Fachkräftesuche in den sozialen Medien
Wer rastet, der rostet
Mittwoch, 09. März 2022, 15:00 Uhr
Die Firma Liebram steht kurz vor ihrem 100. Geburtstag. Für die Elektriker hat sich seit der Gründung 1926 einiges geändert und inzwischen muss die 4. Generation des Familienbetriebes zusehen, wie man in der Moderne als Mittelständler überleben kann. In dieser Woche hat man sich im digitalen Ansatz versucht…
Bei den "Kleinen Wipperspatzen" hatte man gestern eine ganze Reihe Gäste, nicht nur die Kameraden der Feuerwehr (Foto: agl)
Was macht Strom mit einem, wenn man nicht aufpasst? Klein, schwarz und hässlich, hieß es im elterlichen Haushalt früher. Für die großen Überlandleitungen mag das stimmen. In den eigenen vier Wänden reicht die Spannung nicht aus, um als schwarzes Häuflein Asche zu enden, wohl aber um zu tödlichen Unfällen zu führen. Die Devise sollte deswegen lauten: Hände weg vom Strom und lieber den Mann oder die Frau vom Fach machen lassen. Zu denen gehört auch Alexander Liebram, Elektriker bei einer kleinen Firma aus Nohra, die seinen Nachnamen nun schon in der 4. Generation trägt.
1926 wurde der Betrieb gegründet und hat seitdem viel erlebt und durchgemacht. Heute befasse man sich vor allem mit Brand- und Einbruchsmeldeanlagen, erzählt Alexander Liebram gestern im Wipperdorfer Kindergarten. Bei den Kleinen Wipperspatzen hat man seit ein paar Jahren eine solche Brandmeldeanlage und die wurde gestern einem kleinen Funktionstest unterzogen. Gut drei Minuten nachdem der Alarm ausgelöst wurde, stehen die Jungen und Mädchen auf dem Hof, die meisten sind über die Rettungsrutsche gekommen, die man hier allein zum Spaß tagtäglich benutzt. Auch die Feuerwehr hat es nicht weit, man lebt in direkter Nachbarschaft zueinander. Der Kindergarten hat sogar einen Schlüssel zur Feuerwache. Falls wirklich einmal etwas passieren sollte, könnte man die Kinder direkt sicher unterbringen, erzählt Kindergarten-Chefin Maritta Tritschler. Aber bisher blieb man von derlei Katastrophen zum Glück verschont.
Richtig sitzen muss die Evakuierung im Notfall freilich trotzdem. Sicher ist sicher. Und die Meldeanlage muss einwandfrei funktionieren. Dafür hat man bei Liebram zu sorgen aber die Elektriker waren gestern auch in eigener Mission unterwegs. Denn diese Woche freut man sich im Betrieb über eine eher ungewöhnliche, personelle Verstärkung. Jobbloggerin Franziska Strupf darf auf ihrem Jobmarathon durch Nordthüringen für ein paar Tage bei den Elektrikern reinschnupppern. Für das Regionalmanagement Nordthüringen reist die junge Frau durch die drei Nordthüringer Kreise Kyffhäuser, Unstrut-Hainich und Nordhausen um die Vielfalt der Möglichkeiten auf ihre Art dem jungen Publikum vorzustellen. In Nordhausen hat Franzi schon beim Hotel Fürstenhof, dem Schachtbau, bei der Hochschule und bei der Spedition Kielholz & Rybicki
Station gemacht.
