Statistische Sonderveröffentlichung zu Corona untersucht
Die Zahlen lügen nicht
Dienstag, 01. Februar 2022, 18:00 Uhr
Das Statistische Landesamt publiziert in letzter Zeit regelmäßig eine Sonderveröffentlichung namens Aktuelle Zahlen für Thüringen in Zeiten der Corona-Pandemie. Darin finden sich alle relevanten Zahlen und Statistiken aus dem Gesundheits- und Wirtschaftsbereich. Wir haben uns einige davon näher angeschaut …
Gern greifen wir in unserer Berichterstattung auf belegte Zahlen aus offiziellen Statistiken zurück. Natürlich kennen wir auch den Spruch mit den Statistiken und welcher davon denn wirklich zu trauen wäre; doch halten wir das Thüringer Landesamt für Statistik für eine absolut seriöse und vertrauensvolle Quelle, der Glauben geschenkt werden kann. Statistische Zahlen werden gerade im Streit um die Coronaschutzmaßnahmen und ihre Sinnfälligkeit von den beiden widerstreitenden Lagern oft genutzt. Dabei greift sich jeder die heraus, die seiner Meinung zur Sache entsprechen und legt sie so aus, wie es am besten passt. Wir wollen hier nur auf einige Aspekte hinweisen und empfehlen Ihnen die Lektüre der als. pdf-Datei angehängten Veröffentlichung.
Auffällig, aber auch nicht ungewöhnlich, sind beispielsweise die nahezu identischen Diagramm-Kurven für die Anzahl der SARS-CoV-2-Testungen und der Quote positiv auf das Virus Getesteter in Deutschland. Im Klartext: je öfter getestet wurde, desto mehr positive Ergebnisse gab es dabei.
Eine weitere interessante Zahl ist die der grundimmunisierten, das heißt zweifach geimpften Thüringer. Sie beträgt 1 439 839 oder in Prozenten ausgedrückt: 67,9 der Gesamtbevölkerung. Das sind relativ genau die ursprünglich einmal von der Politik anvisierten zwei Drittel, die für eine Immunisierung für notwendig gehalten wurden. Von bislang 312 809 an Covid erkrankten Thüringern starben 6 327 an oder auch mit Corona. Das sind je 100 000 Einwohner genau 300,5 Tote oder in Prozenten ausgedrückt: 1,99451.
Übrigens liegt thüringenweit nur der Landkreis Nordhausen unter der Marke von 150 Sterbefällen im Zusammenhang mit der Krankheit.
Bei den Thüringer Inzidenzzahlen ist nach dem absoluten Höhepunkt im Dezember mit einer 7-Tages-Inzidenz von 1179 eine steil nach unten gehende Kurve zu verzeichnen, die in der zweiten Januarwoche ihren Tiefpunkt mit einem Landeswert von 465,5 erreichte. Inzwischen steigt die Zahl aber mit der Ausbreitung der Omikron-Variante wieder leicht an. So weist er noch im Dezember als absoluter Hotspot bezeichnete Freistaat momentan die niedrigste Inzidenz im Deutschlandvergleich auf. Das Nachbarland Hessen hat beispielsweise derzeit eine Inzidenz von 1145 zu verzeichnen, in Hamburg geht es mit großen Schritten auf die 2 000er-Marke zu, Berlin hat im Vergleich einen Wert von 1783.
Die als zweiter Indikator für spezielle Schutzmaßnahmen zu Rate gezogenen 7-Tage-Inzidenzen der Hospitalisierten sehen unser Bundesland im Moment bei einem Wert von 6,32. Das entspricht der Warnstufe 1, also der gelben, die nach en Buchstaben der Verordnung einige Lockerungen der strikten Coronaschutzmaßnahmen zuließe. Hierbei kommt das Bundesland Thüringen von einem erschreckend hohen Wert von 36,1, der noch Ende November ermittelt wurde zu diesem erfreulichen Ergebnis. Eine weitere gute Entwicklung, die darauf verweist, dass entweder das Impfen schützt oder die Omikron-Variante deutlich harmloser daherkommt als ihre Vorgänger oder aber beides zutrifft. Jeder Leser möge sich die für sich passende Option herausnehmen; unterm Strich gibt dieser Wert aber sehr viel Hoffnung, da von einer Überlastung der Krankenhäuser angesichts dieser Zahlen keine Rede mehr sein kann.
Auf den Intensivstationen Thüringens liegen laut der vorliegenden Veröffentlichung derzeit 78 Menschen mit Covid-Erkrankung, wovon 43 Patienten beatmet werden müssen. Über den Impf-Status dieser Menschen sagt die Statistik nichts aus. Thüringen verfügt Stand heute über 705 Intensivbetten, wovon 551 belegt und 154 frei sind. Also ist knapp jedes neunte Intensivbett mit einem Corona-Patienten belegt. In Prozent ausgedrückt sind das 11 Prozent der Betten. Auch dieser Wert rechtfertigt nicht mehr die rote Warnstufe 3 (den absoluten Alarmmodus), sonndern liegt im orangenen Bereich der orangenen Warnstufe 2.
