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Jugend forscht - nur nicht im Landkreis

Montag, 12. November 2001, 13:37 Uhr
Nordhausen (nnz). In diesem Jahr wurde von der Fachhochschule Nordhausen und dem Landratsamt ein Jugendforschungspreis ausgeschrieben. Zur Resonanz eine nnz-Betrachtung.


Jugend forscht! Der Bundeswettbewerb hat eine lange Tradition, Preisträger der 60er und 70er Jahre forschen mittlerweile in renommierten Instituten oder haben im Management führender Konzerne einen Platz gefunden. Mit diesen Visionen gingen die Macher des kreislichen Jugendforschungspreises nicht ans Werk. Der Preis sollte vielmehr eine Herausforderung sein. Ideen sollten gesponnen, vielleicht auch umgesetzt werden. Kenner der Szene werden sich noch an die „Zahnspange mit Geschmack“ erinnern, mit denen sich Schüler des Herdergymnasiums beim Innovationspreis beworben hatten.

Mit dem Jugendforschungspreis sollte der Nachwuchs zu forscherischer Arbeit angeleitet und animiert werden. Im Juli dieses Jahres gingen die Schreiben über das Landratsamt an die Schulen des Landkreises raus. Die Lehrer sollten mit einbezogen, Gruppen sollten sich finden, Projekte ausgekundschaftet werden. Die erste Abgabefrist war auf Oktober datiert, sie wurde verlängert. Der Grund: Null Resonanz. Am Freitag war die Verlängerungsfrist abgelaufen. Die Resonanz bliebt: Null! Einigermaßen frustriert waren die beiden Auslober des Preises schon, sie einigten sich aber auch auf eine Fortsetzung. Langfristig soll nun ein neuer Anlauf genommen werden. Auch der Bewerbungszeitraum soll nicht nur drei Monate betragen.

Ob die Resonanz aus den Schulen des Landkreises und der Stadt dann aber steil nach oben gehen wird, das kann bereits heute bezweifelt werden. Die Schulen als Hort künftiger Forscher? Bei der Beantwortung dieser Frage bleibt der Mund offen. Ein Blick in die Schulen (nicht nur die unseres Landkreises), ein Blick auf Stundenpläne und Ausfallstunden sagt da schon manches. Das Engagement der Lehrer bleibt deutlich auf sechs oder sieben Unterrichtsstunden beschränkt, wer arbeitet auch gern am Nachmittag und dann noch mit jungen Menschen? Wer Wissen vermittelt, der muß nicht unbedingt dafür begeistern. Wie anders sollen junge Forscher aber erkannt oder individuell aufgebaut werden? Dienst nach Vorschrift werde bei uns gemacht, sagte unlängst ein Schüler aus dem Gymnasium mit der Zahnspange.

Das Problem mit der „Forschung“ ist hausgemacht, schulhausgemacht. Doch nicht nur da. Selbst bei den Jugendlichen, die nicht unbedingt forschen, sondern einfach nur eine Lehre beginnen wollen, gibt es da so einige Hürden, die mitunter nicht überwunden werden: Das Einmaleins, die Prozentrechnung, Rechtschreibung, Geometrie.... Diese Hürden, die viele Ausbildungsbetriebe fast verzweifeln lassen, sind das Ergebnis eine Konglomerats aus „verbeamteten“ Pädagogen und einer Schulpolitik, die fernab der Realität in irgendwelchen ministeriellen Amtsstuben zusammengeflickt wird.

Und so werden auch im kommenden die jungen Forscher aus dem Landkreis Nordhausen Mangelware sein. Man könnte sie organisieren wie zu DDR-Zeiten, als die in jedem Jahr auf einer „Messe der Meister von Morgen“ vorgestellt wurden. Man könnte am gesamten Bildungssystem etwas ändern, man könnte.... wenn man wollte! Die Macher des Jugendforschungspreises wird das alles nicht abschrecken, sie planen eine Neuauflage im kommenden Jahr. Mit mehr Zeit zur Vorbereitung für Forscher und „Betreuer“ und wieder einem Preisgeld von zusammen 1.000 Mark.
Autor: psg

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