nnz-Betrachtung zu Einladung, Spaziergang und Fakten
Das sollte doch zu denken geben
Dienstag, 01. Februar 2022, 13:54 Uhr
Ist diese Einladung (siehe Foto) nicht hübsch gemacht? Gedacht für eine gute Tat, vermutet der Betrachter auf den ersten Blick. Sie fand sich in vielen Briefkästen der Kreisstadt. Für alle Kinder eine freie Zukunft. Für Frieden und Freiheit. Was liegt da näher als der Einladung zu folgen?...
Hübsch aufgemacht ist die Einladung. Auf den ersten Blick: Nichts wie hin. Auf den zweiten kommen dann doch Bedenken. (Foto: K.Frank)
Auf den zweiten Blick wird man nachdenklich. Für alle Kinder eine freie Zukunft. Da fragt man sich: für welche? Ist sie unseren Kindern in diesem Land etwa nicht gegeben? Weltweit bezogen, bin ich dabei: Eine freie Zukunft für alle Kinder - frei von Schufterei für Billig-Produkte, frei von Not und Elend, frei vor Versklavung.
Für Frieden und Freiheit. Um wessen Frieden und Freiheit soll es denn gehen? Wenn auch eingeschränkt, letztlich leben wir hierzulande doch nicht unfrei. In Frieden seit 77 Jahren! Da ist auch die Losung: Wir sind alle ein Volk. Schon, aber sind wir es im Denken und Handeln? Wer hat heute darauf eine einleuchtende Antwort?
Ich hätte mir statt einer allgemein gehaltenen Einladung eine mit offenem Visier und überzeugenderen Aussagen mit Klartext gewünscht. Mich würden solche Losungen auf Anhieb ansprechen: Kein Gehör den Extremisten!, Kein Gehör den verkappten Nazis!, Kein Gehör den Reichsbürgern! Kein Gehör den Antisemitismus! Ich wäre ein Spaziergänger.
Man hält sich lieber bedeckt. Sonnenklar hingegen das Anliegen der Einladung: Größer soll der Zulauf beim Spaziergang werden. Geht es da aber nur gegen die Corona-Maßnahmen der Politik? Nach dem gestrigen Bericht und einigen Kommentaren sind Zweifel angebracht.
Etliche Spaziergänger leugneten zwar nicht, dass es Corona und das Virus gibt. Die Mehrheit aber, und da bin ich voll auf deren Seite, bemängelt das konfuse Handeln der Politik, das Auf und Ab, Drunter und Drüber, Türen auf, Türen wieder zu. Dennoch: Gegenwärtig beschäftigt uns doch nicht nur das Impfgeschehen. Hass und Gewalt – Polizisten werden erschossen - nehmen zu, Ängste werden geschürt, Kriegsgefahren aktuell. Wo bleibt da der Aufschrei?
Denk selbst, vermerkt die Einladung. Das sollte man auch tun. Auch Frederic Sinistra dachte nach. Er, ein weltbekannter belgischer Kickboxer, war ein Mann wie ein Baum. Das Virus, dachte der 40-Jährige überzeugte Impfgegner, könne ihm nichts anhaben. Er habe sich sogar geweigert, die Worte Corona und Covid überhaupt auszusprechen. Das Virus indes hatte kein Erbarmen, raffte ihn dahin. Die Sportwelt trauerte.
Seit zwei Jahren kämpft die Welt mit der Pandemie. Es steigt die Zahl der Neuinfektionen wie die der Toten. Bislang hat das Corona-Virus in Deutschland über 117000 Menschen das Leben gekostet. Die Gefahr ist da. Das begreifen jetzt auch eingefleischte Impfgegner. Viele jedoch erst nach dem Verlust von Angehörigen.