Die freien Intensivbetten entsprechen einem Prozentsatz von 21,8. Das stellt ziemlich exakt den Wert dar, den die großen medizinischen Einrichtungen gern an Intensivbetten freihalten (weil sie dafür bezuschusst werden). Eine Triage, also die Entscheidung der Ärzte, wen sie bei Überlastungen behandeln und wen nicht, ist in den nächsten Tagen ebenfalls nicht zu befürchten.
Auffallend ist die hohe Übersterblichkeit Ende des letzten Jahres in Thüringen. Die verzeichneten 3909 Todesfälle im Dezember sind der höchste Wert in den aufgeführten letzten sieben Jahren. Die monatlichen Rekordwerte dieser Siebenjahresuntersuchung beginnen schon im Monat April, als es noch keinen Impfstoff gab und steigern sich drastisch bis zum Jahresende.
In der Auflistung der Sterbefälle 2020 und 2021 in der Bundesrepublik nach dem Alter wird ersichtlich, dass besonders die Gruppe der Menschen ab 75 Jahre eine hohe Sterblichkeit aufweist. Bei den über 95-Jährigen ist die Anzahl der Verstorbenen dann verständlicherweise wieder rückläufig. Leider geht das Zahlenwerk hier nur bis zum Mai 2020 zurück, also einem Monat, in dem die Krankheit schon grassierte und nur mit Lockdowns bekämpft werden konnte, weil der Impfstoff noch fehlte. So fällt es schwer zu erkennen, ob in den beiden letzten Wintern in Deutschland viel mehr Menschen gestorben sind als in den Wintern davor. Die oben stehende Grafik zeigt uns die Kurven für Thüringen ohne exakte Zahlen und dort ist zu erkennen, dass um den Jahreswechsel immer vermehrt gestorben wurde und in den letzten beiden Jahren besonders viel. Ob dies allein an Corona liegt oder auch einem zunehmend höheren Gesamtalter der deutschen Bevölkerung ist wieder eine reife Frucht auf dem weiten Feld der Spekulation.
Um sich selbst einen Überblick über das Zahlenwerk zu verschaffen, empfehlen wir Ihnen die Lektüre der hier angehängten Sonderveröffentlichung des Landesamtes für Statistik. Interpretationsspielräume für Maßnahmenbefürworter wie für deren Kritiker bieten sie je nach Sichtweise bestimmt genügend.
Olaf Schulze
Autor: oschGern greifen wir in unserer Berichterstattung auf belegte Zahlen aus offiziellen Statistiken zurück. Natürlich kennen wir auch den Spruch mit den Statistiken und welcher davon denn wirklich zu trauen wäre; doch halten wir das Thüringer Landesamt für Statistik für eine absolut seriöse und vertrauensvolle Quelle, der Glauben geschenkt werden kann. Statistische Zahlen werden gerade im Streit um die Coronaschutzmaßnahmen und ihre Sinnfälligkeit von den beiden widerstreitenden Lagern oft genutzt. Dabei greift sich jeder die heraus, die seiner Meinung zur Sache entsprechen und legt sie so aus, wie es am besten passt. Wir wollen hier nur auf einige Aspekte hinweisen und empfehlen Ihnen die Lektüre der als. pdf-Datei angehängten Veröffentlichung.
Auffällig, aber auch nicht ungewöhnlich, sind beispielsweise die nahezu identischen Diagramm-Kurven für die Anzahl der SARS-CoV-2-Testungen und der Quote positiv auf das Virus Getesteter in Deutschland. Im Klartext: je öfter getestet wurde, desto mehr positive Ergebnisse gab es dabei.
Eine weitere interessante Zahl ist die der grundimmunisierten, das heißt zweifach geimpften Thüringer. Sie beträgt 1 439 839 oder in Prozenten ausgedrückt: 67,9 der Gesamtbevölkerung. Das sind relativ genau die ursprünglich einmal von der Politik anvisierten zwei Drittel, die für eine Immunisierung für notwendig gehalten wurden. Von bislang 312 809 an Covid erkrankten Thüringern starben 6 327 an oder auch mit Corona. Das sind je 100 000 Einwohner genau 300,5 Tote oder in Prozenten ausgedrückt: 1,99451.
Übrigens liegt thüringenweit nur der Landkreis Nordhausen unter der Marke von 150 Sterbefällen im Zusammenhang mit der Krankheit.
