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nnz-doku: Sich selbst vertrauen

Mittwoch, 21. Dezember 2005, 08:02 Uhr
Nordhausen (nnz). Es ist Tradition im Landratsamt, das sich dessen Chef zum Jahresende an die Bürgerinnen und Bürger des Landkreises wendet. Innerhalb der nnz-doku-Reihe veröffentlicht die nnz das Grußwort von Joachim Claus (CDU) zum Jahreswechsel in vollem Wortlaut.


Liebe Mitbürgerinnen, liebe Mitbürger,
nur noch wenige Tage, dann feiern wir - besinnlich oder auch fröhlich - Weihnachten und eine Woche später können wir schon das neue Jahr 2006 begrüßen. Das Fest der Familie und des Friedens aber auch der bevorstehende Jahreswechsel lassen es traditionell geboten erscheinen, einen Blick auf die hinter uns liegenden 12 Monate zu werfen.

Wie schon die Jahre zuvor, war auch 2005 für uns alle kein leichtes Jahr. Spürbar im persönlichen Leben, spürbar für den Landkreis und für den Freistaat Thüringen. Aber auch spürbar für die gesamte Bundesrepublik Deutschland. Man hatte zeitweilig den Eindruck, in Deutschland ginge nichts mehr. Der Stillstand in der "großen Politik", besonders hervorgerufen durch den Ausgang der Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen, - Deutschland wurde ja bis weit nach den vorgezogenen Bundestagswahlen am 18. September faktisch nicht mehr regiert - übertrug sich auch auf die Bundesländer, Landkreise und Kommunen. Lähmungserscheinungen und Skepsis machten sich breit - und zwar in allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens. Die bedrückende Stimmung erreichte - so denke ich - nahezu jede Familie. Von einem erhofften Aufbruch war kaum (noch) etwas zu spüren. "Hartz IV" macht vielen zu schaffen und ein Großteil der ALG II-Empfänger fühlt sich noch weiter an den Rand der Gesellschaft gedrängt. Unmut macht sich vor allem im Hinblick auf die Bundespolitik im Allgemeinen und auf viele Politiker im Besonderen breit. Politikverdrossenheit greift sehr stark um sich. Auch bei den Bürgerinnen und Bürgern unseres Landkreises konnte ich diese Tendenz deutlich spüren.

Trotzdem sehe ich als Landrat es als meine Pflicht an, der weit verbreiteten Skepsis entgegenzutreten und den Menschen unserer Südharzregion Mut zu machen und Zuversicht zu vermitteln. Und aus meiner persönlichen Erfahrung heraus weiß ich, dass jede Krise, und sei sie auch noch so dramatisch, immer auch eine reale Chance zum Neubeginn bietet. Diese Chance möchte ich mit Ihnen gemeinsam nutzen. Lassen Sie uns deshalb dort beginnen, wo wir Aufgaben für unseren Landkreis bislang nicht lösen konnten, oder wo wir Entscheidungen gefällt haben, die letztlich nicht zum erwarteten Erfolg führten.

Zuversichtlich stimmen mich nunmehr auch die Ereignisse in Berlin. Die Weichen sind für einen Neuanfang und für eine dringend erforderliche Reformierung unseres Landes gestellt. Jetzt haben wir gemeinsam die Chance, in wirtschaftlicher wie auch in sozialer Hinsicht einen Neuanfang zu gestalten. Und genau deshalb wünsche ich mir für das neue Jahr, dass durch die neue Regierungskoalition in Berlin und natürlich auch vom Freistaat Thüringen die Impulse ausgehen werden, die wir im Landkreis Nordhausen zum Nutzen unserer Bürgerinnen und Bürger dringend benötigen.

Der Beweis dafür muss aber erst noch erbracht werden. Trotzdem überwiegt bei mir die Zuversicht. Zuversicht auch deshalb, weil wir gerade im zurückliegenden Jahr gemeinsam eine Menge erreicht haben. Denken wir nur an die Inbetriebnahme der Tiefkühlbackwaren-Fabrik Klemme AG im Gewerbegebiet an der Darre. 100 Arbeitsplätze, vornehmlich für Frauen, und 12 Ausbildungsplätze wurden durch die Ansiedlung geschaffen. Die Firma. Feuer Power-Train will sich aufgrund hervorragender Auftragslage erweitern und zusätzliche Arbeitsplätze schaffen. Bei zahlreichen Firmenbesuchen konnte ich trotz nicht ausbleibender Probleme, beispielsweise beim ständigen Kampf um Aufträge oder die schlechte Zahlungsmoral, das großartige Engagement von Geschäftsführung und Belegschaft spüren, die sich den globalen Herausforderungen stellen und mit Qualitätsprodukten am Markt überzeugen.

Es erfüllt mich mit besonderer Freude, dass in diesem Jahr zum 11. Male der Innovationspreis des Landkreises verliehen werden konnte. Insbesondere kleinere Unternehmen standen diesmal bei der Preisvergabe in vorderster Reihe. Ihnen allen möchte ich für ihre eingereichten Neuerungen und Innovationen nochmals herzlich danken.

