Mir reichen 51 Prozent!
Samstag, 21. Januar 2006, 13:08 Uhr
Nordhausen (nnz). Nun steht es fest: Der amtierende Landrat Joachim Claus (CDU) muß sich im Wahlkampf um seinen Sessel mit einer Frau auseinandersetzen. Die ist am Vormittag mit überwältigender Mehrheit in Nordhausen nominiert worden.
Mir reichen 51 Prozent! (Foto: nnz)
Vorsichtshalber hatte sich Birgit Keller (Linkspartei.PDS) schon mal eine Mailadresse zugelegt: landratskandidatin_b_keller@web.de. Bei der Anmeldung der Adresse beim Provider stand allerdings noch nicht fest, ob denn Birgit Keller (46) auch von ihrer Partei aufgestellt wird. Die Erfahrung der letzten Jahre zeigte immer wieder, dass die Linke in und um Nordhausen nicht gerade als berechenbare Größe gilt, wenn es um Personalentscheidungen gilt. Ansätze waren zwar heute auch davon zu in Ottos Steakhouse zu erkennen, doch die Nominierungsrunde ging relativ glatt über die politische Bühne.
Ein alter Genosse wollte lediglich von Birgit Keller wissen, was sie genau machen wolle, werde sie denn gewählt. Wie willst Du mit dem kommunalen Eigentum umgehen? Wie stehst Du zu Hartz IV? Da reichte es einigen der Genossen. Detlef Kiel mahnte Sachlichkeit an, die Aufgaben eines Landrates seien in diesem Landes mehrfach definiert. Sicher gebe es Spielräume, und die sollte ein Landrätin der Linken auch nutzen.
Keller umriß bei ihrer Bewerbung kurz programmatische Ziele. Rahmenbedingungen für Arbeitsplätze verbessern, eine bessere Zusammenarbeit mit der Stadt Nordhausen, die Konsolidierung des Haushaltes der Kreisverwaltung, mehr Hinwendung zu Umweltschutz und Tourismus und eine neue Verwaltungskultur im Landratsamt. Die Punkte müssen untersetzt werden, dafür steht Birgit Keller ab sofort ein Team zur Seite.
Letztlich stimmten von den 89 stimmberechtigten Parteimitgliedern 83 für Keller, vier Nein-Stimmen wurden gezählt, bleiben eine Enthaltung und eine ungültige Stimme. Macht stolze 93 Prozent, über die sich die Frau freute. Doch am 7. Mai würde sie sich auch über 51 Prozent freuen.
Interessant waren jedoch die Am-Rand-Aspekte. Da kam SPD-Vorständler und Bürgermeister Matthias Jendricke zum Gratulieren, den Ex-Bundestagskandidaten der SPD. Manuel Müller erwischte die nnz bei Lesen des Neuen Deutschlands. Letztlich zeigte sich auch hier, dass es zwischen Rot und Rot kaum noch Berührungsängste gibt.
Und so waren die Chancen für die Linke so gut wie noch nie, einen Landkreis fast komplett zu übernehmen. Und eine PDS-Landrätin, das wäre für Thüringen die kleine Sensation. Birgit Keller wurde heute, 16 Jahre nach der Wende, von ihrer Partei auf den Weg geschickt. Ob sie gegen Landrat Joachim Claus antreten muß, dass wollen die Christdemokraten heute entscheiden. Die nnz wird sie über den Ausgang des CDU-Kreisparteitages auf dem Laufenden halten.
Zur Person: Birgit Keller wurde am 28. Januar 1959 in Eisleben geboren. Sie ist nicht verheiratet, lebt in einer festen Partnerschaft, hat zwei erwachsene Töchter und Paul, ihren Enkel. Sie lernte Elektrikerin, ist Diplom-Gesellschafts-
wissenschaftlerin, Gesundheitspraktikerin und derzeit selbständig als Gesundheitsberaterin und Firmenmanagerin tätig. Seit 1994 ist Keller Mitglied des Nordhäuser Kreistages, arbeitete in verschiedenen Ausschüssen und ist seit 1996 die Vorsitzende des Kreistages. Zu ihren Hobbys gehören Musik, gute Bücher und die Liebe zu Griechenland. An der Volkshochschule in Nordhausen absolviert Keller das siebente Semester in griechischer Sprache. Seit 29 Jahren ist sie Mitglied der Partei, erst SED, dann PDS. Dass sie 16 Jahre nach der Wende als Landratskandidatin gewählt wurde, das sei für sie ein langer Prozess gewesen. Jetzt allerdings sei es Zeit, das Ziel zu erreichen.