Mit social media hinter die Kulissen blicken: "Jobbloggerin" Franziska Strupf schaut in dieser Woche Alexander Liebram (links) und Matthias Kieper über die Schulter (Foto: agl)
Diese Woche war sie nun also bei den Stromspezialisten zu Gast und die stehen vor großen Herausforderungen. Anders als die Großen kann man in Nohra nicht auf eine eigene Personalabteilung zurückgreifen. Fachkräfte bekomme man vor allem durch direkte Ansprache, erzählt Alexander Liebram. Der persönliche Kontakt ist unsere größte Chance. Das können Bekannte sein oder auch bei dem Besuch der Schulen passieren. Außerdem haben wir sehr gerne die kleineren Jobmessen der Region genutzt, aber das war vor Corona. Seitdem herrscht da Stillstand. Es sind schwere Zeiten für kleinere Betriebe. Mit den Benefits, also den Anreizen, die große Arbeitgeber wie die Deutsche Bahn ihren potentiellen Auszubildenden bieten, könne man nicht mithalten und in der Branche tobt nun schon seit einigen Jahren ein harter Kampf um bereits ausgebildete Fachkräfte. Auch bei Liebram hat man Kollegen an die Konkurrenz verloren, kann Matthias Kieper berichten. Und er muss es wissen, war er doch selber einige Jahre Fahnenflüchtig, bevor er zu seinem alten Ausbildungsbetrieb zurückkehrte. Die Zeit und Energie, die man in eine Ausbildung steckt, sind immer mit einem Risiko verbunden. Der eine Azubi, den man vor kurzem als ausgelernt halten konnte, ist ein Lichtblick. Ein Abbrecher den man im November verloren hat, ein herber Rückschlag.
Der Job ist anspruchsvoll. Da man nicht nur Hausleitungen verlegt, sondern auch in der Lage sein muss, die Anlagen zu programmieren und auf Seiten der Software zu betreuen, sind die 14 Mitarbeiter der Liebrams mitunter echte Spezialisten. Fallen zwei oder drei dieser Kollegen aus, kann es schnell eng werden.
Was also tun? Einige Möglichkeiten hat man in Nohra schon ausgelotet. Es ist nicht immer der höhere Lohn, der die Leute hält und lockt. Vor zehn Jahren sind wir noch deutschlandweit unterwegs gewesen und waren oft auf Montage. Heute konzentrieren wir uns auf die Region und das bedeutet für die Mitarbeiter auch, dass es leichter ist, die Arbeit mit der Familie zu vereinbaren. Die Fahrzeiten haben sich deutlich reduziert und wir versuchen unsere Zeitsysteme allgemein flexibler zu gestalten und auch mal andere Beschäftigungsmodelle zu fahren, erläutert Alexander Liebram.
Wie überprüft man eine Brandmeldeanlage? Diese und andere Fragen soll "Franzi" ihrem Publikum näher bringen (Foto: agl)
Mit dem Besuch der Jobbloggerin hält man den Zeh nun auch in digitale Gewässer. Wie nehme ich eine Spannungsprüfung vor und warum mache ich das? Wie zeichnet man einen Schaltplan? Wie findet und eliminiert man Fehler in komplexen Systemen? Wie funktioniert eigentlich eine Brandmeldeanlage und wie wird sie überprüft? Diese und andere Fragen soll Franzi ihrem fast 20.000 Followern auf Instagram per Blog und Video nahe bringen. Es gibt bei uns eine enorme Vielfalt an Jobs, die in der Breite kaum bekannt sind. Meine Aufgabe ist es, die Realitäten zu zeigen, die man sonst nicht oder nur selten zu Gesicht bekommt und das Publikum findet das spannend, sagt die gelernte Bauzeichnerin.
Für die kommenden Wochen stehen noch weitere Stationen auf der Agenda, darunter eine Kantine, ein Pflegedienst, ein Reiseunternehmen und ein Autohaus. Die Sorgen sind überall ähnlich. Der Fachkräftemangel sei gerade für kleinere Unternehmen ein richtiges Risiko, sagt Liebram. Die digitale Annäherung an den hart umkämpften Nachwuchs ist allerdings noch nicht überall gang und gäbe. Sie versuche auch, den Unternehmen die sie besucht die Potentiale aufzuzeigen und gibt den einen oder anderen. Tipp, wie man mit den sozialen Medien umgehen kann, sagt Jobbloggerin Franzi. Ob die Jugend dann auch anbeißt steht auf einem anderen Blatt und wird sich für die Beteiligten Firmen erst noch zeigen. Sicher scheint aber, dass das alte Sprichwort vom rasten und rosten auch im digitalen Zeitalter nicht an Bedeutung verloren hat. Wer heute nicht online präsent ist, ist so gut wie unsichtbar. Zumindest für die junge Generation.
