsdauer steigt", sagte der Vorsitzende des Rats der Wirtschaftsweisen. Da man die dadurch entstehenden Kosten nicht "wegreformieren" könne, müssten sie anders verteilt werden. Die Heraufsetzung des Renteneintrittsalters ziele eben darauf ab, die Kosten bei jenen anzusiedeln, die in den Genuss dieser steigenden Rentenbezugsdauer kämen. "Wenn man das nicht macht, fallen diese Kosten trotzdem an, nur müssen andere sie zahlen", so Rürup.
Viel wichtiger jedoch als die Frage, über welchen Zeitraum man diese Heraufsetzung vollziehe, ist laut Rürup die Tatsache, dass relativ bald über die Modalitäten entschieden wird. Dann könnten sich die Arbeitnehmer und die Unternehmen bei ihrer Einstellungspolitik darauf einrichten: "Es ist wichtig, dass man relativ schnell diese wichtige Entscheidung über das "ob" und "wie" trifft."
Zudem forderte Rürup: "Wir müssen mit dieser Entscheidung‚ gleitend das Rentenalter hochzunehmen, auch relativ bald alle noch bestehenden Anreize zur vorzeitigen Verrentung wegnehmen." Ein Vergleich mit dem Ausland mache deutlich, dass dort – im Unterschied zu Deutschland – wesentlich mehr ältere Arbeitnehmer im Alter zwischen 59 und 64 Jahren noch arbeiteten. Denn dort habe man nicht den Fehler gemacht, über Programme zur Frühverrentung das Arbeitslosigkeitsproblem zu lösen.
Zusätzlich zur Erhöhung des Renteneintrittsalters hält Rürup weitere Maßnahmen für wichtig: "Die Entscheidung, das Renteneintrittsalter hoch zu setzen, ist richtig und wichtig. Sie muss aber von betrieblicher Weiterbildung und Ausbau einer betrieblichen Gesundheitspolitik flankiert werden", sagte er. "Und im übrigen, die Probleme, die wir seit Jahren im Rentensystem haben, resultieren noch nicht aus der Demografie. Die demografische Herausforderung kommt erst in den nächsten Jahren. Die Probleme, die wir gegenwärtig haben, resultieren aus der schlechten Arbeitsmarktentwicklung. Und deshalb muss beides gemacht werden: Wir müssen den Arbeitsmarkt in Schuss bringen und wir müssen das Rentensystem über die Heraufsetzung der Altersgrenze demografiesicher machen."
Wie sehr Münteferings Vorschlag die Fronten spaltet zeigt schließlich auch der Umstand, dass sich auch die CSU-Spitze in München offen für die schnellere Einführung der Rente mit 67 zeigt, und das gegen den ausdrücklichen Widerstand von Parteivize Horst Seehofer und den Arbeitnehmerflügel der CDU. Kritik an Münteferings Überlegungen kam schließlich auch von CDU/CSU-Fraktionschef Volker Kauder, den Grünen, der Linkspartei und Sozialverbänden.
Autor: nnzDer Chef des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Michael Sommer, äußerte nach einem Treffen des SPD-Gewerkschaftsrates in Berlin Vorbehalte gegen die Verlängerung der Lebensarbeitszeit. Er nahm aber das Angebot Münteferings an, gemeinsam mit der SPD Ideen zur Beschäftigungssicherung älterer Arbeitnehmer zu entwickeln. Müntefering wies Kritik an seinem Vorstoß in der ARD zurück. Unterstützung erhält er dabei vor allem vom Rentenexperten Bert Rürup, der sich gestern im "ZDF- Mittagsmagazin" für den Vorschlag von Arbeitsministers aussprach, das Renteneintrittsalter heraufzusetzen.
"Ich begrüße den Vorstoß als solchen. Denn er ist meines Erachtens die richtige Antwort auf die Kosten, die daraus entstehen, dass mit der Lebenserwartung auch die Rentenbezugsdauer steigt", sagte der Vorsitzende des Rats der Wirtschaftsweisen. Da man die dadurch entstehenden Kosten nicht "wegreformieren" könne, müssten sie anders verteilt werden. Die Heraufsetzung des Renteneintrittsalters ziele eben darauf ab, die Kosten bei jenen anzusiedeln, die in den Genuss dieser steigenden Rentenbezugsdauer kämen. "Wenn man das nicht macht, fallen diese Kosten trotzdem an, nur müssen andere sie zahlen", so Rürup.
Viel wichtiger jedoch als die Frage, über welchen Zeitraum man diese Heraufsetzung vollziehe, ist laut Rürup die Tatsache, dass relativ bald über die Modalitäten entschieden wird. Dann könnten sich die Arbeitnehmer und die Unternehmen bei ihrer Einstellungspolitik darauf einrichten: "Es ist wichtig, dass man relativ schnell diese wichtige Entscheidung über das "ob" und "wie" trifft."
Zudem forderte Rürup: "Wir müssen mit dieser Entscheidung‚ gleitend das Rentenalter hochzunehmen, auch relativ bald alle noch bestehenden Anreize zur vorzeitigen Verrentung wegnehmen." Ein Vergleich mit dem Ausland mache deutlich, dass dort – im Unterschied zu Deutschland – wesentlich mehr ältere Arbeitnehmer im Alter zwischen 59 und 64 Jahren noch arbeiteten. Denn dort habe man nicht den Fehler gemacht, über Programme zur Frühverrentung das Arbeitslosigkeitsproblem zu lösen.
Zusätzlich zur Erhöhung des Renteneintrittsalters hält Rürup weitere Maßnahmen für wichtig: "Die Entscheidung, das Renteneintrittsalter hoch zu setzen, ist richtig und wichtig. Sie muss aber von betrieblicher Weiterbildung und Ausbau einer betrieblichen Gesundheitspolitik flankiert werden", sagte er. "Und im übrigen, die Probleme, die wir seit Jahren im Rentensystem haben, resultieren noch nicht aus der Demografie. Die demografische Herausforderung kommt erst in den nächsten Jahren. Die Probleme, die wir gegenwärtig haben, resultieren aus der schlechten Arbeitsmarktentwicklung. Und deshalb muss beides gemacht werden: Wir müssen den Arbeitsmarkt in Schuss bringen und wir müssen das Rentensystem über die Heraufsetzung der Altersgrenze demografiesicher machen."
Wie sehr Münteferings Vorschlag die Fronten spaltet zeigt schließlich auch der Umstand, dass sich auch die CSU-Spitze in München offen für die schnellere Einführung der Rente mit 67 zeigt, und das gegen den ausdrücklichen Widerstand von Parteivize Horst Seehofer und den Arbeitnehmerflügel der CDU. Kritik an Münteferings Überlegungen kam schließlich auch von CDU/CSU-Fraktionschef Volker Kauder, den Grünen, der Linkspartei und Sozialverbänden.
