Glasfaserausbau für die Nordhäuser Innenstadt kommt
Der letzte Meter
Freitag, 01. Oktober 2021, 09:30 Uhr
Ende und Aus für den letzten Meter - die Deutsche Telekom und die Stadt Nordhausen wollen im kommenden Jahr dafür sorgen, dass insgesamt 4.400 Haushalte mit Glasfaseranschlüssen versorgt werden können, die Geschwindigkeiten von bis zu einem Gigabyte pro Sekunde ermöglichen. Der Anschluss soll für die Hauseigentümer kostenlos erfolgen…
Schluss mit Kupfer-Daten - in der Nordhäuser Innenstadt soll im kommenden Jahr Glasfaser auf dem "letztem Meter" verlegt werden (Foto: agl)
Die Pandemie dürfte manchem gezeigt haben, welch ein Segen eine stabile Internetverbindung sein kann. Wenn der Nachwuchs im Distanzunterricht sitzt, gleichzeitig die eigene Videokonferenz läuft und die Nachbarn Filme streamen, kann es schnell eng werden mit der Bandbreite aus dem alten Kupferkabel.
Die Versorgungslage in der Nordhäuser Innenstadt mag nach dem Ausbau der Vektortechnik seit 2014 passabel sein, auf dem Stand des Möglichen ist sie definitiv nicht. Damals hatte man begonnen in der Stadt Glasfaser zu verlegen, aber nur bis zu den Verteilerknoten. Der letzte Meter bis zu den Hausanschlüssen lief weiter über die alten Kupferkabel und dem sind schlicht physische Grenzen gesetzt.
Die Telekom hat seitdem einen Strategiewechsel vorgenommen, erzählte gestern Rainer Frank im Nordhäuser Rathaus. Frank ist für den Infrastrukturvertrieb in Sachsen und Thüringen zuständig und kennt die Schwierigkeiten des Breitbandausbaus. Die Telekom sei dabei, Milliardenbeträge in den Ausbau des Glasfasernetzes zu investieren und zwar in einem Umfang, wie er in der Vergangenheit nicht wirtschaftlich möglich gewesen wäre. Zur Strategie gehört auch, Kommunen den Ausbau der Kapazitäten anzubieten und das kostenlos für die Gemeinde und die Hauseigentümer. Die Stadt Nordhausen hat sich entschieden, nach eingehenden Gesprächen und Abwägungen wie Oberbürgermeister Buchmann betonte, das Angebot anzunehmen.
Der Ausbau wird sich auf die Innenstadt konzentrieren und soll minimal-invasiv vonstatten gehen. Da es dem optischen Signal der Glasfaser egal ist, ob es friert oder nicht, müssen die Kabel nicht so tief verlegt werden wie andere Medien und auch die Schächte und Bohrungen in die Häuser fallen übersichtlich aus. Wir haben uns das in Heiligenstadt angesehen wo vor kurzem Glasfaser verlegt wurde. Unser eigener Tiefbauer konnte nicht sagen wo gegraben wurde und das ist gut, sagte OB Buchmann. Statt 80 cm wird man nur 40 cm in die Tiefe gehen müssen und kann dafür auf moderne Verfahren zurückgreifen, so die Vertreter der Telekom. Gegraben wird allein auf Gehwegen und Nebenstraßen, größere Baustellen stehen also nicht an.
Nordhausen soll "Gigabit-Leuchtturm" werden: v.l. Martin Juckeland vom Amt für Stadtentwicklung, Oberbürgermeister Kai Buchmann, Telekom Regionalleiter Rainer Frank und Regionalmanager Roman Gebhardt (Foto: agl)
Der Startschuss soll im kommenden Frühjahr mit Ende des Winters fallen, geht der November zur Neige, will man fertig sein. Voraussetzung ist, dass Hauseigentümer ihre Einwilligung geben, sonst kann die Telekom nicht tätig werden, da man privaten Grund betreten müsse. Es gibt da viele Missverständnisse. Die einen glauben nicht, dass wir das tatsächlich kostenlos anbieten, anderen denken wir würden riesige Löcher bohren und die Bausubstanz ihrer Häuser schädigen., sagt Frank. Um den Ausbau wirtschaftlich realisieren zu können müsse man einen gewissen Satz an Interessenbekundungen erreichen, 40 Prozent müssten es mindestens sein.
