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Was wir auf der Seite des Gesundheitsministeriums erfahren

Ist geimpft und gefährlich das neue 2G?

Dienstag, 02. November 2021, 09:00 Uhr
Weil exakt erfasste Daten immer noch am besten geeignet sind, die Schwere der grassierenden „Pandemie von nationaler Tragweite“ abzubilden, haben wir Anfragen an die Krankenhäuser in Nordhausen und Sondershausen gestellt. Bis von dort Antworten kommen, wollen wir schon einmal untersuchen, was das Thüringer Gesundheitsministerium vermeldet …


Das zeigt auf seiner Internetseite seit Donnerstag für einen Zeitraum vom 18. - 24. Oktober eine Auflistung, wonach 158 Patienten in Thüringer Krankenhäusern mit der Diagnose Corona stationär behandelt wurden. Als bereits vollständig geimpfte Patienten werden davon 54 ausgewiesen, als umgeimpfte 69. Nun ergeben diese beiden Zahlen in der Addition nicht die Anzahl der insgesamt vermeldeten Patienten, wofür folgende Erklärung angeboten wird: „Bei der Berechnung der Inzidenzen von Geimpften und Ungeimpften werden nur Fälle mit vollständigen Angaben zum Impfstatus berücksichtigt. Die Summe der Fälle dieser beiden Kategorien kann daher niedriger sein als die jeweilige Gesamtzahl der Fälle.“

Auf Intensivstationen wurden in diesem Zeitraum 14 Patienten behandelt. Davon waren neun umgeimpft, aber fünf besaßen den vollen Impfschutz. Das Ministerium fügt bei dieser Mengenangabe in Klammern hinzu, dass drei Personen davon mit Vorerkrankungen behaftet sind, was ein Risikofaktor für einen schweren Verlauf wäre.

Interessant ist auch der Zusatz, dass unter den geimpften Erkrankten „ausschließlich symptomatische Personen gezählt (werden), die zum Zeitpunkt der Erkrankung einen vollständigen Impfschutz hatten.“ Darunter ist eine abgeschlossene Impfserie zu verstehen, nach der mindestens 14 Tage vergangen sind, stellt das Gesundheitsministerium klar.
Das bedeutet anders ausgedrückt, dass mit dem Virus infizierte Geimpfte, die keine sichtbaren Symptome entwickeln, als nicht infiziert gelten. Ungeimpfte symptomlose Menschen, die sich bis dahin für gesund hielten und bei einem Test von der eigenen Infektion überrascht werden, gelten aber sofort als infiziert und zu dokumentierender, sprich zu zählender „Fall“.
Aber es wird noch erhellender auf der Seite tmasgff.de, denn anschließend wird erläutert: „Des Weiteren werden geimpfte Personen vermutlich seltener getestet als ungeimpfte Personen, was zu einer weiteren Unterschätzung der Fallzahl bei den geimpften Personen führen könnte.“

Die Gesamtzahl der mit einer doppelten Impfung geschützten Thüringer betrug heute Nacht um 0 Uhr exakt 1 Million und 286 Tausend 828 Personen. Das ist ein Prozentsatz für das ganze Bundesland von 60,7 Prozent der Bevölkerung. Damit rangiert Thüringen am Ende des deutschen Länderrankings und wird nur noch von den impffaulen Sachsen unterboten. Ob durch die geringe Impfquote die Inzidenzzahlen in Thüringen so hoch sind wie sonst nirgends ist hingegen nicht erwiesen.

Und selbst wenn es so wäre, möchte ich noch einmal die Zahl der Intensivpatienten ins Gedächtnis rufen: es sind 14 (Vierzehn). Nicht in Nordhausen oder Sondershausen, sondern im gesamten Freistaat. Die Intensivbettenbelegung ist, so viel wissen wir schon, in beiden großen Krankenhäusern der angesprochenen Städte gleich null. Kein Patient liegt dort wegen einer Covid-19-Erkrankung auf einer Intensivstation oder muss beatmet werden. Das ist eine genau so gute Nachricht wie die offensichtliche Tatsache, dass beispielsweise im Kyffhäuserkreis trotz jetzt fast 600 Infizierten und immerhin 800 Kontaktpersonen zu diesen infizierten Landkreisbewohnern lediglich 19 mit leichten und mittelschweren Verläufen hospitalisiert sind.

Schlimmer fällt da ins Gewicht, wenn die in der Öffentlichkeit installierten Hygieneregeln, besonders die 2G- und 3G-Bestimmungen, nicht mehr funktionieren. Weil sich Geimpfte nicht mehr testen lassen müssen, sich aber nachweislich infizieren können, kommt das ganze Schutzsystem ins Wanken. Und so kommt es zu grotesken Geschichten wie beim Fußballklub Bayern München, wo der zweifach geimpfte und an Corona erkrankte Trainer einem gesunden Spieler rät, sich impfen zu lassen. Selbst in der ARD wird neuerdings Sonntagabend zur besten Sendezeit behauptet: „Wer sich impfen lässt, schützt als erstes sich selbst. Auch wer geimpft ist, kann andere anstecken.“ (Sarah Wagenknecht).

Die 2G-Regelung bedeutet, dass der Zutritt zu Veranstaltungen nur Geimpften und Genesenen gewährt wird. Im Gegenzug darf dafür auf Infektionsschutzregeln wie das Tragen einer Maske oder Abstandsregeln verzichtet werden. Beim 3G-plus-Modell erhalten Geimpfte und Genese Zutritt zu Veranstaltungen oder in Gebäude bzw. Stadien sowie Menschen, die einen negativen PCR-Test vorweisen können. Ein gewöhnlicher Antigen-Schnelltest reicht nicht aus und ein PCR-Test kostet um die 80 Euro. Da wird sich der Ungeimpfte genau überlegen, ob er ein Museum oder ein Rockkonzert besuchen will.

A pro pos Rockkonzert: am letzten Wochenende hat ein zweifach geimpfter Besucher sich spaßeshalber am Einlass eines Klubs in Sondershausen testen lassen. Das hat er schnell bereut, denn mit seinem positiven Bescheid musste er sofort und ohne Kunstgenuss den Weg in die Quarantäne antreten. Er hätte an dem Abend eine größere Anzahl Gäste anstecken können, ohne es zu wollen oder nur zu merken. Allerdings ist er kein „Fall“, weil er ja symptomlos ist und deshalb als Geimpfter nicht gezählt wird.

Vielleicht sollten doch wieder alle gleich behandelt und getestet werden? Wenn der mRNA-Impfstoff nach lediglich sechs Monaten einen großen Teil seiner Wirksamkeit einbüßt oder bei einer neuen Virusvariante versagt, dann sind die scheinbar gesicherten Geimpften momentan womöglich eine größere Gefahr für die Gesellschaft als die ausgegrenzten Ungeimpften.
Olaf Schulze
Autor: osch

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