Neue Tarife für das SHK
Südharz-Klinikum schließt Gehaltslücke
Mittwoch, 16. März 2022, 17:08 Uhr
Wie viele Thüringer Krankenhäuser musste man auch das Nordhäuser Südharz-Klinikum um die Jahrtausendwende den Gürtel enger schnallen. Die seitdem entstandene Lohnlücke wird seit guten zehn Jahren stetig kleiner und soll demnächst endgültig geschlossen werden…
Die Beschäftigten des Südharz-Klinikums werden ab April mehr Lohn erhalten. Das kündigte jetzt Klinik-Chef Guido Hage an. Eine formale Bestätigung stehe zwar noch aus, Gesellschafter, Aufsichtsrat und die Gewerkschaft Verdi hätten aber grünes Licht für die Pläne gegeben.
Wir sehen einer massiven Steigerung der Vergütung entgegen, das freut mich für unsere Mitarbeiter, sagt Hage. Der übliche Haustarif wird als Manteltarif bleiben, man werde sich dabei aber ab April direkt an der Tabelle der Tarifverträge für den öffentlichen Dienst (TVöD) orientieren. Für die rund 700 Beschäftigten in der Pflege bedeutet das ein Lohnplus von sieben Prozent im Schnitt und (im Einzelfall) bis zu 14 Prozent in der Spitze. Bei den Angestellten sollen die Löhne um 6,7 Prozent im Schnitt steigen und in der Spitze 13,5 Prozent erreichen. Im Heimbereich hatte man die Entlohnung bereits zum 1. Januar um 10 Prozent angehoben, nun sollen noch einmal sattes Plus drauf kommen.
"Wir brauchen gute Kräfte um als Zentralversorger auch in Zukunft zu bestehen", sagt Geschäftsführer Guido Hage (Foto: agl)
Mit diesem Tarifabschluss schließen wir die Lohnlücke zu den Tabellenentgelten des Tarifvertrages des öffentlichen Dienstes, die seit dem Austritt des Südharz Klinikums aus dem Kommunalen Arbeitgeberverband im Jahr 2002 entstanden ist, erläutert Bernd Becker, Verhandlungsführer auf Gewerkschaftsseite. Das Klinikum schließt also auch eine historische Lücke: als man Anfang der 2000er Jahre in wirtschaftlich schwieriges Fahrwasser geraten war, hatte man sich vom üblichen Arbeitgeberentgelt im Flächentarif ausgeklinkt und die Tarife eingefroren.
Bis zum Ende der Dekade entstand ein beachtliches Delta, in einzelnen Bereichen lag man bis zu 30 Prozent unter dem Flächentarif. Das haben damals fast alle Krankenhäuser in Thüringen machen müssen. Das war und ist die übliche Vorgehensweise. Seit 2010 haben wir versucht, diese Schere wieder zu schließen ohne dem Haus wirtschaftlich zu Schaden, erklärt Hage. Die Wirtschaftlichkeit müsse man im Blick behalten, da sich die investiven Kosten des Betriebes nicht allein durch Fördermittel decken ließen. Mit anderen Worten: man ist unterfinanziert und muss Gewinne machen.
Aber die Südharzer haben dabei auch einen Sonderweg eingeschlagen und sich gegen eine Ausgliederung der Servicebereiche entschieden. Küche, Wäscherei, Technik, selbst die Gärtnerei - all das gehört noch originär zum Haus. Da sind wir in Thüringen meines Wissens nach die Einzigen und wir wollen auch, das dass so bleibt. Wir haben gute Qualität, kurze Wege und Einfluss auf das Angebot, das werden wir nicht aufgeben. Auch mit den Lohnsteigerungen steht eine Ausgliederung vermeintlich ersetzbarer Bereiche nicht zur Debatte.
Bezahlt werden muss das Plus freilich, rund 8,5 Millionen Euro werden die Gehaltserhöhungen das Klinikum pro Jahr kosten. Einen Teil lässt sich aktuell über die Krankenkassen refinanzieren. Die Pflege am Bett wird heute über das Selbstdeckungsprinzip voll finanziert. Für pflegeersetzende Maßnahmen, wie die Essensversorgung oder Transportleistungen, gilt das bisher nicht.
Hier werden dem Gesundheitssektor in den kommenden Jahren aber massive Änderungen ins Haus stehen, kalkuliert Klinik-Chef Hage und hält eine stärkere Tendenz zur Zentralisierung für wahrscheinlich. Es steht etwas großes vor der Tür. Wir wollen uns im Vorfeld gut platzieren. Dafür braucht es gute Leute und die müssen gut entlohnt werden, sagt Hage. Der Schritt sei in diesem Sinne auch ein Signal der Stärke und ein Anreiz für die Mitarbeiter, den Arbeitsplatz nicht zu wechseln.
