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Der KSB und sein Geschäftsführer als Interessenvertreter

Wieviel Unterstützung benötigt das Ehrenamt?

Dienstag, 07. Dezember 2021, 19:30 Uhr
„Das Hauptamt steht nunmal an erster Stelle, da muss das Ehrenamt hinten anstehen“, sagte der Geschäftsführer der Nordhäuser Kreissportbundes kurz nach seiner Ernennung Ende November 2019. Mit diesen Worten meinte er seine eigene Tätigkeit für den damaligen Regionalligisten Wacker Nordhausen, die er beenden wollte, um sich ganz auf seine neue Aufgabe konzentrieren zu könnenů

Patrick Börsch konnte die Verdopplung der Übungsleiterpauschalen aus Stadt- und Kreishaushalt erreichen (Foto: nnz-Archiv) Patrick Börsch konnte die Verdopplung der Übungsleiterpauschalen aus Stadt- und Kreishaushalt erreichen (Foto: nnz-Archiv)

Den Konflikt zwischen einem Engagement für Wacker und seiner hauptamtlichen Tätigkeit im KSB musste Patrick Börsch schließlich nicht ausleben, denn während sich das Corona-Virus langsam in unser Leben schlich und es bekanntermaßen zum Erliegen brachte, gingen beim Fußballverein in der Parkallee die Lichter aus und Trainer und Spieler verließen den insolventen Regionalligisten fluchtartig.

Zwei Jahre später allerdings bewahrheitet sich Börschs Bekenntnis in einer Art und Weise, die er so nicht gemeint haben kann. Bedingt durch die zahlreichen Corona-Maßnahmen, die gerade den Sportbereich hart trafen, kam das ehrenamtliche Engagement auch im Kreis Nordhausen schwer unter Druck. Patrick Börschs Versprechungen zu seinem Amtsantritt, er wolle alle Vereine des Landkreises besuchen, konnte er nicht erfüllen. Der nnz sagte er, die Geschäftsstelle war durchgehend besetzt und erreichbar. „Es gab jederzeit die Möglichkeit persönliche Termine zu vereinbaren oder Anfragen telefonisch bzw. via Mail zu stellen. Diese wurden, wenn möglich, auch umgehend beantwortet. Zusätzlich haben wir den Onlinestammtisch ins Leben gerufen, wo wir direkt mit den Vereinen ins Gespräch gekommen sind und so Problemlagen oder Anliegen aufgreifen konnten. Ein Format an dem wir weiterhin festhalten möchten“, erklärte Börsch.

Das wird in einigen Sportvereinen des Kreises anders gesehen. „Egal welchen Vereinskollegen man fragt, alle sagen, bei uns war keiner vom Kreissportbund Nordhausen“, heißt es in einem Leserbrief an die nnz.

Die einstigen Stärken des Nordhäuser Kreissportbundes waren Kontinuität und Flexibilität. Börschs Vorgänger Andreas Meyer baute in seiner Amtszeit einen starken, gut ausgerüsteten Dachverband für die Sportvereine auf, der auch personell und materiell so ausgestattet war, dass er vor Ort viel Unterstützung und Hilfestellung gewähren konnte.

Doch diese Tugenden scheinen in dem thüringenweit hoch angesehenen Kreissportbund Nordhausen verloren zu gehen. Immer nnz vorliegenden Schreiben heißt es weiter „Kontinuität beweist der KSB nur in der Tatsache, dass wichtige Bestandteile für die Sportverein wegfallen. Masken, Papiertücher, Desinfektionsmittel und Tests halten ehrenamtlichen Vereinsmitglieder nicht bei Laune, sondern sorgen nur noch für Lacher, da sie als Würdigung dargestellt werden.“

Wir fragten den Geschäftsführer, wie die ehrenamtlich tätigen Funktionäre, Trainer und Sportler im ersten Coronajahr motiviert werden konnten und bekamen zur Antwort: „Die meisten Ehrenamtlichen und Sportler sind motiviert und das ganz tief in ihrem Inneren. Ohne diese Motivation wären wir im organsierten Sport in einer deutlich größeren Schieflage, als wir sowieso schon sind.“ Und Patrick Börsch fügt hinzu: „Man muss aber auch ehrlicherweise sagen, dass die vom Staat auferlegten Hürden, ohne diese als richtig oder falsch bewerten zu wollen, auch den engagiertesten Ehrenamtlichen irgendwann an die Grenzen bringen.“

Während andere Thüringer Kreissportbünde ihre jährliche Würdigungen der Ehrenämtler in einer abgespeckten oder komplett anderen Art und Weise veranstalteten, schafften es die Verantwortlichen in Nordhausen nach fast zwei Jahren pandemischer Lage nicht, einen Modus zu finden, würdige Sportler und Sportlerinnen, Organisatoren oder Trainer zu ehren. Auch die kürzlich abgehaltene Vorstandswahl machte da keine Ausnahme. Vielmehr wurden hier Vertreter der regionalen KSB-Sponsoren persönlich ausgezeichnet, was von Insidern des Nordhäuser Sportbetriebs zumindest erstaunt zur Kenntnis genommen wurde. Die mehrfach angekündigte Veranstaltung als Ersatz oder Modifikation der Sportlergala wurde letztmalig Ende November vom Vorstand aufgrund der Infektionslage und der damit verbundenen Auflagen für Veranstalter abgesagt. „So bald wie möglich“, will der KSB einen Ersatztermin finden, der aber noch nicht feststeht. Man ist geneigt, dem KSB dafür einen warmen Spätfrühlingstag zu empfehlen, wenn das Virus erfahrungsgemäß eine Verschnaufpause einlegt.

