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nnz-exklusiv: Nach Hamburg!

Donnerstag, 15. November 2001, 12:27 Uhr
Nordhausen (nnz). Es ist in den zurückliegenden Tagen ziemlich ruhig geworden um Reemtsma. Das täuscht. Hinter den Kulissen wird gearbeitet und morgen fahren Mitarbeiter des Nordhäuser Unternehmens nach Hamburg.

Aufsichtsratssitzung ist in der Konzernzentrale angesagt. Im Gepäck des Betriebsrates und weiterer Mitarbeiter befinden sich unter anderem über 13.000 Unterschriften, die in den vergangenen Wochen für den Erhalt des Standortes gesammelt wurden. Ob die jedoch in die Waagschale der Manager in Hamburg fallen und die einst getroffene Entscheidung kippen, das kann bezweifelt werden. Deshalb setzen die Betriebsratsmitglieder in Nordhausen ihre Hoffnungen voll und ganz in die Arbeit des Runden Tisches, der sich kürzlich konstituiert hatte. An diesem Tisch sitzen Vertreter des Thüringer Wirtschaftsministeriums, des Reemtsma-Vorstandes, der IHK, des Betriebsrates und Mitarbeiter von Staatsminister Schwanitz.

Ziel der Runde soll es sein, Alternativen für den Standort in Nordhausen zu suchen und zu finden. Gefragt ist hier jedoch in erster Linie der Konzern selbst. Der wird sich schwer tun. Wer gibt schon einen Standort an einen Mitbewerber ab? Nach nnz-Informationen soll es Interessenten für die Zigarettenfabrik geben, die wollen die Eigenmarken-Produktion nach Nordhausen bringen, zum Argwohn der Hamburger Zentrale. Ein Spagat muß her, ein Spagat zwischen einem Konzept in Nordhausen und der „Befriedigung“ der materiellen Interessen der Reemtsma-Gesellschafter. Denen muß aufgezeigt werden, dass sie auch mit einem neuen Investor in Nordhausen immer noch Geld verdienen können. Wer will das nicht?

Erste Fortschritte erhofft sich Betriebsratschef Harald Messner von einer weiteren Zusammenkunft der Damen und Herren am Runden Tisch, vielleicht noch in diesem Jahr. Die politische Unterstützung ist den Reemtsma-Mitarbeitern herzlich willkommen, sie kann allerdings nicht das Wundermittel für den Standort in Nordhausen sein. Eine wirtschaftliche Lösung muß her. Gegen einen Erfolg spielt die Zeit, Mitte des nächsten Jahres soll an der Straße der Genossenschaften das Licht ausgeknipst werden. Positive Reaktionen aus der Hamburger Konzerzentrale verspürt man in Nordhausen noch nicht, nicht einmal zarte Signale.

Auch deshalb fahren morgen Harald Messner und seine Kollegen nach Hamburg. Sie wollen nicht nur sanften Druck auf die Führungsetage ausüben, sie wollen auch zeigen, dass sie ihren Kampf und ihre Bemühungen für den Standort Nordhausen nicht aufgegeben haben. Und sie bedürfen dazu der Unterstützung der gesamten Region.
Autor: nnz

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