nnz-online

nnz-Doku: Handeln und feiern

Sonntag, 22. Januar 2006, 09:08 Uhr
Nordhausen/Leinefelde (nnz). Gestern fand in Leinefelde der traditionelle Nordthüringer Handwerkerball statt. Die nnz veröffentlicht die Rede von Kreishandwerksmeister Raimund Günther und berichtet über Ehrungen und die neuen Jungmeister.


Sehr geehrte Damen und Herren,
gemeinsam handeln und gemeinsam feiern. Dies ist unser 16. Handwerkerball und der fünfte in der Gemeinschaft Eichsfeld-Nordhausen, der in diesem Haus begangen wird. Wir Eichsfelder sind dann auch gern zu Gast beim Frühlingsball in Nordhausen, der traditionell im Autohaus Peter gefeiert wird!

Vor fünf Jahren haben die Vorstände und alle Obermeister von Nordhausen und dem Eichsfeld ein einstimmiges Votum zum Zusammenschluss der Kreishandwerkerschaft abgegeben und damit ein Zeichen für die Zukunft gesetzt. Ja, wir wollen, dass die Region Nordthüringen stärker zusammen wächst. Mit der neuen Autobahn sind wir nicht nur schneller verbunden, wir können noch besser gemeinsam handeln und kooperieren mit dem Ziel, die Wirtschaftskraft in Nordthüringen zu stärken.

Wir möchten, dass die Menschen in ihrer Heimat bleiben und vor allem unsere Jugendlichen sich hier eine Existenz aufbauen können, um nicht in andere Bundesländer abwandern zu müssen.

Unsere Kreishandwerkerschaft zeichnet sich seit vielen Jahren als eine der höchst organisierten Kreishandwerkerschaften in ganz Deutschland aus. Mit einem Organisationsgrad von über 80 % gegenüber 25 – 40 % bei den meisten Kreishandwerkerschaften in Thüringen liegen wir mit den vielen Aktivitäten, insbesondere in der Aus- und Weiterbildung an der Spitze.

Eine von der Handwerkskammer Erfurt eingesetzte unabhängige Wirtschaftsprüfung stellte in unserer Kreishandwerkerschaft im November 2005 fest: „Die Kreishandwerkerschaft Nordthüringen leistet eine mustergültige Arbeit und ist als eine der wenigen wirtschaftlich gesund.“

Das Nordthüringer Handwerk setzt auf Bildung und Leistung. Mit 1629 Auszubildenden haben wir die höchste Ausbildungsquote im Thüringer Handwerk.

Die Novellierung der Handwerksordnung mit der Abschaffung der Meisterpflicht in einer großen Anzahl von Gewerken war ein Schlag ins Gesicht. In ganz Deutschland kam es zu einem Rückgang der Meisterausbildung.

Bei uns nicht!

Wir haben in der Kreishandwerkerschaft Nordthüringen zwei Meisterklassen mit immerhin 48 Meisterschülern, wovon ein großer Teil den elterlichen Betrieb einmal übernehmen will. Hier wachsen junge Handwerksmeister heran, die mit hohem Leistungswillen und persönlichen Einsatz ihre Meisterausbildung betreiben, trotz der erheblichen Mehrbelastung, die diese jungen Leute auf sich nehmen müssen.

Nun erst recht, wir setzen ein Zeichen, davon künden die Logos auf den Autos unserer jungen Handwerksmeister „Meisterbetrieb“, „Meister des Handwerks“. Ein neues Selbstbewusstsein für fachliche Kompetenz und Qualität macht sich bundesweit auf den Weg, um seine qualifizierte Leistung dem Kunden anzubieten. Unsere neue Regierung sollte dieses registrieren und in Zukunft im Sinne des Handwerks handeln.

Meine Damen und Herren,
Die Kreishandwerkerschaft hat viel in unsere Ausbildungszentren investiert und sehr viel für unsere Auszubildenden getan. Das darf nicht umsonst gewesen sein. Wir brauchen auch weiterhin die überbetriebliche Ausbildung in unseren anspruchsvollen Zentren, damit die Wirtschaftlichkeit der Kreishandwerkerschaft gesichert werden kann. Ein wesentlicher Bestandteil unserer Investitionen floss im letzten Jahr in das Haus des Handwerk, die Finkenburg, in Nordhausen. In die neu renovierten Räume ist die IKK Thüringen, Bereich Nordthüringen eingezogen.