Die Grauen Flecken
Die Wirtschaftlichkeit müsse man als Unternehmen stets im Blick haben, betonte Frank, da man den Ausbau in den Ballungsgebieten der Republik in Eigenleistung und unabhängig von Förderprogrammen des Bundes oder der Länder realisiert. Bei den Grauen Flecken, also den bis dato unterversorgten Bereichen in der Fläche, bei denen ein Anschluss an die Bandbreiten der Moderne nicht wirtschaftlich zu gewährleisten ist, greift die öffentliche Förderung. Die Stadt arbeitet hier mit dem Landkreis zusammen, der sich auch um die Erschließung der Nordhäuser Ortsteile und einigen Randbereichen der Stadt kümmert. Im Landratsamt steht man seit geraumer Zeit in den Startlöchern, wird aber noch durch rechtliche Probleme gebremst. Die Arbeiten für die vier für den Ausbau definierten Gebiete mussten nach Recht und Gesetz ausgeschrieben werden. Einer der unterlegenen Bieter beklagt im Moment noch eine der Entscheidungen und ehe diese juristische Hürde nicht genommen ist, kann man nicht loslegen und die Flecken bleiben grau.
Derlei Sorgen muss man sich in der Kreisstadt nicht machen, Verwaltung und Telekom sind übereingekommen und unterzeichneten gestern eine entsprechende gemeinsame Erklärung.
Der Gigabit-Leuchtturm
Die Verlegung der Kabel geschieht unabhängig vom Produkt und diskriminierungsfrei. Sprich: man muss kein Telekom-Kunde sein, um vom Ausbau zu profitieren. Die Telekom fungiert wie beim althergebrachten Kupfernetz auch als Bauherr und als Vermieter für andere Anbieter. Ebenso muss man nicht zwingend die Gigabyte-Leitung buchen, damit Kabel und Kasten in den eigenen vier Wänden installiert werden. Wem seine aktuelle Anbindung reicht, kann die Geschwindigkeiten beibehalten, sollte in den kommenden Jahren dann doch der Wunsch bestehen, aufzustocken, sind die nötigen Arbeiten schon erledigt. Die Verlegung der Kabel im Haus sind für Telekom-Kunden bis zu 20 Metern kostenlos, wer seinen Zugang über einen anderen Anbieter bezieht, muss sich bei diesem informieren.
In diesem Bereich können nach Einwilligung Glasfaseranschlüsse gelegt werden (Foto: OpenStreetMap, Vincent Eisfeld)
Mit dem Ausbau wolle man die Stadt Zukunftsfest machen, zu einem Gigabit-Leuchtturm, bekräftigen Stadt und Telekom. Einer schnellen Internetleitung käme heute die gleiche Bedeutung zu, wie Strom, Gas und Wasser, erklärte Buchmann. Das gelte nicht nur für die eigenen vier Wände, sondern auch für Schulen und Unternehmen. Für Arbeitsleben und Bildung ist dabei nicht mehr allein die Download-Rate von Bedeutung, auch Dank der pandemischen Popularisierung von Video-Konferenzen, der Upload, also die Sendefähigkeit der Leitung. Die kann bei Glasfaser auf Wunsch sogar synchron verlaufen, wenn Internet-Provider wie die Telekom entsprechende Produkte anbieten. Im Moment sei ein Gigabyte die Obergrenze, mit variablen Down- und Uploadraten, weil der Bedarf noch nicht mehr verlange. Von der technischen Seite könnte die Glasfaser noch mehr leisten, auch Datenraten von 10 Gigabyte seien in Zukunft denkbar, erläuterte Roman Gebhardt, Regionalmanager der Telekom.
Wer wissen will, ob die eigene Adresse im Ausbauplan vorgesehen ist, hat mehrere Möglichkeiten sich zu informieren. Zum einen werden die Pläne in den Telekomshops in der Landgrabenstraße 6 und am Kornmarkt 6 sowie beim Elektronikhändler Herfag ausgehangen. Zum anderen besteht natürlich auch die Möglichkeit, im Netz unter www.telekom.de/glasfaser-nordhausen nachzusehen. Die Erteilung des Auftrages bei Telekom erfolgt ebenfalls online über eine eigene Internetseite. Voraussetzung ist eine funktionierende E-Mail- Adresse, da alle Terminvereinbarungen und Absprachen darüber erfolgen. Bei Aufträgen von Mietern kontaktiert die Telekom daraufhin die Vermieter. Dann wird besprochen, wo die Glasfaser ins Haus kommt und wie sie im Haus verläuft. Weitere Informationen zum Start der Vorregistrierungsphase, folgen im Amtsblatt und in der Presse.