Selbstverständlich hat der Nordhäuser KSB seine Vereine in der Coronazeit bei der Erarbeitung der mannigfaltigen Hygienekonzepte unterstützt, hat ihnen die Verordnungslagen„übersetzt“ und auf das Wesentliche reduziert, Hygieneartikel und später Tests bereitgestellt. Auch wurden Online-Stammtische veranstaltet, erzählt der KSB-Geschäftsführer, sowie die Öffnung der Hallen in den Ferien angeschoben. Im Sommer wurden wie üblich Veranstaltungen und Feste unterstützt und mit den Vereinen durchgeführt. Hervorzuheben sind hierbei die Ferien-Days, die ein willkommenes Ferienangebot für die kontakthungrigen Kinder waren.

Am Kiesschacht startete der KSB erstmals Kurse im Stand Up Paddeln mit der Europameisterin Susanne Lier und zum Ferienbeginn gab es unter Mitwirkung des KSB einen eintrittsfreien Tag im Schwimmbad. Hier waren dann die ehrenamtlichen DJ-Kenntnisse des Geschäftsführers zu diesem Party-Tag gefragt, was allerdings in der Branche nicht gut ankam, wo professionelle Musikunterhalter seit eineinhalb Jahren praktisch mit Berufsverbot belegt waren.

Zusätzlich besteht der Vorwurf, der hauptamtliche Geschäftsführer sei „frohen Mutes seinem Hobby weiter nachgegangen, partyhungrige Menschen zum Tanz(sport) zu bewegen“, während sich die Veranstaltungsabsagen des Kreissportbundes gehäuft hätten.

Seinen DJ-Auftritt im Zusammenhang mit der Ferienanfangsaktion habe er unentgeltlich geleistet und war mit der Tatsache verbunden, dass der Termin sehr kurzfristig angesetzt wurde, wodurch keine Zeit mehr blieb, andere DJs dafür einzuladen. So plausibel die Erklärung aus Patrick Börsch Mund auch klingt, ein glücklicher Schachzug war es nicht.

Aktuell arbeitet die Geschäftsstelle an der Finanzierung neuer Tests, die den Vereinen kostenfrei zur Verfügung gestellt werden sollen. Für die jetzt wieder neu zu planende Ehrenamtsveranstaltung hat sich der Dachverband von knapp 150 Sportvereinen des Kreises vorgenommen, einmal nicht die Sportler in den Vordergrund zu stellen, sondern die vielen Ehrenamtlichen in den Vereinen, die auf unterschiedlichste Art und Weise dafür gesorgt haben, dass der Sport in den letzten anderthalb Jahren überhaupt weiter durchgeführt werden konnte. Ein Dank richtet deshalb Patrick Börsch auch „an alle, die in diesen schweren Zeiten weiter im Boot geblieben sind.“

Ein wichtiges Zeichen aus der Verwaltung sei dabei auch die Verdopplung der Zuschüsse für die Übungsleiterpauschalen im Landkreis sowie der Stadt Nordhausen von jeweils 10.000 Euro auf 20.000 Euro gewesen, konstatiert er weiter. Als SPD-Stadtrat hatte Börsch sich seit Ausbruch der Corona-Krise für eine solche Besserstellung der Trainer stark gemacht.

Dennoch, und das wird in besagtem Brief deutlich, vermissen die Vereine gerade jetzt, da dem Breitensport trotz diverser Hygienekonzepte wieder die Existenzgrundlage mit infektionseindämmenden Maßnahmen entzogen wird, eine starke Stimme, die sich für ihre Belange beim Landessportbund und in der regionalen und überregionalen Politik einsetzt.

Es wird in naher Zukunft von einem interessenvertretenden Verein wie dem KSB, der durch Mitgliedsbeiträge und Steuergelder finanziert wird, deutlich mehr Aktivität erwartet. Denn, um noch einmal auf das Eingansgzitat zurückzukommen, das Ehrenamt kann nicht weiter hintenanstehen, wenn es nicht verloren gehen soll. Und außerschulischer Kinder- und Jugendsport muss auch im kommenden Corona-Winter möglich sein, wenn unser angeschlagene Gesellschaft nicht noch weiter verkümmern will.
Olaf Schulze
Autor: osch

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