Wir danken heute der Oberbürgermeisterin, Frau Rinke, für ihre Unterstützung beim Erwerb der Finkenburg für das Nordhäuser Handwerk und bitten Sie uns tatkräftig zu bei der Schaffung von Parkplätzen vor diesem Haus zur Seite zu stehen.

Meine Damen und Herren,
auf dem Gebiet der Ausbildungsvorbereitung in unseren Regelschulen im Eichsfeld und Nordhausen haben wir vieles erreicht, so laufen nunmehr in beiden Kreisen für alle Regelschulen eine polytechnische Ausbildung. Im Eichsfeldkreis hat die Kreishandwerkerschaft Nordthüringen in Kooperation mit dem Obereichsfelder Bildungswerk, der Leinefelder Bildungsakademie, dem Bildungszentrum Deuna und dem Internationalen Bund Heiligenstadt eine flächendeckende polytechnische Ausbildung in 12 übergreifenden Gewerken aufgebaut. Dabei ist Polytechnik keine Erfindung aus der DDR-Zeit.

Hier ist das, was schon die alten Griechen vor 3000 Jahren erkannt haben mit neuem Leben erfüllt worden, nämlich theoretische und praktische Ausbildung werden miteinander verzahnt, um Schulabgängern besser Ausbildungschancen zu vermitteln, ja einfach um Schülern Handwerks- und Industrieberufe näher zu bringen. Es ist falsch, wenn die Jugendlichen meinen Daniel Kübelböck ist die Zukunft oder die Zukunft liegt nur in den so genannten Schlips- und Kragenberufen.

Mit den Landkreisen Eichsfeld und Nordhausen haben wir im Sommer 2005 ebenfalls eine neue Ausbildungsinitiative begonnen, in dem wir aus der Gruppe der Arbeitslosengeld-2-Empfänger Jugendliche unter 30 Jahre, die keine abgeschlossene Berufsausbildung oder keine abgeschlossenes Studium erreicht haben, zusätzlich in die Ausbildung im Nordthüringer Handwerk aufgenommen.

Für 62 Jugendliche, die mehrere Jahre keine Chance auf Arbeit hatten, inzwischen Arbeitslosengeld-2-Empfänger sind, haben wir die Ausbildung in 5 Handwerksberufen aufgenommen, sie mit sozialpädagogischer Unterstützung neu motiviert und aufgebaut und stellen heute fest, dass mehr als 70 % dieser Jugendlichen neue Hoffnung geschöpft haben und sich motiviert einbringen, nunmehr sich so zu qualifizieren, dass sie auf dem Arbeitsmarkt eine Arbeit finden können.

Meine Damen und Herren,
nunmehr läuft auch ein neues Konzept der Nordthüringer Kreishandwerkerschaft an, welches sich mit dem Brachflächenmanagement beschäftigt. Ziel ist es mit einem neuen Erfassungs- und Bewertungssystem Brachflächen und nicht mehr genutzte Gebäude einer weiteren sinnvollen Nutzung zuzufahren. Hier ist unter Federführung der Fachhochschule Nordhausen ein erster Schritt für die bessere Vermarktung von Brachflächen mit einem neuem Erfassungs- und Bewertungssystem geschaffen worden.

Wir werden dieses Brachflächenerfassungssystem aktualisieren und erweitern und werden gemeinsam mit der Landesentwicklungsgesellschaft des Freistaates Thüringen, der Wirtschaftsförderung der Landkreise Eichsfeld und Nordhausen, mit dem Regionalen Servicecenter der IHK Nordthüringen und mit unseren eigenen Leistungen der Kreishandwerkerschaft Nordthüringen brachliegende Wirtschafts- und Gewerbeflächen so aufbereiten, dass wir diese mit gemeinsamen Anstrengungen in Nordthüringen vermarkten.

Wir müssen unsere Kräfte bündeln, um leer stehende Immobilien, die Gewerbezwecken dienten, wieder für Gewerbezwecke zu erschließen. Ein Schrecken ist es für Jedermann, wenn er durch die Innenstädte oder Gemeinden geht und sieht leer stehende Verkaufsflächen und leer stehende Immobilien und andererseits Existenzgründer, die nur mit hohen Investitionsaufwand in den Gewerbegebieten neu investieren müssen. Das ist nicht gut für die Infrastruktur unserer Städte und Gemeinden in der Region und hält viele Exstenzgründer aufgrund der hohen Investitionssummen, die sie oft nicht aufbringen können und für die sie nicht genügende Sicherheiten den Banken bringen können, dann eben nicht gründen. Daher ist es besser für unsere Region Immobilien aufzubereiten und zu vermarkten und unsere Handwerksbetriebe mit ihren Leistungen einzubinden.