Angelo Glashagel
Autor: red
Schluss mit Kupfer-Daten - in der Nordhäuser Innenstadt soll im kommenden Jahr Glasfaser auf dem "letztem Meter" verlegt werden (Foto: agl)
Die Pandemie dürfte manchem gezeigt haben, welch ein Segen eine stabile Internetverbindung sein kann. Wenn der Nachwuchs im Distanzunterricht sitzt, gleichzeitig die eigene Videokonferenz läuft und die Nachbarn Filme streamen, kann es schnell eng werden mit der Bandbreite aus dem alten Kupferkabel.
Die Versorgungslage in der Nordhäuser Innenstadt mag nach dem Ausbau der Vektortechnik seit 2014 passabel sein, auf dem Stand des Möglichen ist sie definitiv nicht. Damals hatte man begonnen in der Stadt Glasfaser zu verlegen, aber nur bis zu den Verteilerknoten. Der letzte Meter bis zu den Hausanschlüssen lief weiter über die alten Kupferkabel und dem sind schlicht physische Grenzen gesetzt.
Die Telekom hat seitdem einen Strategiewechsel vorgenommen, erzählte gestern Rainer Frank im Nordhäuser Rathaus. Frank ist für den Infrastrukturvertrieb in Sachsen und Thüringen zuständig und kennt die Schwierigkeiten des Breitbandausbaus. Die Telekom sei dabei, Milliardenbeträge in den Ausbau des Glasfasernetzes zu investieren und zwar in einem Umfang, wie er in der Vergangenheit nicht wirtschaftlich möglich gewesen wäre. Zur Strategie gehört auch, Kommunen den Ausbau der Kapazitäten anzubieten und das kostenlos für die Gemeinde und die Hauseigentümer. Die Stadt Nordhausen hat sich entschieden, nach eingehenden Gesprächen und Abwägungen wie Oberbürgermeister Buchmann betonte, das Angebot anzunehmen.
Der Ausbau wird sich auf die Innenstadt konzentrieren und soll minimal-invasiv vonstatten gehen. Da es dem optischen Signal der Glasfaser egal ist, ob es friert oder nicht, müssen die Kabel nicht so tief verlegt werden wie andere Medien und auch die Schächte und Bohrungen in die Häuser fallen übersichtlich aus. Wir haben uns das in Heiligenstadt angesehen wo vor kurzem Glasfaser verlegt wurde. Unser eigener Tiefbauer konnte nicht sagen wo gegraben wurde und das ist gut, sagte OB Buchmann. Statt 80 cm wird man nur 40 cm in die Tiefe gehen müssen und kann dafür auf moderne Verfahren zurückgreifen, so die Vertreter der Telekom. Gegraben wird allein auf Gehwegen und Nebenstraßen, größere Baustellen stehen also nicht an.
Nordhausen soll "Gigabit-Leuchtturm" werden: v.l. Martin Juckeland vom Amt für Stadtentwicklung, Oberbürgermeister Kai Buchmann, Telekom Regionalleiter Rainer Frank und Regionalmanager Roman Gebhardt (Foto: agl)
Der Startschuss soll im kommenden Frühjahr mit Ende des Winters fallen, geht der November zur Neige, will man fertig sein. Voraussetzung ist, dass Hauseigentümer ihre Einwilligung geben, sonst kann die Telekom nicht tätig werden, da man privaten Grund betreten müsse. Es gibt da viele Missverständnisse. Die einen glauben nicht, dass wir das tatsächlich kostenlos anbieten, anderen denken wir würden riesige Löcher bohren und die Bausubstanz ihrer Häuser schädigen., sagt Frank. Um den Ausbau wirtschaftlich realisieren zu können müsse man einen gewissen Satz an Interessenbekundungen erreichen, 40 Prozent müssten es mindestens sein.