Angelo Glashagel
Autor: red
Bei den "Kleinen Wipperspatzen" hatte man gestern eine ganze Reihe Gäste, nicht nur die Kameraden der Feuerwehr (Foto: agl)
Was macht Strom mit einem, wenn man nicht aufpasst? Klein, schwarz und hässlich, hieß es im elterlichen Haushalt früher. Für die großen Überlandleitungen mag das stimmen. In den eigenen vier Wänden reicht die Spannung nicht aus, um als schwarzes Häuflein Asche zu enden, wohl aber um zu tödlichen Unfällen zu führen. Die Devise sollte deswegen lauten: Hände weg vom Strom und lieber den Mann oder die Frau vom Fach machen lassen. Zu denen gehört auch Alexander Liebram, Elektriker bei einer kleinen Firma aus Nohra, die seinen Nachnamen nun schon in der 4. Generation trägt.
1926 wurde der Betrieb gegründet und hat seitdem viel erlebt und durchgemacht. Heute befasse man sich vor allem mit Brand- und Einbruchsmeldeanlagen, erzählt Alexander Liebram gestern im Wipperdorfer Kindergarten. Bei den Kleinen Wipperspatzen hat man seit ein paar Jahren eine solche Brandmeldeanlage und die wurde gestern einem kleinen Funktionstest unterzogen. Gut drei Minuten nachdem der Alarm ausgelöst wurde, stehen die Jungen und Mädchen auf dem Hof, die meisten sind über die Rettungsrutsche gekommen, die man hier allein zum Spaß tagtäglich benutzt. Auch die Feuerwehr hat es nicht weit, man lebt in direkter Nachbarschaft zueinander. Der Kindergarten hat sogar einen Schlüssel zur Feuerwache. Falls wirklich einmal etwas passieren sollte, könnte man die Kinder direkt sicher unterbringen, erzählt Kindergarten-Chefin Maritta Tritschler. Aber bisher blieb man von derlei Katastrophen zum Glück verschont.
Richtig sitzen muss die Evakuierung im Notfall freilich trotzdem. Sicher ist sicher. Und die Meldeanlage muss einwandfrei funktionieren. Dafür hat man bei Liebram zu sorgen aber die Elektriker waren gestern auch in eigener Mission unterwegs. Denn diese Woche freut man sich im Betrieb über eine eher ungewöhnliche, personelle Verstärkung. Jobbloggerin Franziska Strupf darf auf ihrem Jobmarathon durch Nordthüringen für ein paar Tage bei den Elektrikern reinschnupppern. Für das Regionalmanagement Nordthüringen reist die junge Frau durch die drei Nordthüringer Kreise Kyffhäuser, Unstrut-Hainich und Nordhausen um die Vielfalt der Möglichkeiten auf ihre Art dem jungen Publikum vorzustellen. In Nordhausen hat Franzi schon beim Hotel Fürstenhof, dem Schachtbau, bei der Hochschule und bei der Spedition Kielholz & Rybicki
Station gemacht.
