nnz-online

Roter Bart

Mittwoch, 16. November 2005, 08:35 Uhr
Nordhausen/Limlingerode (nnz). Horizontlinien prägen eine Landschaft und geben ihr die Unverwechselbarkeit. Wer wollte bestreiten, dass die Harzsilhouette, die der Hainleite und die der Windleite das Antlitz dieses Landstriches prägen. Und, der Höhenzug des Kyffhäusers setzt im Osten noch ein besonderes Zeichen! Auch literarisch...


Dieser Bergrücken ist es, der am Samstag (26.11.), ab 14.30 Uhr im Mittelpunkt der Veranstaltung in der „Dichterstätte Sarah Kirsch“ steht. Heidelore Kneffel hat im Laufe der Jahre Fotografien vom Kyffhäuser mit seinen Denkmalen gemacht, die in der „Bibliothek der Dichterinnen und Dichter“ optische Signale setzen werden.

Literarisch bemächtigte sich zuerst die Sage dieser Landschaft, die mit 60 qkm das kleinste Mittelgebirge in Deutschland darstellt. Geologisch ist es eine Pultscholle, die sich aus der Auenlandschaft emporreckt. Zu Füßen liegt auf ihrer Nordseite die Goldene Aue, auf der Südseite die Diamantene Aue. Im Kulpenberg erreicht das Kyffhäusergebirge mit 473 m ü.NN seinen höchsten Punkt. Klima, anliegender Gips und das auslaugende Wasser schufen eine bemerkenswerte Karstlandschaft, in der tiefe Spalten und Höhlen nicht gerade selten sind. Diese geologische Beschaffenheit und die Historie der Region ließen die Geschichten vom Kaiser Friedrich Barbarossa entstehen.

Es ist klar, dass sich die Sagen und Legenden zuerst des Motivs des wiederkehrenden Kaisers annahmen. Die Gebrüder Grimm und Ludwig Bechstein überlieferten sie. In der Romantik folgte der Dichter Novalis, der in diese Landschaft hineinwuchs. Friedrich Rückert schrieb 1817 eines der bekanntesten Gedichte, nach dem von Kyffhäuserbesuchern immer wieder gefragt wird. Der Dichter des Vormärz, Ferdinand Freiligrath, nahm sich des Stoffes an. Als berühmteste Dichtung darüber entstand Heinrich Heines „Deutschland. Ein Wintermärchen“. Auch der Sprachgelehrte und preußische Minister Wilhelm von Humboldt widmete Barbarossa ein Sonett, denn er hielt sich mit seiner Frau Caroline hier mehrmals auf.

Von Emanuel Geibel, Ernst Moritz Arndt bis hin zu Günter Kunert und Rolf Schilling zieht sich die Reihe der Poeten fort. Wer diese einzigartige Landschaft mit ihrer Historie durch Dichtung für sich wieder- oder neu entdecken will, ist für den 26. 11. 05 um 14.30 Uhr nach Limlingerode in das Haus auf dem Hügel eingeladen.
Autor: nnz

Drucken ...
Alle Texte, Bilder und Grafiken dieser Web-Site unterliegen dem Urherberrechtsschutz.
© 2026 nnz-online.de