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Willkommen an der Zonengrenze

Freitag, 09. November 2001, 09:07 Uhr
Nordhausen/Bad Sooden-Allendorf (nnz). „Halt hier Zonengrenze!“ warnt noch immer ein Schild zwischen Selbstschussanlagen, Metallgitterzäunen und einem Wachturm. Mitten im vereinigten Deutschland scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Ein Verdienst des ehemaligen Chefs der Nordhäuser Polizeidirektion, Wolfgang Ruske. Heute wird der zehnte Geburtstag gefeiert und als Geschenk gibt es wieder einen Hubschrauber.


Schifflersgrund An der hessisch-thüringischen Grenze bei Bad Sooden-Allendorf wurde vor zehn Jahren das erste Grenzmuseum eröffnet. Es dokumentiert Aufbau und Fall der einst fast unüberwindbaren innerdeutschen Grenze. 350 000 Besucher aus dem In- und Ausland besichtigten bislang die teils noch im Originalzustand erhaltenen Grenzanlagen.

„Es kommen jetzt ganz verstärkt Besucher aus der ehemaligen DDR“, berichtet Museumssprecherin Maria Pluntke. Ehemalige Grenzsoldaten brächten ihre Familien mit, um zu zeigen, wo sie ihren Dienst abgeleistet haben. Andere Ostdeutsche führten Gäste auf das Museumsgelände, damit sie sich die Grenzanlagen ansehen könnten. „Man sieht nichts mehr von dem Ganzen, worum habt ihr denn so ein Theater gemacht“, müssten sich manche ehemalige DDR-Bürger nämlich inzwischen anhören. In den ersten Jahren des Grenzmuseums „Schifflersgrund“ kamen vor allem die Westdeutschen. „Die Leute, die in der DDR gelebt hatten, hatten von dieser Materie erst mal die Nase voll.“

Das im ehemaligen Todesstreifen eingerichtete Museum informiert in mehreren Ausstellungsräumen mit Originaldokumenten, Bildern und Karten über die Geschichte der deutschen Teilung und das Leben der Menschen im ehemaligen Grenzgebiet. Grenzsicherungsanlagen sind im Modell nachgebildet. Auf dem Freigelände ist der Grenzzaun auf 1.500 Metern Länge im Originalzustand erhalten. Besichtigt werden können ein Wachturm, Sperrgräben und Sicherheitsstreifen, Fahrzeuge und Hubschrauber. Viele dieser historischen Dokumente hatte der ehemalige Nordthüringer Polizeidirektor Wolfgang Ruske besorgt. Er begleitete federführend jahrelang den Aufbau des Grenzmuseums. Heute steht er dem Arbeitskreis vor. Ein Kreuz erinnert an den Ort, an dem 1982 der 35jährige Heinz-Josef Große bei einem Fluchtversuch von DDR-Grenzsoldaten erschossen wurde. Ruske kann sich erinnern, er wohnt in Bad Sooden-Allendorf, hatte den Todesstreifen so immer vor Augen.

„Es war schlimm, aber es ist vorbei“, sei inzwischen die vorherrschende Einstellung der Besucher, berichtet die Museumssprecherin. Besonders bewegt zeigten sich meist nur noch Anwohner aus den umliegenden Orten, deren Familien mit der Grenzziehung zerschnitten wurden. Touristen aus aller Welt seien nach wie vor verblüfft darüber, wie technisch hochgerüstet die innerdeutsche Grenze gewesen sei. Schulklassen erhalten in dem Museum Anschauungsunterricht aus einer Zeit, die sie nicht mehr erlebt haben.

Das Grenzmuseum «Schifflersgrund» feiert am Freitag im Beisein der Botschafter aus Ungarn und Tschechien seinen zehnten Geburtstag. Das größte Geschenk hat der Bundesgrenzschutz angekündigt: Er will die Ausstellung um einen alten Hubschrauber erweitern, mit dem früher der Grenzstreifen abgeflogen wurde. Infos über das Grenzmuseum gibt es auch im Internet.
Autor: nnz

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