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Nachrechnen angesagt

Dienstag, 01. November 2005, 17:06 Uhr
Nordhausen (nnz). Während der heutigen Sitzung des Kreisausschusses ging es in erster Linie um Zahlen. Die waren von der Verwaltung vorbereitet worden. Und: Sie waren teilweise falsch und nicht nachvollziehbar. Die Verwalter müssen nachrechnen.


Wenn überplanmäßige Ausgaben angewiesen werden müssen, dann kann das Landrat Joachim Claus (CDU) normalerweise allein tun. Geht die Summe über 100.000 Euro, dann müssen andere entscheiden, wie zum Beispiel der Kreisausschuß. Der hatte in einer ersten Runde gleich über Mehrausgaben in Höhe von fast 350.000 Euro zu befinden. 240.000 Euro davon sind Mehrausgaben, die mit der so genannten „Hilfe zur Überwindung besonderer sozialer Schwierigkeiten“ verbunden sind. Im Klartext: Es geht um die Kosten, die Menschen verursachen, die mit ihrem Leben nicht mehr selbst zurechtkommen, die hochverschuldet und obdachlos sind. Für sie ist die Ullrichstraße 17 oftmals die letzte Adresse.

Hier werden diese Menschen von Mitarbeitern des Jugendsozialwerkes betreut. Pro Person wurde einst ein Tagessatz von fast 43 Euro ausgehandelt. 15 Personen leben in der Ullrichstraße, zwei von ihnen schon seit dem Jahr 2001. Seit Jahresbeginn hatte die Kreisverwaltung an das Jugendsozialwerk 332,090,62 Euro gezahlt, geplant waren einst 160.000 Euro. Bis zum Jahresende werden voraussichtlich Kosten in Höhe von rund 400.000 Euro anfallen, 240.000 Euro mehr als im vergangenen Jahr geplant.

Diese Summen waren zum Beispiel Winfried Theuerkauf (SPD) nicht ganz koscher. Er rechnete nach: 15 mal 43 Euro mal 365 Tage und kam auf die Summe von 235.425 Euro. Ganz klar, der Sozialdemokrat wollte wissen, wie die Differenz zu 400.000 Euro zustande komme, eigentlich müßten ja nur 70.000 Euro nachgezahlt werden? Wer nun dachte, dass die Kreisverwaltung in Person der zweiten Beigeordneten Loni Grünwald (PDS) eine plausible Erklärung abliefern konnte, der sah sich enttäuscht. Ausweichen, Ausreden mit Überbelegung und schließlich ein wenig genervt („dann kriegt der Träger eben kein Geld!“). Klar, das Klaus-Dieter Drick (FDP) in die offenliegende Wunde sticht, klar auch das PDS-Mann Rainer Bachmann einlenken will, doch es kommt auch klar zum Ausdruck, dass die Verwaltung eine Vorlage abgeliefert hat, die an Oberflächlichkeit nicht zu überbieten ist.

Und der Knaller: Die öffentliche Behandlung dieser Auszahlungsmodalitäten im Kreisausschuß ist einzig der ersten Beigeordneten Jutta Krauth (SPD) zu verdanken. Die hatte das MEHR zum Thema gemacht und auf die Tagesordnung gesetzt. Bleibt die Frage nach den Nachfragen der vergangenen Jahre? Das wurde vermutlich fleißig nachgezahlt. Bleibt aber auch die Frage, wie man nur 160.000 Euro im Plan ansetzen kann, denn rechnet man zurück, dann können nur 10 Personen in der Einrichtung betreut werden. Im vergangenen Jahr waren es aber – 15.

Und so wurde diese Vorlage durch Landrat Joachim Claus (CDU) zurückgezogen. In zwei Wochen sollen exakte Zahlen auf den Tisch, mit Belegungsdichten in der Einrichtung und mit der Darstellung von Möglichkeiten neuer Verhandlungen mit dem Jugendsozialwerk.
Autor: nnz

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