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Keine Alternative zur Impfung

Freitag, 05. November 2021, 22:29 Uhr
Es gibt in diesen Tagen ohnehin viel Groteskes zur Corona-Lage zu lesen. Das, was am Dienstag und heute zur Corona-Lage im Landkreis Nordhausen in der nnz zu lesen ist, gehört definitiv dazu, meint ein Leser...


Die Belegung der Intensivbetten ist niemals Null. Wenn Sie, sehr geehrter Herr Schulze, nach der Anzahl der COVID-Patienten auf den Intensivstationen fragen, dann sollten Sie auch nach der Gesamtbelegung der Intensivstationen mit anderen Patienten fragen.

Auch wären folgende Punkte zu erwähnen: Nicht jedes Krankenhaus und damit nicht jedes "Intensivbett" ist zur Betreuung kritisch kranker COVID Patienten mit komplexen Beatmungsmustern geeignet, ganz zu schweigen davon, dass es dafür erfahrenes Personal braucht. Und wenn Sie mit einem Infarkt oder einer Sepsis ins Krankenhaus müssen, möchten Sie auch als Nicht-COVID Patient auf die Intensivstation.

Unangenehmerweise haben COVID -lnfektionen die Angewohnheit sich schlimmstenfalls exponentiell zu mehren, und Intensivpatienten bleiben lange auf der ITS, was die verbleibende Bettenzahl schnell an ihre Kapazitätsgrenze bringen kann WENN, ja, wenn nicht Maßnahmen getroffen werden um das zu verhindern.

Zur Illustration noch ein paar Zahlen von heute, Quelle: DIVI Intensivregister von heute.
Thüringen: 553 von 636 Intensivbetten belegt, 108 davon Covidpatienten, davon 48 beatmet. FREIE Beatmungsbetten für Covid: 30.

Schauen wir auf die regionalen Daten. Der Landkreis Nordhausen steht mit dem großen Krankenhaus und der Klinik in Neustadt noch gut da: 44 Betten insgesamt, 36% freie Intensivbetten. Eichsfeldkreis: 20 Betten, belegt 75%. Unstrut-Hainich-Kreis: 15 Betten, Belegung 87%. Im Kyffhäuserkreis gibt es nur 6 ITS Betten, Belegung 100%.

In ganz Berlin gibt es nur noch 7% freie Intensivbetten. Es gehört wenig Phantasie dazu sich auszumalen, was passiert, wenn man den Dingen ihren Lauf lässt. Für die weniger Phantasiebegabten empfehle ich den zeitlichen Trend im DIVI Intensivregister zu betrachten. Der ist dort auch für Thüringen dargestellt.

Etwas mehr Vertrauen in die Arbeit von Epidemiologen und Behörden wäre durchaus angebracht, anstatt dass jeder meint, die Situation mehr oder minder kompetent kommentieren zu müssen und damit unter dem Deckmantel "kritischer" Berichterstattung Misstrauen zu säen.

Die vermehrten Durchbruchinfektionen hängen damit zusammen, dass der Anteil Geimpfter an der Gesamtbevölkerung sogar in Thüringen steigt. Schwere Verläufe werden signifikant vermindert. Dass Risikopatienten trotz Impfung im Krankenhaus landen, hängt mit nachlassendem Impfschutz zusammen, dem am besten mit einer rechtzeitigen Auffrischung begegnet werden kann.

Absurd auch die Einlassungen zur Behandlung Geimpfter (welche "womöglich" ein größere Gefahr darstellen sollten als Ungeimpfte), Artikel von Dienstag.

Geimpfte schützen in erster Linie sich selbst und zwar vor schweren Verläufen! Und das kann jeder! Wollen wir ewig in Test und Lockdown verharren oder wollen wir heraus aus der Situation???

Zur Impfung möglichst aller Erwachsenen gibt es keine Alternative. Wenn die Impfrate deutlich über 90% läge, und die Risikogruppen die Impfung auffrischen würden, wäre zwar nicht Corona, aber die Pandemiesituation mit Quarantäne, Lockdown etc. schneller vorbei. Einen schönen Abend,
Dr. med. C. Marx
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Autor: red

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