Dazu gehört Sevdige B. Sie ließ sich erst nach dem Tod ihrer geliebten Cousine impfen. Ein Bericht des ZDF zeigte sie in einer Stuttgarter Impfstation. Sie war – Nur Idioten würden an Covid sterben! - davon überzeugt, dass die Corona-Impfung tödlich sei, was sie auch im Netz verbreitete. Sie hätte wohl auch Menschen angemotzt, die vor Impfzentren standen. Ihre Erkenntnis könnte sie jetzt nach der Spritze vor einer schweren Covid-Erkrankung bewahren. Für ihre Cousine kam die Einsicht zu spät
Nur Idioten sterben an Corona. Alice Weigel von der AfD sagte es in der kontrovers geführten Bundestagsdebatte um eine allgemeine Impfpflicht nicht. Aber was ihre Partei von der Impfung im Allgemeinen hält, machte sie deutlich: Alles Kokolorus! Deutlich äußerten sich in dieser Debatte auch die Bundestagsabgeordneten Wolfgang Kubicki (FDP) und Gregor Gysi (Linken).
Beide halten eine Impfung für sinnvoll. Beide sind dreifach geimpft. Aber Kubicki wie Gysi sprachen sich gegen eine allgemeine Impfpflicht aus. Die wird es, obwohl laut ZDF-Politbarometer 62 Prozent der Deutschen dafür sind, wohl auch nicht geben. Auch wenn sie Kanzler und Gesundheitsminister für alle Erwachsenen herbeireden. Sie ist fachlich schwierig, politisch heikel, wirft rechtlich wie ethisch Fragen auf. Da auf einen Konsens zu kommen, dürfte kaum möglich sein.
Was kommen könnte und auch angedacht ist, wäre womöglich ein verpflichtendes werbendes Gespräch mit allen ungeimpften, aber impfmöglichen Menschen ab einem gewissen Alter, sich zu überwinden. Wie das zu bewerkstelligen ist, steht noch in den Sternen. Bei dem Hickhack der Politik könnte letztlich auch diese Variante im Sande verlaufen.
Die Freiheit und körperliche Unversehrtheit des Individiums wird eingefordert. Aber auch die Freiheit, wieder normal und ohne Einschränkungen leben zu können. Da lobe ich mir Kubicki und Gysi: Man kann gegen eine Impflicht sein, sich aber dennoch impfen lassen, weil das Leben retten könne. Nun soll das Vakzin Novavax des US-Pharmaunternehmens schon im Februar verabreicht werden können.
Angeblich wird es von Impfskeptikern schon sehnlich erwartet. Die wollen sich dem Vernehmen nach dann auch immunisieren lassen. Wenn das kein Durchbruch und damit ein Ende des Impf-Theaters wird. Ein normales Leben scheint in Sicht. Oder sollte es auch gegen Novavax Bedenken geben?
Im Südharz Klinikum kämpfen unterdessen Intensivmediziner um jeden Corona-Patienten. Ärzte, Pfleger, Schwestern sind auf einer internistischen Intensivstation einiges gewohnt: Schlaganfälle, Nierenversagen, Hirnblutungen, Dialyse. Das Sterben gehört dazu.
Corona aber stelle alles Bisherige in den Schatten. Patienten in der Covid-Intensivstation: Längerer Überlebenskampf. Höher der Anteil derer, die es nicht schafften. Invasive Beatmung bedeutet Koma, künstliche Ernährung, Magensonde, Blasenkatheder. Patienten liegen auf dem Bauch, um die Lunge zu entlasten. Manche vertragen das nicht, müssen wieder gedreht werden. Schwerstarbeit für das Personal. Jedem ist klar: Auf Dauer ist das nicht durchzustehen. Dass fast nur noch Ungeimpfte auf der ITS landen, sei ärgerlich. Gestorben wird weiter. Mehr als in anderen ITS.