Die Grauen Flecken
Die Wirtschaftlichkeit müsse man als Unternehmen stets im Blick haben, betonte Frank, da man den Ausbau in den Ballungsgebieten der Republik in Eigenleistung und unabhängig von Förderprogrammen des Bundes oder der Länder realisiert. Bei den Grauen Flecken, also den bis dato unterversorgten Bereichen in der Fläche, bei denen ein Anschluss an die Bandbreiten der Moderne nicht wirtschaftlich zu gewährleisten ist, greift die öffentliche Förderung. Die Stadt arbeitet hier mit dem Landkreis zusammen, der sich auch um die Erschließung der Nordhäuser Ortsteile und einigen Randbereichen der Stadt kümmert. Im Landratsamt steht man seit geraumer Zeit in den Startlöchern, wird aber noch durch rechtliche Probleme gebremst. Die Arbeiten für die vier für den Ausbau definierten Gebiete mussten nach Recht und Gesetz ausgeschrieben werden. Einer der unterlegenen Bieter beklagt im Moment noch eine der Entscheidungen und ehe diese juristische Hürde nicht genommen ist, kann man nicht loslegen und die Flecken bleiben grau.
Derlei Sorgen muss man sich in der Kreisstadt nicht machen, Verwaltung und Telekom sind übereingekommen und unterzeichneten gestern eine entsprechende gemeinsame Erklärung.
Der Gigabit-Leuchtturm
Die Verlegung der Kabel geschieht unabhängig vom Produkt und diskriminierungsfrei. Sprich: man muss kein Telekom-Kunde sein, um vom Ausbau zu profitieren. Die Telekom fungiert wie beim althergebrachten Kupfernetz auch als Bauherr und als Vermieter für andere Anbieter. Ebenso muss man nicht zwingend die Gigabyte-Leitung buchen, damit Kabel und Kasten in den eigenen vier Wänden installiert werden. Wem seine aktuelle Anbindung reicht, kann die Geschwindigkeiten beibehalten, sollte in den kommenden Jahren dann doch der Wunsch bestehen, aufzustocken, sind die nötigen Arbeiten schon erledigt. Die Verlegung der Kabel im Haus sind für Telekom-Kunden bis zu 20 Metern kostenlos, wer seinen Zugang über einen anderen Anbieter bezieht, muss sich bei diesem informieren.
In diesem Bereich können nach Einwilligung Glasfaseranschlüsse gelegt werden (Foto: OpenStreetMap, Vincent Eisfeld)
Mit dem Ausbau wolle man die Stadt Zukunftsfest machen, zu einem Gigabit-Leuchtturm, bekräftigen Stadt und Telekom. Einer schnellen Internetleitung käme heute die gleiche Bedeutung zu, wie Strom, Gas und Wasser, erklärte Buchmann. Das gelte nicht nur für die eigenen vier Wände, sondern auch für Schulen und Unternehmen. Für Arbeitsleben und Bildung ist dabei nicht mehr allein die Download-Rate von Bedeutung, auch Dank der pandemischen Popularisierung von Video-Konferenzen, der Upload, also die Sendefähigkeit der Leitung. Die kann bei Glasfaser auf Wunsch sogar synchron verlaufen, wenn Internet-Provider wie die Telekom entsprechende Produkte anbieten. Im Moment sei ein Gigabyte die Obergrenze, mit variablen Down- und Uploadraten, weil der Bedarf noch nicht mehr verlange. Von der technischen Seite könnte die Glasfaser noch mehr leisten, auch Datenraten von 10 Gigabyte seien in Zukunft denkbar, erläuterte Roman Gebhardt, Regionalmanager der Telekom.
Wer wissen will, ob die eigene Adresse im Ausbauplan vorgesehen ist, hat mehrere Möglichkeiten sich zu informieren. Zum einen werden die Pläne in den Telekomshops in der Landgrabenstraße 6 und am Kornmarkt 6 sowie beim Elektronikhändler Herfag ausgehangen. Zum anderen besteht natürlich auch die Möglichkeit, im Netz unter www.telekom.de/glasfaser-nordhausen nachzusehen. Die Erteilung des Auftrages bei Telekom erfolgt ebenfalls online über eine eigene Internetseite. Voraussetzung ist eine funktionierende E-Mail- Adresse, da alle Terminvereinbarungen und Absprachen darüber erfolgen. Bei Aufträgen von Mietern kontaktiert die Telekom daraufhin die Vermieter. Dann wird besprochen, wo die Glasfaser ins Haus kommt und wie sie im Haus verläuft. Weitere Informationen zum Start der Vorregistrierungsphase, folgen im Amtsblatt und in der Presse.
Angelo Glashagel
