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Frag nicht!

Samstag, 12. März 2022, 10:00 Uhr
Ein ehemaliger Präsident (John F. Kennedy bei seiner Vereidigung) der Vereinigten Staaten sagte einmal: „Frage nicht, was dein Land für dich tun kann – frage, was du für dein Land tun kannst.“ Eine neue Wochenend-Kolumne von unserem acto...


Aufgrund der Diskussionen zur Wiedereinführung der Wehrpflicht verkündete die Jugendorganisation der Freien Demokraten vor ein paar Tagen lauthals, was die Mehrzahl unserer Jugendlichen denke und wonach sie handele. „Wir lassen nicht in unsere Lebensplanung eingreifen“.

Wir leben bekanntlich in einer Demokratie, in der sich jeder auf seine Meinungsfreiheit berufen kann. Aber nicht jede Meinung muss zwangsläufig richtig sein und ein Einzel- oder Gruppeninteresse wie oben genannt, stehen bekanntlich dem Gemeinwohl entgegen.

Wenn wir den Jugendlichen ihre Rechte gewähren lassen, sollten wir ihnen aber auch Pflichten abverlangen. Denn wer die vom Staat erbrachten Leistung wie zum Beispiel Bildung und Sicherheit genießt, sollte eine entsprechende Gegenleistung wie den Wehr- oder Zivildienst leisten. Nur wollen die oben Genannten diese Gegenleistung nicht erbringen. Beispielsweise kam es in einer Schule im Rahmen einer Diskussion zur Wiedereinführung von Wehrpflicht oder eines sozialen Jahres zu folgenden Aussagen: “Das dürfen die doch gar nicht“, gemeint war hier die Regierung, oder „Warum sollten wir freiwillig sowas machen“?

Ich möchte natürlich ausdrücklich darauf hinweisen, dass es auch heute noch einige, wenn auch leider nur wenige, zuverlässige, engagierte und belastbare Jugendliche und junge Erwachsene gibt.

Aber grundsätzlich entspricht diese oben genannte Aussage genau den Erfahrungen, die nicht nur ich, sondern auch eine Vielzahl von Lehrern, Ausbildern oder Dozenten täglich machen müssen. Alle Vorteile unserer Spaßgesellschaft nutzen, sich stets auf Demokratie und eigene Rechte berufen, aber selbst nichts dafür leisten wollen.

Das ist so ähnlich wie bei „Fridays for Future“ mitmarschieren, aber ständig das neuste Handy kaufen, die neusten Klamotten tragen und täglich mit Opas Enkeltaxi von der Schule geholt werden. Hinzu kommt bei vielen noch eine notorische Selbstüberschätzung, verbunden mit einem nur in Ansätzen vorhandenem Halbwissen. Antworten auf Fragen in mündlichen Tests sind in der Regel vage und enden oft auf den Wortlaut „oder so ähnlich“. Es wird auch oft mit einer Gegenfrage geantwortet, „Meinen Sie…“? Diese mangelnde Leistungsbereitschaft fängt bereits in der Schule an und setzt sich über die Ausbildung oder Studium fort. Worte wie "Wozu muss ich denn so einen Mist lernen" müssen sich die Lehrer heute ständig anhören. Ich habe den Eindruck, wir sind zu einer dekadenten egoistischen Spaßgesellschaft verkommen.

Im Unterricht wird nicht aufgepasst und der Stoff zu Hause auch nicht wiederholt. Die Prüfungsergebnisse sind dann entsprechend ernüchternd, wirklich gute oder gar sehr gute Ergebnisse sind die Ausnahme. Auch war die Anzahl der Abbrecher in der Ausbildung und im Studium noch nie so groß wie heute. Zum Glück gibt es die Pandemie. Auf die kann man alles schieben und wenn etwas nicht nach Plan läuft, wird gleich das Handtuch geworfen. Man geht einfach nicht mehr hin und wenn jemand anruft, geht man eben auch nicht ans Telefon. Man fühlte sich schließlich „gemobbt“.

Was es bedeutet, wenn Frieden und Demokratie in Frage gestellt werden, erleben wir aktuell gerade am Rande Europas. Erst jetzt wird jedem wieder bewusst, wie zerbrechlich diese, für uns selbstverständlichen Dinge sind. Um diese zu bewahren, müssen wir etwas leisten, auch unsere Jugendlichen. Da sind wir aber wieder bei dem Problem. Wer unserer Jugendlichen ist wirklich bereit etwas zu leisten, wenn dieses nicht mit Spaß, sondern mit Anstrengungen verbunden ist?

Ein Jahr dem Staat zu dienen, als Gegenleistung für Sicherheit und Bildung, sollte für jeden jungen Menschen in unserem Land selbstverständlich und Pflicht zugleich sein. Das kann, muss aber nicht zwangsläufig in der Bundeswehr sein. Pflegeheime und andere soziale Einrichtungen benötigen auch dringend Personal. Außerdem fördern diese Tätigkeiten das Gemeinwohl, sowie Sozialkompetenzen und Verantwortungsbewusstsein der jungen Leute.

Erst durch die Corona-Pandemie und den Krieg in der Ukraine haben wir die Defizite in unserem Gesundheitssystem und in unserer Landesverteidigung bemerkt. Jetzt werden Gegenmaßnahmen ergriffen. Wann reagieren wir endlich auf die eklatanten Defizite in der Erziehung und der Bildung?
acto, der vollständige Name ist der Redaktion bekannt
Autor: psg

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