Der Bau der Autobahn A 38 schreitet sichtbar voran, auch wenn ich mir gewünscht hätte, dass neben der Verkehrsfreigabe des Abschnittes von Heringen nach Roßla am 20. Dezember diesen Jahres, auch der Abschnitt zwischen Wipperdorf und Bleicherode in Betrieb genommen worden wäre. Aber im Frühjahr nächsten Jahres wird es ganz sicher soweit sein. Immerhin konnte Ende August das letzte Teilstück für den neu geschaffenen Autobahnzubringer bei Bleicherode unter Verkehr genommen werden. Zudem kam im Oktober vom Nordthüringer Straßenbauamt Leinefelde die Information, dass an den Ausbauplänen für die B 4 im Bereich der Sundhäuser Berge festgehalten wird. 2008 wird hier mit einer völlig neuen Streckenführung, die teilweise dreispurig verlaufen und sich bis zum neuen Verkehrsknoten Abzweig Hain erstrecken wird, begonnen. Dieses Vorhaben sowie die schon begonnene Ortsumfahrung von Sondershausen werden dazu beitragen, dass wir in naher Zukunft die Landeshauptstadt Erfurt schneller erreichen können.

In der Goldenen Aue ist nun endlich soweit. Die Genehmigung für das Industriegebiet “Goldene Aue” ist durch das Thüringer Landesverwaltungsamt erteilt worden. Damit ist der unendliche Streit zwischen kurzsichtigen Lobbyisten und denen, die mit der Errichtung des Industriegebietes einen wirtschaftlichen Impuls für unsere Region für die Zukunft erwarten, beendet. Denen, die sich unermüdlich für das Gelingen dieser wichtigen Maßnahme der Wirtschaftsinfrastruktur eingesetzt haben - dazu zähle ich insbesondere den Planungsverband ”Goldene Aue”, die Stadt Nordhausen und nicht zuletzt den “Nordhäuser Unternehmerverband” - spreche ich meinen Dank aus.

Mit großer Freude konnte ich zur Kenntnis nehmen, dass sich auch in diesem Jahr wieder zahlreiche Gemeinden am Wettbewerb "Unser Dorf hat Zukunft" beteiligt haben. Das sehr große Engagement in vielen Gemeinden des Landkreises war für mich wieder die Bestätigung dafür, dass sich die Bewohnerinnen und Bewohner mit ihren Heimatorten und ihrer Region identifizieren, Werterhaltungs- und Verschönerungsarbeiten durchführen, den Gemeinschaftssinn pflegen und zu einer erkennbaren Aufwertung des Ortschaftsbildes beitragen. Meine Hochachtung und Gratulation gelten deshalb an dieser Stelle allen Gemeinden, die sich am Wettbewerb beteiligten. Wenn es auch - wie bei einem Wettbewerb üblich - "richtige" Sieger gegeben hat, so bin ich doch der Auffassung, dass alle Ortschaften, die beim Wettbewerb mitgemacht haben, für sich und ihre Bürgerinnen und Bürger gewonnen haben.

In vielen Bereichen unseres alltäglichen Lebens können wir unschwer erkennen, dass viele am Gemeinwohl orientierte Aufgaben nur erbracht werden können, weil ehrenamtlich und unentgeltlich tätige Mitbürgerinnen und Mitbürger unseres Landkreises Leistungen erbringen, die in höchstem Maße Anerkennung und Respekt verdienen. Und so gilt mein Dank all denen, die in herausragender und selbstloser Weise in Verbänden, Vereinen, Selbsthilfegruppen oder ganz privat Dienst am Nächsten, an der Umwelt, in der Kultur wie im Sport und vor allem - das sei hier in besonderer Weise hervorgehoben - bei unseren Kameradinnen und Kameraden der Freiwilligen Feuerwehren - geleistet haben und künftig leisten. Sie alle machen meistens kein Aufhebens um ihr Engagement, sondern sehen es eher als persönliche Verpflichtung und als inneren Antrieb an, anzupacken und dem Gemeinwohl zu dienen. Dafür gebührt Ihnen unser aller Anerkennung.


Liebe Mitbürgerinnen, liebe Mitbürger,
mein Rückblick auf das nun fast vergangene Jahr kann nur ein Auszug der ungezählten Ereignisse und Aktivitäten sein. Mancher von Ihnen hätte dieses oder jenes Ereignis hier noch gerne erwähnt gesehen. Gleichwohl möchte ich meine Ansprache mit guten Wünschen für Sie beenden. Haben Sie ein frohes und besinnliches Weihnachtsfest und kommen Sie gut ins neue Jahr. Ihnen allen wünsche ich Gesundheit und Kraft für den Alltag, der nicht immer leicht ist. Haben Sie Vertrauen in die Zukunft, vor allem aber Vertrauen in sich selbst. Dann können viele Probleme besser angepackt und einer guten Lösung zugeführt werden. Wir haben auch 2006 große Aufgaben vor uns. Helfen Sie mit!
Ich danke Ihnen.
Ihr Joachim Claus, Landrat des Landkreises Nordhausen
Autor: nnz

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