Autor: nnz
Mir reichen 51 Prozent! (Foto: nnz)
Vorsichtshalber hatte sich Birgit Keller (Linkspartei.PDS) schon mal eine Mailadresse zugelegt: landratskandidatin_b_keller@web.de. Bei der Anmeldung der Adresse beim Provider stand allerdings noch nicht fest, ob denn Birgit Keller (46) auch von ihrer Partei aufgestellt wird. Die Erfahrung der letzten Jahre zeigte immer wieder, dass die Linke in und um Nordhausen nicht gerade als berechenbare Größe gilt, wenn es um Personalentscheidungen gilt. Ansätze waren zwar heute auch davon zu in Ottos Steakhouse zu erkennen, doch die Nominierungsrunde ging relativ glatt über die politische Bühne.
Ein alter Genosse wollte lediglich von Birgit Keller wissen, was sie genau machen wolle, werde sie denn gewählt. Wie willst Du mit dem kommunalen Eigentum umgehen? Wie stehst Du zu Hartz IV? Da reichte es einigen der Genossen. Detlef Kiel mahnte Sachlichkeit an, die Aufgaben eines Landrates seien in diesem Landes mehrfach definiert. Sicher gebe es Spielräume, und die sollte ein Landrätin der Linken auch nutzen.
Keller umriß bei ihrer Bewerbung kurz programmatische Ziele. Rahmenbedingungen für Arbeitsplätze verbessern, eine bessere Zusammenarbeit mit der Stadt Nordhausen, die Konsolidierung des Haushaltes der Kreisverwaltung, mehr Hinwendung zu Umweltschutz und Tourismus und eine neue Verwaltungskultur im Landratsamt. Die Punkte müssen untersetzt werden, dafür steht Birgit Keller ab sofort ein Team zur Seite.
Letztlich stimmten von den 89 stimmberechtigten Parteimitgliedern 83 für Keller, vier Nein-Stimmen wurden gezählt, bleiben eine Enthaltung und eine ungültige Stimme. Macht stolze 93 Prozent, über die sich die Frau freute. Doch am 7. Mai würde sie sich auch über 51 Prozent freuen.
Interessant waren jedoch die Am-Rand-Aspekte. Da kam SPD-Vorständler und Bürgermeister Matthias Jendricke zum Gratulieren, den Ex-Bundestagskandidaten der SPD. Manuel Müller erwischte die nnz bei Lesen des Neuen Deutschlands. Letztlich zeigte sich auch hier, dass es zwischen Rot und Rot kaum noch Berührungsängste gibt.
Und so waren die Chancen für die Linke so gut wie noch nie, einen Landkreis fast komplett zu übernehmen. Und eine PDS-Landrätin, das wäre für Thüringen die kleine Sensation. Birgit Keller wurde heute, 16 Jahre nach der Wende, von ihrer Partei auf den Weg geschickt. Ob sie gegen Landrat Joachim Claus antreten muß, dass wollen die Christdemokraten heute entscheiden. Die nnz wird sie über den Ausgang des CDU-Kreisparteitages auf dem Laufenden halten.
Zur Person: Birgit Keller wurde am 28. Januar 1959 in Eisleben geboren. Sie ist nicht verheiratet, lebt in einer festen Partnerschaft, hat zwei erwachsene Töchter und Paul, ihren Enkel. Sie lernte Elektrikerin, ist Diplom-Gesellschafts-
wissenschaftlerin, Gesundheitspraktikerin und derzeit selbständig als Gesundheitsberaterin und Firmenmanagerin tätig. Seit 1994 ist Keller Mitglied des Nordhäuser Kreistages, arbeitete in verschiedenen Ausschüssen und ist seit 1996 die Vorsitzende des Kreistages. Zu ihren Hobbys gehören Musik, gute Bücher und die Liebe zu Griechenland. An der Volkshochschule in Nordhausen absolviert Keller das siebente Semester in griechischer Sprache. Seit 29 Jahren ist sie Mitglied der Partei, erst SED, dann PDS. Dass sie 16 Jahre nach der Wende als Landratskandidatin gewählt wurde, das sei für sie ein langer Prozess gewesen. Jetzt allerdings sei es Zeit, das Ziel zu erreichen.
