nnz-online

nnz-Forum:Baubeginn an falscher Stelle

Samstag, 26. November 2005, 16:17 Uhr
Sollstedt (nnz). Nach sieben Jahren darf das Industriegebiet Goldene Aue erschlossen werden. Dr. Horst Kox von Bündnis 90/Die Grünen sieht in der Konzentration auf einen Großinvestor Gefahren. Welche Probleme er erwartet, legt er im nnz-Forum dar.


Nun ist es so weit – nach mehr als 7 Jahren darf das Industriegebiet „Goldene Aue“ erschlossen werden. Damit besitzt Nordhausen das, was einige Kreise in Thüringen, Sachsen-Anhalt und Sachsen schon seit Jahren besitzen: Wunsch- vorstellungen auf eine Großfläche projiziert, ohne erkennbare Industrie -perspektive.

In der zeitlich langen Planungsphase spielte ein eigenständiges Industrieprofil mit integrierter Forschung, abgesehen von Ausnahmen, kaum eine Rolle. Der lange Zeitraum bot sich geradezu an, durch solide Wirtschaftspolitik und Fördermaßnahmen mittelständige Unternehmen der Stadt und des Landkreises
auf dem Weg zur Hochtechnologie für marktfähige Produkte zu unterstützen.
Die erzielten Ergebnisses, wenn man sich die Arbeitslosenzahlen ansieht, sind über einen längeren Zeitraum verfolgt, mangelhaft.

Im Widerspruch dazu steht die bedeutende Zahl der Gremien, die sich direkt oder indirekt mit Wirtschaftsförderung beschäftigen. Die Konzentration auf ausschließlich einer Großfläche möglichst mit einem größeren Investor von außen war ein fataler Missgriff.

BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN haben seit langem vor den ökologischen Gefahren und den zunehmend sichtbaren wirtschaftstrategischen Fehlein- schätzungen gewarnt. Die Konsequenz aus der EU-Erweiterung bis hin zu den nicht nötigen Verzögerungen beim Bau der Südharzautobahn gingen nicht wirkungsvoll in die Überlegungen zur Perspektive der Wirtschaft ein. Mittlerweile hat uns der Nachbar Eichsfeldkreis in der ökonomischen Dynamik überholt. Und das ohne Fachhochschule, ohne Streben nach Oberzentrum, ohne Großindustriefläche.

Den bedeutenden Leistungen der Bürger nach der Wende, besonders dem Ideenreichtum von Mittelstand, Handwerk und Gewerbe, ist die Entwicklung vieler Arbeitsplätze zu danken. Deshalb müssen sich gerade dort die Keimzellen für Innovationen für marktbestimmende Produkte entwickeln. Und die Kleinen Mittelständischen Unternehmen (KMU) die Unterstützung bekommen, die sie verdienen und benötigen.

Wirtschaftsforschungsinstitute (Köln, Halle) und besonders der Wirtschafts- minister unseres Freistaates Thüringen sehen die Zeit von industriellen Großsiedlern längst als verstrichen an. Wie ist dann aber erklärbar, dass es Absichten in Nordhausen gibt, jenen Bürgern Enteignung anzudrohen, die ihr Eigentum an Grund und Boden in der Goldenen Aue weder verkaufen oder tauschen wollen, was das Gesetz auch gar nicht zulässt. Die fatale Verwechslung von öffentlichem Interesse und politischem Eigennutz verstellt den Blick für das Allgemeinwohl.Man darf gespannt sein, welche Konzeptionen für die Wirtschaftsentwicklung entstehen, wie die Öffentlichkeit einbezogen wird. Es geht nicht zuletzt um die Arbeitslosen, um die zur Abwanderung gezwungenen jungen Familien und Fachkräfte.

Die Bündnisgrünen fordern:
- Konzentration und Kooperation der Wirtschaftsförderung von Stadt und Landkreis Nordhausen
- Baldige Berufung eines Gremiums unter Beteiligung des Unternehmerverbandes, des Handwerks der 29iger Verbände und befähigter Bürger zur Analyse und Strategieentwicklung der Wirtschaft einschließlich der notwendigen Hochschul- und Industrieforschung.
- Die Stadt Sondershausen wird eigenständig in die wirtschaftlichen Entwicklungsprozesse eingebunden (Gleichberechtigung).
- Vertraglich abgesichert wird mit dem verantwortlichen Autobahnplaner eine Reduzierung der Zeitverzögerung für den Lückenschluss Breitenworbis-Bleichrode um 6 bis 9 Monate vereinbart.

Der Zeitfaktor wird für unsere Region ebenso wie die Qualität der Planungs- arbeit zur alles entscheidenden Größe. Die noch verfügbaren Ressourcen und noch möglichen Fördermittel müssen konsequent und streng kontrolliert auf eine nachhaltige Entwicklung für Nordthüringen konzentriert werden.

Dr. Horst Kox
Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
Autor: nnz

Drucken ...
Alle Texte, Bilder und Grafiken dieser Web-Site unterliegen dem Urherberrechtsschutz.
© 2026 nnz-online.de