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Alles komplizierter

Dienstag, 03. Januar 2006, 11:12 Uhr
Nordhausen (nnz). Ein Ziel haben sich mittlerweile alle Regierungen abgesteckt: den Abbau von unnötiger Bürokratie. Das steht in den diversen Programmen und ist damit Theorie. In der Praxis sieht das alles anders aus...


Ab Januar 2006 müssen Unternehmen den Gesamtsozialversicherungsbeitrag in voraussichtlicher Höhe für ihre Beschäftigten schon am drittletzten Bankentag des aktuellen Monats zahlen. Bisher galt der 15. des Folgemonats als Zahlungstermin. Nach der Neuregelung werden die Beiträge für den Monat Januar 2006 spätestens am 27. Januar fällig. Die Beiträge für Dezember 2005 können allerdings noch bis zum 15. Januar 2006 angewiesen werden.

Die Neuregelung soll vor allem der Rentenversicherung kurzfristig Liquidität verschaffen. Tatsächlich wird an Symptomen kuriert, die Probleme bleiben bestehen. Diese kurzfristige Erleichterung für die Sozialversicherungen müssen die Unternehmen dreifach teuer bezahlen: nicht nur durch dreizehn Beiträge in einem Jahr mit immer noch zwölf Monaten, sondern zusätzlich durch jeden Monat anfallende doppelte Abrechnungen und zusätzlichen Korrektur- und Rückrechnungsaufwand“, so Udo Rockmann vom regionalen Service-Center der IHK zur nnz. In vielen Unternehmen steht nämlich die tatsächliche Höhe der versicherungspflichtigen Beschäftigungsentgelte erst nach Ablauf des Monats fest, etwa weil Stundenlöhne bezahlt oder Überstundenzuschläge fällig werden.

Die bisherige Entgeltabrechnung wird überwiegend in einem Arbeitsgang durchgeführt. Zukünftig müssen viele Unternehmen Vorab-Schätzungen machen und dauerhaft doppelt abrechnen. Die angebotene Übergangsregelung für die Januarschuld macht die Abrechnung noch komplizierter.

Alle Proteste der IHK Erfurt und des DIHK in Berlin und in Erfurt waren vergebens, obwohl die Bundesregierung sich in ihrer Koalitionsvereinbarung fest vorgenommen hat, mit dem Bürokratieabbau in Deutschland endlich ernst zu machen. Diese Regelung, die im Sommer 2005 gegen den Wiederstand der Wirtschaft von Bundestag und Bundesrat beschlossen wurde, ist jetzt ein Fall für den Bürokratiekosten-TÜV der neuen Bundesregierung.
Autor: nnz

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