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nnz-Weihnachtsgeschichte (2. Teil)

Dienstag, 13. Dezember 2005, 07:07 Uhr
Nordhausen (nnz). Heute setzen wir die diesjährige nnz-Weihnachtsgeschichte fort. Wir bedanken uns bei der Stiftung Kinderhospiz Mitteldeutschland und beim Autor Tom Deininger.


Der Weihnachtsabend – Teil 2
Schnell begann sie, den Schnee zu einer großen Kugel zusammenzurollen, und als die erste fertig war, wurde eine zweite und dritte erstellt. Mittlerweile war das Licht in der Küche angegangen und Anna konnte hören, wie ihre Mutter das Abendessen vorbereitete. Schnell setzte sie die Kugeln aufeinander, die größte zu unterst, die kleinste zu oberst. Jetzt konnte Anna hören, dass auch ihre zwei Brüder, Tim und Jacob vom Schlittenfahren kamen. Das hieß sich beeilen, wollte sie ihr Werk doch ganz alleine fertig stellen. Sie rannte zurück zum Haus, zu dem Blumentopf neben dem Küchenfenster.

Dort hatte sie alles wichtige versteckt: eine lange Mohrrübe als Nase für den kalten Freund, zwei Knöpfe für die Augen, fünf kleine Stückchen Kohle, die dem Vater beim Anzünden des Kamins heruntergefallen waren, sie sollten des Mund bilden, die Zipfelmütze von Großvater, die Anna zusammen mit der Pfeife extra dafür von ihm bekommen hatte und natürlich den Schal und die Kieselsteine, die sie brauchte, um ihn anzuziehen. Da würden die Eltern aber schauen! So ein toller Schneemann und Anna hatte ihn ganz allein gemacht! Drinnen hörte sie, wie die Mutter die Brüder zum Abendbrot rief, und bei dem Gedanken an eine dampfende Tasse heißen Kakaos wurde Anna bewusst, dass sie schon seit über einer Stunde im Schnee rumtollte.

Ihr Magen knurrte, als sie sich die warmen, weichen, nach Milch und Honig duftenden Brötchen vorstellte, die ihre Mutter nur zu besonderen Anlässen buk. Leise öffnete sie die Haustür, streifte Mantel, Mütze und Stiefel fast gleichzeitig ab und hüpfte in die Küche. Oh, war das ein Anblick! Tim und Jacob saßen mit dicken Plüschhausschuhen auf ihren Stühlen, der Vater hatte seinen besten Anzug angezogen und guckte schmunzelnd durch seine lieben Augen, und die Mutter stand am Herd und rührte den heißen Kakao.

Der Tisch, nein, die ganze Küche war festlich geschmückt mit Tannenreisig und Weihnachtssternen und kleinen Engelchen die selig von kleinen Wolken lächelten. Die Küche leuchtete im Glanz der Kerzen, die überall aufgestellt waren. Mutter hatte sogar die silbernen Leuchter auf den Tisch gestellt! Die gute Tischdecke mit den gestickten Blumen war aufgelegt, auf dem Tisch waren zwischen dem Tannenreisig Walnüsse und Haselnüsse und Mandarinen und bunte Lebkuchen verteilt, und in der schönen Kristallschüssel, die in der Mitte des Tisches zwischen den silbernen Leuchtern stand, lagen Pfeffernüsse, Zimtsterne und Hildaplätzchen...
Autor: nnz

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