Ob Arzt, Pfleger oder Schwester – alle auf der Corona-ITS sind geimpft. 100 Prozent, sagt Markus Garzke, Referent der Geschäftsführung. Das Personal im Pflegebereich des Klinikums schon zu über 90 Prozent. Corona sei keine Fata Morgana, sie sei bittere Realität. Schon Anfang Januar waren seit Beginn der Pandemie über 90 Opfer zu beklagen. Das sollte doch zu denken geben.
Kurt Frank
Autor: red
Hübsch aufgemacht ist die Einladung. Auf den ersten Blick: Nichts wie hin. Auf den zweiten kommen dann doch Bedenken. (Foto: K.Frank)
Auf den zweiten Blick wird man nachdenklich. Für alle Kinder eine freie Zukunft. Da fragt man sich: für welche? Ist sie unseren Kindern in diesem Land etwa nicht gegeben? Weltweit bezogen, bin ich dabei: Eine freie Zukunft für alle Kinder - frei von Schufterei für Billig-Produkte, frei von Not und Elend, frei vor Versklavung.
Für Frieden und Freiheit. Um wessen Frieden und Freiheit soll es denn gehen? Wenn auch eingeschränkt, letztlich leben wir hierzulande doch nicht unfrei. In Frieden seit 77 Jahren! Da ist auch die Losung: Wir sind alle ein Volk. Schon, aber sind wir es im Denken und Handeln? Wer hat heute darauf eine einleuchtende Antwort?
Ich hätte mir statt einer allgemein gehaltenen Einladung eine mit offenem Visier und überzeugenderen Aussagen mit Klartext gewünscht. Mich würden solche Losungen auf Anhieb ansprechen: Kein Gehör den Extremisten!, Kein Gehör den verkappten Nazis!, Kein Gehör den Reichsbürgern! Kein Gehör den Antisemitismus! Ich wäre ein Spaziergänger.
Man hält sich lieber bedeckt. Sonnenklar hingegen das Anliegen der Einladung: Größer soll der Zulauf beim Spaziergang werden. Geht es da aber nur gegen die Corona-Maßnahmen der Politik? Nach dem gestrigen Bericht und einigen Kommentaren sind Zweifel angebracht.
Etliche Spaziergänger leugneten zwar nicht, dass es Corona und das Virus gibt. Die Mehrheit aber, und da bin ich voll auf deren Seite, bemängelt das konfuse Handeln der Politik, das Auf und Ab, Drunter und Drüber, Türen auf, Türen wieder zu. Dennoch: Gegenwärtig beschäftigt uns doch nicht nur das Impfgeschehen. Hass und Gewalt – Polizisten werden erschossen - nehmen zu, Ängste werden geschürt, Kriegsgefahren aktuell. Wo bleibt da der Aufschrei?
Denk selbst, vermerkt die Einladung. Das sollte man auch tun. Auch Frederic Sinistra dachte nach. Er, ein weltbekannter belgischer Kickboxer, war ein Mann wie ein Baum. Das Virus, dachte der 40-Jährige überzeugte Impfgegner, könne ihm nichts anhaben. Er habe sich sogar geweigert, die Worte Corona und Covid überhaupt auszusprechen. Das Virus indes hatte kein Erbarmen, raffte ihn dahin. Die Sportwelt trauerte.
Seit zwei Jahren kämpft die Welt mit der Pandemie. Es steigt die Zahl der Neuinfektionen wie die der Toten. Bislang hat das Corona-Virus in Deutschland über 117000 Menschen das Leben gekostet. Die Gefahr ist da. Das begreifen jetzt auch eingefleischte Impfgegner. Viele jedoch erst nach dem Verlust von Angehörigen.