Angelo Glashagel
Autor: redDie Beschäftigten des Südharz-Klinikums werden ab April mehr Lohn erhalten. Das kündigte jetzt Klinik-Chef Guido Hage an. Eine formale Bestätigung stehe zwar noch aus, Gesellschafter, Aufsichtsrat und die Gewerkschaft Verdi hätten aber grünes Licht für die Pläne gegeben.
Wir sehen einer massiven Steigerung der Vergütung entgegen, das freut mich für unsere Mitarbeiter, sagt Hage. Der übliche Haustarif wird als Manteltarif bleiben, man werde sich dabei aber ab April direkt an der Tabelle der Tarifverträge für den öffentlichen Dienst (TVöD) orientieren. Für die rund 700 Beschäftigten in der Pflege bedeutet das ein Lohnplus von sieben Prozent im Schnitt und (im Einzelfall) bis zu 14 Prozent in der Spitze. Bei den Angestellten sollen die Löhne um 6,7 Prozent im Schnitt steigen und in der Spitze 13,5 Prozent erreichen. Im Heimbereich hatte man die Entlohnung bereits zum 1. Januar um 10 Prozent angehoben, nun sollen noch einmal sattes Plus drauf kommen.
"Wir brauchen gute Kräfte um als Zentralversorger auch in Zukunft zu bestehen", sagt Geschäftsführer Guido Hage (Foto: agl)
Mit diesem Tarifabschluss schließen wir die Lohnlücke zu den Tabellenentgelten des Tarifvertrages des öffentlichen Dienstes, die seit dem Austritt des Südharz Klinikums aus dem Kommunalen Arbeitgeberverband im Jahr 2002 entstanden ist, erläutert Bernd Becker, Verhandlungsführer auf Gewerkschaftsseite. Das Klinikum schließt also auch eine historische Lücke: als man Anfang der 2000er Jahre in wirtschaftlich schwieriges Fahrwasser geraten war, hatte man sich vom üblichen Arbeitgeberentgelt im Flächentarif ausgeklinkt und die Tarife eingefroren.
Bis zum Ende der Dekade entstand ein beachtliches Delta, in einzelnen Bereichen lag man bis zu 30 Prozent unter dem Flächentarif. Das haben damals fast alle Krankenhäuser in Thüringen machen müssen. Das war und ist die übliche Vorgehensweise. Seit 2010 haben wir versucht, diese Schere wieder zu schließen ohne dem Haus wirtschaftlich zu Schaden, erklärt Hage. Die Wirtschaftlichkeit müsse man im Blick behalten, da sich die investiven Kosten des Betriebes nicht allein durch Fördermittel decken ließen. Mit anderen Worten: man ist unterfinanziert und muss Gewinne machen.
Aber die Südharzer haben dabei auch einen Sonderweg eingeschlagen und sich gegen eine Ausgliederung der Servicebereiche entschieden. Küche, Wäscherei, Technik, selbst die Gärtnerei - all das gehört noch originär zum Haus. Da sind wir in Thüringen meines Wissens nach die Einzigen und wir wollen auch, das dass so bleibt. Wir haben gute Qualität, kurze Wege und Einfluss auf das Angebot, das werden wir nicht aufgeben. Auch mit den Lohnsteigerungen steht eine Ausgliederung vermeintlich ersetzbarer Bereiche nicht zur Debatte.
Bezahlt werden muss das Plus freilich, rund 8,5 Millionen Euro werden die Gehaltserhöhungen das Klinikum pro Jahr kosten. Einen Teil lässt sich aktuell über die Krankenkassen refinanzieren. Die Pflege am Bett wird heute über das Selbstdeckungsprinzip voll finanziert. Für pflegeersetzende Maßnahmen, wie die Essensversorgung oder Transportleistungen, gilt das bisher nicht.
Hier werden dem Gesundheitssektor in den kommenden Jahren aber massive Änderungen ins Haus stehen, kalkuliert Klinik-Chef Hage und hält eine stärkere Tendenz zur Zentralisierung für wahrscheinlich. Es steht etwas großes vor der Tür. Wir wollen uns im Vorfeld gut platzieren. Dafür braucht es gute Leute und die müssen gut entlohnt werden, sagt Hage. Der Schritt sei in diesem Sinne auch ein Signal der Stärke und ein Anreiz für die Mitarbeiter, den Arbeitsplatz nicht zu wechseln.
Angelo Glashagel

