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Die Schranke ist sicher

Freitag, 20. Januar 2006, 15:28 Uhr
Sollstedt (nnz). Ein entsetzliches Zugunglück erschütterte die Sollstedter am 24. August. Auch später soll es vorgekommen sein, daß die Schranke nicht rechtzeitig schloß. Die Bahn sprach heute mit Bürgermeister Jürgen Hohberg und der nnz.

Die Schranke ist sicher (Foto: nnz) Die Schranke ist sicher (Foto: nnz)

Immer wieder bekam Bürgermeister Jürgen Hohberg Bürgeranfragen zur Sicherheit der Schrankenanlage. Auskünfte von der Deutschen Bahn AG und von der Staatsanwaltschaft kamen nur spärlich und sehr spät. Der Bürgermeister war darüber sehr verärgert, mußte er doch als Prellbock für den Bürgerfrust und berechtigte Bedenken herhalten. Am 04. Oktober erfuhr Hohberg von der Staatsanwaltschaft, daß Sollstedt keine Schuld treffe. Die Bahn habe den Unfall zu verantworten, vermutlich sei es menschliches Versagen gewesen.

Am 30.Dezember beunruhigte die Bürger die Mitteilung eines Sollstedter Bautrupps. Die Männer hatten gesehen, daß die Schranke zwar ein Lichtsignal zeigte, aber sehr spät schloß. Kaum war der Balken unten, raste auch schon der Zug durch. Die Bahn veranlaßte eine Prüfung und konnte dabei feststellen, daß die Bahnübergangssicherungsanlage sicher ist und funktioniert. Irritiert wurden die Männer vermutlich dadurch, daß bis zum Herbst an derselben Stelle eine Langsamfahrstrecke bestand. Nach der Sanierung im November und Dezember können die Züge nun mit höherer Geschwindigkeit vorbeifahren. Subjektiv erschien es den Arbeitern nun so, als habe die Schranke zu spät geschlossen.

Die Schranken schließen jedoch alle nach dem selben Schema. Bei Sekunde Null beginnt das gelbe Warnlicht zu blinken und ein akustisches Signal ertönt. Das heißt, der Bahnübergang ist zu räumen. Nach drei Sekunden leuchtet das rote Standlicht auf. Fünf Sekunden später schließt die Schranke. Nach insgesamt 26 Sekunden darf der Zug vorbeifahren. So würde es auch in Sollstedt sein, erklärte Gerold Brehm, Konzernbevollmächtigter für den Freistaat Thüringen bei der Bahn.

Ob es möglich sei, die Zeiten vom Blinken bis zur Durchfahrt des Zuges zu verlängern? „Nein“ meinte Paul Lauerwald, der Leiter der örtlichen Betriebsdurchführung. Längere Blinkzeiten würden unvorsichtige Bürger dazu veranlassen, die Halbschranke zu umfahren, da der subjektive Eindruck entstünde, daß der Zug ewig nicht käme. Durch solches Verhalten werden die meisten Unfälle mit Zügen provoziert.

Bürgermeister Jürgen Hohberg hatte schon seit längerem überlegt den Bahnübergang zu schließen. Das wäre auch im Interesse des nahegelegenen Kinderspielplatz gewesen. Der Gemeinderat hatte der Schließung zugestimmt. Angeregt wurde dieser Vorschlag bereits 2001 durch ein Schreiben der Bahn. Diese plante die Erneuerung der Bahnübergänge und hätte jene Kosten durch die Sperrung gern eingespart. Am 14. März 2005 erfuhren die Sollstedter dann, daß mit einer positiven Entscheidung nicht vor 2008 zu rechnen sei. Jetzt heißt es jedoch, daß die Bahn die Sperrung und die Sanierung einer Umgehungsstraße noch einmal überprüfe. Für Sicherheit habe die Bahn immer Geld, sagte Gerold Brehm dem Bürgermeister.
Autor: wf

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