Werte Handwerkskollegen, werte Gäste,
in diesen schwierigen Zeiten ist es unbedingt notwendig, dass wir zusammen stehen.
Wir Handwerker brauchen die Unterstützung der Landesregierung, unserer Abgeordneten im Europaparlament und im Bundestag, eine hilfreiche Zusammenarbeit mit unseren regionalen Banken, Versicherungen, Versorgungsträgern und den öffentlichen Auftraggebern in Stadt und Land.

Dann hat das Handwerk eine Zukunft und wird seinen Beitrag für den Wirtschaftsstandort Nordthüringen leisten.

Liebe Gäste
Mit Ihrer Teilnahme am Nordthüringer Handwerkerball wird Ihre Verbundenheit mit dem Handwerk eindrucksvoll dokumentiert wofür ich Ihnen im Namen des Vorstandes herzlich danke. Unser Dank gilt allen Mitarbeitern der Kreishandwerkerschaft, die unter Leitung unseres Hauptgeschäftsführers, Dr. Senft, eine hervorragende Arbeit leisten. Würdigen möchte ich auch die Arbeit der Ehrenamtsträger, der Vorstandsmitglieder, der Obermeister und der Prüfungsausschüsse. Ihre Tätigkeit ist Innungsarbeit im wahrsten Sinne des Wortes.

Meine Damen und Herren,
Handwerk hat Tradition, so auch in meiner Familie, wo das Stellmacherhandwerk über 300 Jahre zurück zu verfolgen ist, bis in den 70er Jahren diese Ära zwangsläufig endete. In der Stellmacherwerkstatt meines Vaters hing immer ein Spruch „Ehrlich Wort und trocken Holz sind des Stellmachers Stolz“

- Ehrlich und zuverlässig verrichten wir unsere Arbeit und wünschen uns, dass sie auch entsprechend honoriert wird.

- Trockenes Holz, ein Sinnbild für die Qualität im Holzhandwerk, has heute als Zukunftswärme wieder einzieht in unsere Wohnzimmer.

- Stolz sind wir auf unsere Handwerksbetriebe und die Leistungen unserer Handwerksmeister, unserer und Familien sowie auf unsere guten Mitarbeiter.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein paar frohe Stunden bei unserem Handwerkerball.


40-jähriges Meisterjubiläum
Elektromeister Alfons Kullmann, Breitenholz

25-jähriges Meisterjubiläum
Malermeister Ernst Nachtwey, Dingelstädt
Friseurmeister Bernward Ringling, Reinholterode
Zentralheizungs- und Lüftungsbaumeister Heinz Frixel, Breitenworbis


Begrüßt wurden zudem 21 der 39 Jungmeister:
Raumausstattermeister Pascal Kratzer Großbartloff
Elektromeister Bernd Rogge Wingerode
Fleischermeister Michael Wand Heiligenstadt
Fleischermeister Denny Amhäuser Nordhausen
Kfz-Meister Romanus Freund Leinefelde
Kfz-Meister Markus Montag Küllstedt
Kfz-Meister Ricardo Richwien Geismar
Kfz-Meister Matthias Schmerbauch Küllstedt
Kfz-Meister Sebastian Volkmar Krombach
Kfz-Meister Alberto Fruss Ellrich
Kfz-Meister Stefan Körber Bleicherode
Kfz-Meister Denis Kruse Ellrich
Kfz-Meister Tobias Meyer Wolkramshausen
Kfz-Meister Heiko Teubner Nohra
Maler- u. Lackierermeister Andreas Bugla Leinefelde
Maler- u. Lackierermeister Dominik Bürgel Leinefelde
Maler- u. Lackierermeister Rigobert Hindermann Silberhausen Zahntechnikermeister Ralf Klaus Gernrode
Gebäudereinigermeister Olaf Breitenstein Heiligenstadt
Zimmerermeister Ronald Manti Auleben
Zimmerermeister Andreas Heidelberg Sülzhayn
Autor: nnz

Drucken ...
Alle Texte, Bilder und Grafiken dieser Web-Site unterliegen dem Urherberrechtsschutz.
© 2026 nnz-online.de