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Zeugnis für deutsches Bildungssystem?

Samstag, 19. März 2022, 10:00 Uhr
Am 10. März hielt die ukrainische Generalkonsulin Iryna Tybinka eine Rede vor der Kultusministerkonferenz in Lübeck und löste damit eine große Verwunderung aus. Auch bei unserem Kolumnist acto...


Um es vorweg zu nehmen: auch wenn die Lage im Ukraine-Krieg für uns alle sehr unübersichtlich ist, es immer wieder Berichte über neue Kriegsbeteiligte gibt und es sich bei diesen auch nicht immer nur um unbescholtene, mutige Kämpfer zur Verteidigung der Heimat handeln soll, ist dass, das was gerade in der Ukraine passiert, mit nichts zu rechtfertigen ist.

Die Unterstützung der Bevölkerung und der Kriegsflüchtlinge, sollte aus humanitären Gründen für uns alle obligatorisch sein. Etwa 3 Millionen Menschen haben bisher ihre Heimat verlassen. Rund 200.000 sind in Deutschland angekommen, Tendenz steigend.

Da die Kriegsflüchtlinge in Deutschland kein Visum benötigen und sich bis zu 90 Tage als „Touristen“ ihren Aufenthaltsort frei wählen können, ist eine genaue Anzahl, sowie eine entsprechende Steuerung kaum möglich. Erst nach Registrierung erhalten Sie eine Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis für ein Jahr, sowie Zugang zu Gesundheitsversorgung, finanzieller Unterstützung und Bildung. Wie lange die Flüchtlinge bei uns bleiben, ist unklar. Das kann sowohl von der Entwicklung in der Ukraine, aber sicher auch von ihrem Status in Deutschland abhängen.

Da nicht nur Erwachsene, sondern auch viele Kinder und Jugendliche in Deutschland angekommen sind, geht es also nicht nur um finanzielle Unterstützung, Sachleistungen und Arbeitserlaubnisse, sondern auch um Bildung und somit um die Beschulung der Heranwachsenden.

Einerseits bedankte sich Frau Tybinka in oben genannter Rede für das Angebot, ukrainische Flüchtlingskinder aufzunehmen und bald zu beschulen, lehnte aber andererseits den Unterricht in sogenannten Integrationsklassen ab. Sie forderte, dass die ukrainischen Schüler in Deutschland in ukrainischer Sprache nach dem ukrainischen Lehrplan beschult werden. Als Begründung führte Frau Tybinka an, dass sowohl alle ukrainischen Schulbücher in digitaler Form vorhanden sind, es sich schließlich nur um einen vorübergehenden Aufenthalt handele und Kontinuität des Unterrichtes gegeben sein sollte. Außerdem sei der Unterricht in der Ukraine viel intensiver und hätte höhere Anforderungen als in Deutschland.

Es scheint sich offenbar selbst bis in die Ukraine herumgesprochen zu haben, dass das Bildungssystem in Deutschland bereits über Jahre einige Defizite aufweist.

Auch wenn wir natürlich hoffen, dass der Krieg schnell endet und die Flüchtlinge wieder schnell in ihre Heimat zurückkehren können, ist die Entwicklung nicht absehbar. Frau Tybinka, aber auch wir, sollten uns auf eine längere oder unter Umständen gar dauerhafte Unterbringung einiger Flüchtlinge einstellen.

Die Wertschätzung ihres Heimatlandes durch Frau Tybinka ist natürlich verständlich. Allerdings sollten durch das Durchlaufen oder doch zu mindestens Kennenlernens des deutschen Bildungssystem sowohl sprachliche, als auch gesellschaftliche Grundkenntnisse bei den Heranwachsenden gelegt werden. Denn wann und wo sind jemals Flüchtlinge wieder schnell in ihre ursprüngliche Heimat zurückgekehrt?

Ziel sollte das schnell Lernen der deutsch Sprache sein, um sich möglichst schnell in Deutschland zurecht zu finden und unter Umständen perspektivisch integriert werden zu können.
acto, der vollständige Name ist der Redaktion bekannt
Autor: psg

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