Mit social media hinter die Kulissen blicken: "Jobbloggerin" Franziska Strupf schaut in dieser Woche Alexander Liebram (links) und Matthias Kieper über die Schulter (Foto: agl)
Diese Woche war sie nun also bei den Stromspezialisten zu Gast und die stehen vor großen Herausforderungen. Anders als die Großen kann man in Nohra nicht auf eine eigene Personalabteilung zurückgreifen. Fachkräfte bekomme man vor allem durch direkte Ansprache, erzählt Alexander Liebram. Der persönliche Kontakt ist unsere größte Chance. Das können Bekannte sein oder auch bei dem Besuch der Schulen passieren. Außerdem haben wir sehr gerne die kleineren Jobmessen der Region genutzt, aber das war vor Corona. Seitdem herrscht da Stillstand. Es sind schwere Zeiten für kleinere Betriebe. Mit den Benefits, also den Anreizen, die große Arbeitgeber wie die Deutsche Bahn ihren potentiellen Auszubildenden bieten, könne man nicht mithalten und in der Branche tobt nun schon seit einigen Jahren ein harter Kampf um bereits ausgebildete Fachkräfte. Auch bei Liebram hat man Kollegen an die Konkurrenz verloren, kann Matthias Kieper berichten. Und er muss es wissen, war er doch selber einige Jahre Fahnenflüchtig, bevor er zu seinem alten Ausbildungsbetrieb zurückkehrte. Die Zeit und Energie, die man in eine Ausbildung steckt, sind immer mit einem Risiko verbunden. Der eine Azubi, den man vor kurzem als ausgelernt halten konnte, ist ein Lichtblick. Ein Abbrecher den man im November verloren hat, ein herber Rückschlag.
Der Job ist anspruchsvoll. Da man nicht nur Hausleitungen verlegt, sondern auch in der Lage sein muss, die Anlagen zu programmieren und auf Seiten der Software zu betreuen, sind die 14 Mitarbeiter der Liebrams mitunter echte Spezialisten. Fallen zwei oder drei dieser Kollegen aus, kann es schnell eng werden.
Was also tun? Einige Möglichkeiten hat man in Nohra schon ausgelotet. Es ist nicht immer der höhere Lohn, der die Leute hält und lockt. Vor zehn Jahren sind wir noch deutschlandweit unterwegs gewesen und waren oft auf Montage. Heute konzentrieren wir uns auf die Region und das bedeutet für die Mitarbeiter auch, dass es leichter ist, die Arbeit mit der Familie zu vereinbaren. Die Fahrzeiten haben sich deutlich reduziert und wir versuchen unsere Zeitsysteme allgemein flexibler zu gestalten und auch mal andere Beschäftigungsmodelle zu fahren, erläutert Alexander Liebram.
Wie überprüft man eine Brandmeldeanlage? Diese und andere Fragen soll "Franzi" ihrem Publikum näher bringen (Foto: agl)
Mit dem Besuch der Jobbloggerin hält man den Zeh nun auch in digitale Gewässer. Wie nehme ich eine Spannungsprüfung vor und warum mache ich das? Wie zeichnet man einen Schaltplan? Wie findet und eliminiert man Fehler in komplexen Systemen? Wie funktioniert eigentlich eine Brandmeldeanlage und wie wird sie überprüft? Diese und andere Fragen soll Franzi ihrem fast 20.000 Followern auf Instagram per Blog und Video nahe bringen. Es gibt bei uns eine enorme Vielfalt an Jobs, die in der Breite kaum bekannt sind. Meine Aufgabe ist es, die Realitäten zu zeigen, die man sonst nicht oder nur selten zu Gesicht bekommt und das Publikum findet das spannend, sagt die gelernte Bauzeichnerin.
Für die kommenden Wochen stehen noch weitere Stationen auf der Agenda, darunter eine Kantine, ein Pflegedienst, ein Reiseunternehmen und ein Autohaus. Die Sorgen sind überall ähnlich. Der Fachkräftemangel sei gerade für kleinere Unternehmen ein richtiges Risiko, sagt Liebram. Die digitale Annäherung an den hart umkämpften Nachwuchs ist allerdings noch nicht überall gang und gäbe. Sie versuche auch, den Unternehmen die sie besucht die Potentiale aufzuzeigen und gibt den einen oder anderen. Tipp, wie man mit den sozialen Medien umgehen kann, sagt Jobbloggerin Franzi. Ob die Jugend dann auch anbeißt steht auf einem anderen Blatt und wird sich für die Beteiligten Firmen erst noch zeigen. Sicher scheint aber, dass das alte Sprichwort vom rasten und rosten auch im digitalen Zeitalter nicht an Bedeutung verloren hat. Wer heute nicht online präsent ist, ist so gut wie unsichtbar. Zumindest für die junge Generation.
Angelo Glashagel






