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Landkreis informiert zu Corona und Flüchtlingssituation

Die Themen sind ernst (I)

Freitag, 18. März 2022, 14:15 Uhr
Im Landkreis hat man im Moment mit zwei Großlagen zu kämpfen - die hohen Corona-Inzidenzen und deren Folgen, sowie der steigende Flüchtlingszustrom. Die Sachlage zu beiden Themen wurde heute im Landratsamt besprochen. Angefangen hat man bei den Corona-Fallzahlen, bei denen der Kreis in Deutschland mit an der Spitze steht…

Nordhäuser Landratsamt (Foto: nnz-Archiv) Nordhäuser Landratsamt (Foto: nnz-Archiv)

Lange Zeit hat man sich im Landkreis Nordhausen rühmen können, selbst in dunkelroten Corona-Zeiten vergleichsweise niedrige Fallzahlen zu haben. Seit einiger Zeit hat sich die Lage umgedreht, aktuell liegt man mit einer Inzidenz von 3083,1 bundesweit in den „Top 10“. Insgesamt 2585 Fälle wurden in den letzten sieben Tagen registriert. In Thüringen liegen die Fallzahlen nur im Eichsfeld noch höher.

Das ist die schlechte Nachricht. Die gute Nachricht: es sind kaum Corona-Patienten auf den Intensivstationen. Für den Kreis liegt dieser Wert im Moment bei 1,2 auf 100.000 Einwohner was praktisch bedeutet, dass eine Person aus dem Landkreis mit einem schweren Verlauf zu kämpfen hat. Die Zahl der Corona-Toten bleibt im Vergleich zum Rest des Freistaates in Nordhausen weiter niedrig.

Im Südharz-Klinikum liegen derweil eine ganze Reihe mehr Corona-Patienten, bei den meisten wurde die Infektion aber überhaupt erst durch die Einweisung ins Krankenhaus bemerkt, die meist aus anderen Gründen erfolgte. Nach zwei Jahren Pandemie sei die jetzige Lage für das Gesundheitsamt im Moment das „Tüpfelchen auf dem i“, meinte heute der erste Beigeordnete des Kreises, Stefan Nüßle.

Denn eines bringen die hohen Fallzahlen mit sich: viele Einwohner des Kreises müssen im Moment zu Hause bleiben. Der Personalmangel hat auch das Landratsamt getroffen und das zu Unzeit. Denn eigentlich gibt es mehr als genug zu tun. Allein im Gesundheitsamt liegt eine erkleckliche Anzahl nicht zugestellter Quarantäne-Bescheide herum und mit der Eskalation des Ukraine-Krieges und der damit einhergehenden Fluchtbewegung steht man aktuell noch vor ganz anderen Herausforderungen.

Ohne die Lage „banalisieren“ zu wollen könne man die Personallage mit einer schweren Grippewelle vergleichen, sagte Nüßle. Vor Weihnachten hätte man noch andere Begrifflichkeiten gewählt, meint auch Landrat Jendricke. „Die Omikron-Welle hat nicht die Schwere die wir damals gesehen haben. Wir haben keine Not bei den ITS-Betten und genug Kapazitäten für Notfälle“, so die Einschätzung des Landrates.

In zwei bis vier Wochen, so die Hoffnung im Landratsamt, könne man die Spitze der aktuellen Welle erreicht haben und wieder in „normales“ Fahrwasser kommen. Mit den anstehenden Lockerungen der Corona-Regeln sei es aber weiter wichtig, dass jeder seine eigene Risikobewertung vornehme und sich am Ende selbst schütze. „Die Impfung bleibt weiter wichtig und richtig.“, sagt Jendricke, die niedrige Belegung der Krankenhäuser trotz Rekord-Inzidenzen sei auch eine Folge der hohen Impfquote im Kreis. Andere Thüringer Regionen mit niedrigeren Impfquoten hätten auch in der Omikron-Welle mit höheren Belegungsraten in ihren Krankenhäusern zu kämpfen.

In Anbetracht der Lage sei es „im wesentlichen richtig“, die meisten Maßnahmen abzuschaffen. Zumindest aber die Maskenpflicht sollte dort beibehalten werden, wo viele Menschen zusammenkommen. Praktisch werde man sich an die Vorgaben von Land und Bund halten, eine Anpassung der Maßnahmen durch lokale Allgemeinverfügungen werde es nicht geben. Das Credo für die kommenden Wochen und Monate wird also heißen: Eigenverantwortung üben.

Die Impfpflicht
Einer allgemeinen Impfpflicht stehe er skeptisch gegenüber, schon allein wegen Fragen der administrativen Durchführbarkeit, sagte Jendricke. Wenn etwas nicht machbar sei, sollte man lieber von vornherein die Hände davon lassen.

Die „Einrichtungsbezogene Impflicht“ hingegen begrüßt der Landrat. Meldungen der betroffenen Einrichtungen sind seit dieser Woche online möglich und müssen durch das Gesundheitsamt geprüft werden. Mit Bescheiden oder gar Sanktionen „von heute auf morgen“ müsse aber niemand rechnen. „Wir werden das bearbeiten, wenn die Zeit dafür da ist“, erklärte der Landrat auch mit Blick auf die anderen Herausforderungen, die das Gesundheitsamt im Moment zu bewältigen hat. Eine Prüfung der Angaben werde frühestens in den Monaten April und Mai erfolgen können, danach sieht das Verfahren Einzelfallentscheidungen und Anhörungen vor. Mit handfesten Folgen der Impfpflicht ist also vorerst nicht zu rechnen und man darf wohl davon ausgehen, dass sich die Verfahren mitunter über Monate hinziehen werden.

KV macht Abstrichstelle dicht
Die PCR-Abstrichsstelle der Kassenärtzlichen Vereinigung Thüringen (KV) in der Bahnhofstraße wird zum Monatsende ihren Betrieb einstellen. Die Hausärzte könnten das Testaufkommen in ihren Praxen abfangen, so die Begründung der KV.

Der Schritt werde im Landratsamt kritisch gesehen, hieß es am Vormittag. Anders als in anderen Kreisen teste das Gesundheitsamt in Nordhausen noch selber, erklärte Jendricke. Dies sei aber nur möglich, weil man auf die Abrechnungs-Infrastruktur der KV in der Bahnhofstraße zurückgreifen könne. Einen Umzug in die Zorgestraße habe die KV als Alternative abgelehnt. „Wir haben uns da immer in der Pflicht gesehen. Man sollte die Betroffenen nicht einfach umher irren lassen und manch einer muss es einfach genau wissen, ob nun aus beruflichen oder familiären Gründen. Wir stehen hier weiter zur Verfügung aber wenn man uns die nötigen Instrumente weg nimmt, können wir nichts machen“, meint Jendricke.

Soviel zu Problemfeld Nummer Eins. Die zweite große Herausforderung ist die Situation rund um die Flüchtlinge aus der Ukraine. Zur Lageeinschätzung des Landratsamtes werden wir gesondert berichten.
Angelo Glashagel
Autor: red

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