nnz-online
Verbände fordern den Ausstieg

Deutschland soll raus aus dem Gips bis 2045

Donnerstag, 07. Oktober 2021, 10:30 Uhr
Ein Bündnis zivilgesellschaftlichen Organisationen fordert die Bundesregierung auf, bis 2045 aus dem Naturgipsabbau auszusteigen und ab sofort keine Genehmigung neuer Abbauflächen zu erteilen. Die Verbände haben ihre Positionen dazu heute in Berlin vorgestellt...

In einem gemeinsamen Positionspapier sprechen sich die Verbände GRÜNE LIGA, Naturschutzbund (NABU), der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), der Verband deutscher Karst- und Höhlenforscher (VdHK) und die Initiative Architects for Future (A4F) für den Erhalt seltener Naturlandschaften und ein grundsätzliches Umdenken im Baubereich aus. Die Hälfte des Naturgipses in Deutschland wird im Südharz abgebaut. Dies ist eines der artenreichsten Gebiete in Deutschland. Aktuell landet der Großteil der hergestellten Gipsprodukte als Abfall auf Deponien und wird nicht wiederverwendet.

Vierzig Prozent der deutschen CO2-Emissionen entstehen im Bausektor. Trotzdem wird an einem Bauboom mit hochpreisigem Neubau festgehalten, bei dem sich die Wohnfläche pro Kopf weiter erhöht. Nachhaltiges ressourcensparendes Bauen und die Förderung sozial-gerechten Wohnraums müssen zukünftig die Baupolitik bestimmen, damit sich der Rohstoffbedarf insgesamt auf Mengen reduziert, die in der Kreislaufwirtschaft umsetzbar sind, heißt es im gemeinsamen Positionspapier.

„Gips ist ein endlicher Rohstoff, den wir nicht wahllos aus der Natur entnehmen können. Auch in der Gipsindustrie braucht es eine funktionierende Kreislaufwirtschaft, denn Gips lässt sich vergleichsweise einfach recyceln. Alternative Baustoffe wie Lehm oder Holz können vielerorts Gips ersetzen. Die neue Bundesregierung muss ressourcenschonendes Bauen endlich voranbringen.“, sagt Antje von Broock, BUND-Geschäftsführerin.

Die Gipskarstlandschaft im Südharz sei weltweit einmalig und durch die Bewaldung sogar einzigartig. Oberstes Ziel müsse es sein, diesen Biodiversitäts-Hotspot zu erhalten. "Der Wegfall von REA-Gips darf kein Freibrief für die Zerstörung von seltenen oder gar einzigartigen Lebensräumen sein. Ein Umdenken hin zu sinkendem Rohstoffbedarf sowie Investitionen in die Recycling-Infrastruktur im Bauwesen muss endlich stattfinden.“, erklärte Ralf Schulte, Leiter Fachbereich Naturschutzpolitik, NABU Bundesverband.

Man dürfe sich diese Form der Ausbeutung nicht länger leisten. „Einmal abgebaut, ist Gipskarst nicht renaturierbar, Höhlen auch nicht. Was in Jahrmillionen entstanden ist, wird geopfert und damit ober- und unterirdische Schätze. So wird geologisches, biologisches und archäologisches Erbe der Menschheit im Karst unwiederbringlich vernichtet.", meint Bärbel Vogel, Vorsitzende des Verbandes der deutschen Höhlen- und Karstforscher.
Autor: red

Drucken ...
Alle Texte, Bilder und Grafiken dieser Web-Site unterliegen dem Urherberrechtsschutz.
© 2026 nnz-online.de