Bei den Thüringer Inzidenzzahlen ist nach dem absoluten Höhepunkt im Dezember mit einer 7-Tages-Inzidenz von 1179 eine steil nach unten gehende Kurve zu verzeichnen, die in der zweiten Januarwoche ihren Tiefpunkt mit einem Landeswert von 465,5 erreichte. Inzwischen steigt die Zahl aber mit der Ausbreitung der Omikron-Variante wieder leicht an. So weist er noch im Dezember als absoluter Hotspot bezeichnete Freistaat momentan die niedrigste Inzidenz im Deutschlandvergleich auf. Das Nachbarland Hessen hat beispielsweise derzeit eine Inzidenz von 1145 zu verzeichnen, in Hamburg geht es mit großen Schritten auf die 2 000er-Marke zu, Berlin hat im Vergleich einen Wert von 1783.
Die als zweiter Indikator für spezielle Schutzmaßnahmen zu Rate gezogenen 7-Tage-Inzidenzen der Hospitalisierten sehen unser Bundesland im Moment bei einem Wert von 6,32. Das entspricht der Warnstufe 1, also der gelben, die nach en Buchstaben der Verordnung einige Lockerungen der strikten Coronaschutzmaßnahmen zuließe. Hierbei kommt das Bundesland Thüringen von einem erschreckend hohen Wert von 36,1, der noch Ende November ermittelt wurde zu diesem erfreulichen Ergebnis. Eine weitere gute Entwicklung, die darauf verweist, dass entweder das Impfen schützt oder die Omikron-Variante deutlich harmloser daherkommt als ihre Vorgänger oder aber beides zutrifft. Jeder Leser möge sich die für sich passende Option herausnehmen; unterm Strich gibt dieser Wert aber sehr viel Hoffnung, da von einer Überlastung der Krankenhäuser angesichts dieser Zahlen keine Rede mehr sein kann.
Auf den Intensivstationen Thüringens liegen laut der vorliegenden Veröffentlichung derzeit 78 Menschen mit Covid-Erkrankung, wovon 43 Patienten beatmet werden müssen. Über den Impf-Status dieser Menschen sagt die Statistik nichts aus. Thüringen verfügt Stand heute über 705 Intensivbetten, wovon 551 belegt und 154 frei sind. Also ist knapp jedes neunte Intensivbett mit einem Corona-Patienten belegt. In Prozent ausgedrückt sind das 11 Prozent der Betten. Auch dieser Wert rechtfertigt nicht mehr die rote Warnstufe 3 (den absoluten Alarmmodus), sonndern liegt im orangenen Bereich der orangenen Warnstufe 2.
Die freien Intensivbetten entsprechen einem Prozentsatz von 21,8. Das stellt ziemlich exakt den Wert dar, den die großen medizinischen Einrichtungen gern an Intensivbetten freihalten (weil sie dafür bezuschusst werden). Eine Triage, also die Entscheidung der Ärzte, wen sie bei Überlastungen behandeln und wen nicht, ist in den nächsten Tagen ebenfalls nicht zu befürchten.
Auffallend ist die hohe Übersterblichkeit Ende des letzten Jahres in Thüringen. Die verzeichneten 3909 Todesfälle im Dezember sind der höchste Wert in den aufgeführten letzten sieben Jahren. Die monatlichen Rekordwerte dieser Siebenjahresuntersuchung beginnen schon im Monat April, als es noch keinen Impfstoff gab und steigern sich drastisch bis zum Jahresende.
In der Auflistung der Sterbefälle 2020 und 2021 in der Bundesrepublik nach dem Alter wird ersichtlich, dass besonders die Gruppe der Menschen ab 75 Jahre eine hohe Sterblichkeit aufweist. Bei den über 95-Jährigen ist die Anzahl der Verstorbenen dann verständlicherweise wieder rückläufig. Leider geht das Zahlenwerk hier nur bis zum Mai 2020 zurück, also einem Monat, in dem die Krankheit schon grassierte und nur mit Lockdowns bekämpft werden konnte, weil der Impfstoff noch fehlte. So fällt es schwer zu erkennen, ob in den beiden letzten Wintern in Deutschland viel mehr Menschen gestorben sind als in den Wintern davor. Die oben stehende Grafik zeigt uns die Kurven für Thüringen ohne exakte Zahlen und dort ist zu erkennen, dass um den Jahreswechsel immer vermehrt gestorben wurde und in den letzten beiden Jahren besonders viel. Ob dies allein an Corona liegt oder auch einem zunehmend höheren Gesamtalter der deutschen Bevölkerung ist wieder eine reife Frucht auf dem weiten Feld der Spekulation.
Um sich selbst einen Überblick über das Zahlenwerk zu verschaffen, empfehlen wir Ihnen die Lektüre der hier angehängten Sonderveröffentlichung des Landesamtes für Statistik. Interpretationsspielräume für Maßnahmenbefürworter wie für deren Kritiker bieten sie je nach Sichtweise bestimmt genügend.
Olaf Schulze
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