Dazu gehört Sevdige B. Sie ließ sich erst nach dem Tod ihrer geliebten Cousine impfen. Ein Bericht des ZDF zeigte sie in einer Stuttgarter Impfstation. Sie war – Nur Idioten würden an Covid sterben! - davon überzeugt, dass die Corona-Impfung tödlich sei, was sie auch im Netz verbreitete. Sie hätte wohl auch Menschen angemotzt, die vor Impfzentren standen. Ihre Erkenntnis könnte sie jetzt nach der Spritze vor einer schweren Covid-Erkrankung bewahren. Für ihre Cousine kam die Einsicht zu spät
Nur Idioten sterben an Corona. Alice Weigel von der AfD sagte es in der kontrovers geführten Bundestagsdebatte um eine allgemeine Impfpflicht nicht. Aber was ihre Partei von der Impfung im Allgemeinen hält, machte sie deutlich: Alles Kokolorus! Deutlich äußerten sich in dieser Debatte auch die Bundestagsabgeordneten Wolfgang Kubicki (FDP) und Gregor Gysi (Linken).
Beide halten eine Impfung für sinnvoll. Beide sind dreifach geimpft. Aber Kubicki wie Gysi sprachen sich gegen eine allgemeine Impfpflicht aus. Die wird es, obwohl laut ZDF-Politbarometer 62 Prozent der Deutschen dafür sind, wohl auch nicht geben. Auch wenn sie Kanzler und Gesundheitsminister für alle Erwachsenen herbeireden. Sie ist fachlich schwierig, politisch heikel, wirft rechtlich wie ethisch Fragen auf. Da auf einen Konsens zu kommen, dürfte kaum möglich sein.
Was kommen könnte und auch angedacht ist, wäre womöglich ein verpflichtendes werbendes Gespräch mit allen ungeimpften, aber impfmöglichen Menschen ab einem gewissen Alter, sich zu überwinden. Wie das zu bewerkstelligen ist, steht noch in den Sternen. Bei dem Hickhack der Politik könnte letztlich auch diese Variante im Sande verlaufen.
Die Freiheit und körperliche Unversehrtheit des Individiums wird eingefordert. Aber auch die Freiheit, wieder normal und ohne Einschränkungen leben zu können. Da lobe ich mir Kubicki und Gysi: Man kann gegen eine Impflicht sein, sich aber dennoch impfen lassen, weil das Leben retten könne. Nun soll das Vakzin Novavax des US-Pharmaunternehmens schon im Februar verabreicht werden können.
Angeblich wird es von Impfskeptikern schon sehnlich erwartet. Die wollen sich dem Vernehmen nach dann auch immunisieren lassen. Wenn das kein Durchbruch und damit ein Ende des Impf-Theaters wird. Ein normales Leben scheint in Sicht. Oder sollte es auch gegen Novavax Bedenken geben?
Im Südharz Klinikum kämpfen unterdessen Intensivmediziner um jeden Corona-Patienten. Ärzte, Pfleger, Schwestern sind auf einer internistischen Intensivstation einiges gewohnt: Schlaganfälle, Nierenversagen, Hirnblutungen, Dialyse. Das Sterben gehört dazu.
Corona aber stelle alles Bisherige in den Schatten. Patienten in der Covid-Intensivstation: Längerer Überlebenskampf. Höher der Anteil derer, die es nicht schafften. Invasive Beatmung bedeutet Koma, künstliche Ernährung, Magensonde, Blasenkatheder. Patienten liegen auf dem Bauch, um die Lunge zu entlasten. Manche vertragen das nicht, müssen wieder gedreht werden. Schwerstarbeit für das Personal. Jedem ist klar: Auf Dauer ist das nicht durchzustehen. Dass fast nur noch Ungeimpfte auf der ITS landen, sei ärgerlich. Gestorben wird weiter. Mehr als in anderen ITS.
Ob Arzt, Pfleger oder Schwester – alle auf der Corona-ITS sind geimpft. 100 Prozent, sagt Markus Garzke, Referent der Geschäftsführung. Das Personal im Pflegebereich des Klinikums schon zu über 90 Prozent. Corona sei keine Fata Morgana, sie sei bittere Realität. Schon Anfang Januar waren seit Beginn der Pandemie über 90 Opfer zu beklagen. Das sollte doch zu denken geben.
Kurt Frank
