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Gewissen der Nation

Freitag, 06. Januar 2006, 19:32 Uhr
Nordhausen (nnz). „Gewissen der Nation“, Er mochte diesen Satz nicht, mit dem ihn viele Zeitgenossen in der alten Republik immer wieder charakterisierten. Und doch – er war es in einer erwachsenen Republik. Ihm ist in der Flohburg ab heute eine Ausstellung gewidmet – Heinrich Böll.

Gewissen der Nation (Foto: nnz) Gewissen der Nation (Foto: nnz)

Die nunmehr siebten Heinrich-Böll-Tage sind heute in der Flohburg in Nordhausen feierlich eröffnet worden. Drei Wochen lang steht ein Mann im Mittelpunkt, der sowohl mit seiner Persönlichkeit als auch mit seinen Werken Spuren in Deutschland hinterlassen hat. Nicht, dass er einst den Literatur-Nobelpreis bekam macht ihn so bedeutend. Heinrich Böll hat sich nie angepasst. Böll stellte sich eine Gesellschaft vor, die aus Zivilcourage heraus erwächst, die Regeln des Zusammenlebens aufstellt und auf deren Einhaltung Acht gibt.

Dafür hat er gelebt, gekämpft. Dafür hat er geschrieben, dafür wurde er angefeindet. In ihrer Einleitung hob Oberbürgermeisterin Barbara Rinke (SPD) hervor, dass dieser Böll immer die Auseinandersetzung gesucht hatte. Immer hatte er nachgefragt: Sollen die Menschen in einer Gesellschaft der sozialen Gerechtigkeit leben oder sollen sie sich dem puren Profitstreben unterwerfen? Böll wollte mit seinen Werke keine Antworten geben, nicht vorschreiben, er wollte die Menschen zum Nachdenken, zu eigenen Antworten ermuntern.

Der Neffe von Heinrich Böll, Viktor Böll, der gleichzeitig der Leiter des Böll-Archivs in Köln ist, skizzierte den Schriftsteller als einen immer nachfragenden Menschen, der sich vor allem nicht mit zufrieden gab mit dem, was ihn umgab. Viktor Böll nannte da exemplarisch die Folgen des so genannten Radikalenerlasses in der damaligen Bundesrepublik. Heinrich Böll hat sie aufgeschrieben, hat gemahnt. Obwohl es eine literarische Verbindung über Rudolf Hagelstange zu Nordhausen gibt, noch inniger ist die Verbindung der Bölls zum Doppelkorn.

Und so freute sich Viktor Böll über das obligatorische Geschenk für Gäste der Rolandstadt – feinen Nordhäuser Doppelkorn. Er machte darauf aufmerksam, dass es dieses Getränk war, das schon so manche Diskussionsrunden in Göttingen in den 80er Jahren immer weiter verlängerte.

Schließlich dankte die Aufsichtsratsvorsitzende der Heinrich-Böll-Stiftung Thüringen, Christine Fiedler, dem Kulturamt der Stadtverwaltung, dem Theater, der Kreismusikschule und der Dichterstätte Sarah Kirsch für die gemeinsame Zusammenarbeit in Vorbereitung der Böll-Tage in Nordhausen.
Autor: nnz

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