Kaltes Wärmenetz entsteht in Werther
Neue Wärme braucht das Land
Donnerstag, 30. September 2021, 13:00 Uhr
Warm im Winter, kalt im Sommer und das ohne fossile Brennstoffe. Im neuen Wohngebiet Lehmkuhle in Werther soll das per Erdwärme möglich gemacht werden. Die erste Hürde des Pilot-Projektes hat man jetzt genommen…
Wie sie sehen, sehen sie (fast) nichts: an der "Lehmkuhle" in Werther soll in Zukunft mit Geothermie geheizt werden (Foto: agl)
Wenn die Bewohner der Lehmkuhle im Winter ihre Heizungen aufdrehen, müssen sie sich keine Gedanken machen ob Putin mit dem Gashebel Politik macht, das Haus Saud frisches Geld braucht oder die Kohle knapp wird. Denn in dem neuen Wohngebiet in Werther wird man zum heizen keinen fossilen Brennstoff benötigen. Stattdessen wird man über ein kaltes Wärmenetz versorgt, das Erdwärme aus niedriger Tiefe nutzt um über eine Wärmepumpe die gewünschten Temperaturen zu erzeugen.
So soll es einmal, in nicht allzu ferner Zukunft werden, aber noch bestimmen die Bagger das Bild zwischen den zwei Werthers. Die Firma Waresa ist dabei, dass Gelände für die 33 Neubauten zu erschließen, ein Grundstein wurde hier noch nicht gelegt. Der zweite und außergewöhnliche Teil des Bauvorhabens hat die größten Hürden derweil schon genommen - in der vergangenen Woche wurden die Arbeiten am Kollektorfeld abgeschlossen, lediglich die Steuerungstechnik muss noch errichtet werden.
Außer einer Brachfläche, zwei Baggern in der Ferne und einigen Rohren, die aus dem Boden ragen ist von dem ambitionierten Pilotprojekt nicht mehr viel zu sehen denn der Prozess der Wärmegewinnung soll ja größtenteils unter der Krume stattfinden. Rund zehn Kilometer Wärmeleitungen wurden in 1,4 Metern Tiefe versenkt und werden zum Start mit einem Glucose-Wassergemisch gefüllt. Die Flüssigkeit nimmt die relativ konstant bleibende Wärme des umgebenden Erdreiches von acht bis zehn Grad an und wird zum Wohngebiet geführt wo Wärmepumpen in den Häusern das Gemisch nutzen um die gewünschten Temperaturen zu erzeugen. Die Glucose wird zugesetzt, damit das Wasser auch in einem harten Winter nicht einfriert.
Das Prinzip an sich ist nicht revolutionär, im Grunde funktioniert ein Kühlschrank ganz ähnlich nur eben in der umgekehrten Richtung, erklärt Tim Hörth vom Thüringer Wärme Service (TWS), einer Tochterfirma der Thüringer Energie AG. Im einem Maßstab, wie man ihn jetzt in Werther umsetzt, hat man die Technik in Thüringen aber noch nicht angewandt, der Versuch ist bisher einzigartig. Entsprechend konservativ hat man gebaut, alles ist etwas umfangreicher ausgefallen als nötig. Für die TWS ist die Lehmkuhle auch ein Beobachtunsobjekt an dem man Erfahrungen sammeln kann. Hörth versichert, dass der Wärmetausch in jedem Fall funktionieren wird, die Kapazitäten des Systems reichen für mehr Gebäude als die geplanten Häuser. Für die Fachleute gehe es darum zu sehen, wie effizient die oberflächennahe Erdwärme in der Praxis arbeitet. Könnten etwa die Rohre und damit die Durchflussmenge eine Nummer kleiner geplant werden, würden zukünftige Projekte kostengünstiger. Die nötigen Daten wird man vor Ort im Detail sammeln.
v.l.: Tim Hörth und und Hans-Jürgen Weidt auf dem Kollektorfeld in Werther (Foto: agl)
Mit im Boot sitzt auch die Energiegenossenschaft Helmetal, die das Pilotprojekt angestoßen hat. Die Energiewende ist vor allem auch eine Wärmewende, meint Hans-Jürgen Weidt. Mit der Geothermie habe die Genossenschaft nun in den drei wichtigsten Bereichen der erneuerbaren Energie den sprichwörtlichen Fuß in der Tür. Ich habe schon vor zwei, drei Jahren argumentiert, das die Unabhängigkeit von fossilen Brennstoffen immer wichtiger wird. Da lagen die Erdgaspreise noch im Keller und keiner wollte so recht zuhören. Aber es war klar, dass das nicht auf ewig so bleiben würde, erzählt Weidt. In der Lehmkuhle wird man unabhängig vom volatilen Weltmarkt heizen können und sollten die Anwohner Mitglied der Genossenschaft werden, würden sich auch Teilhaber am eigenen Wärmenetz und könnten über den Preis mitbestimmen. Wird die Erdwärme mit einer PV-Anlage und einem Batteriespeicher kombiniert, könne man den Bedarf eines Hauses im Jahresmittel zu 70 Prozent decken.
Ein Allheilmittel für die deutschen Energiesorgen ist die Geothermie allerdings nicht. Zwar lasse sich das Prinzip gut skalieren, führt Techniker Hörth aus, sei aber vor allem für Quartierskonzepte, sprich Neubauten geeignet, da die Häuser bestimmte Vorraussetzungen mit sich bringen müssen. Zudem sind die Parameter, wann und wo die Erdwärme effektiv genutzt werden kann unterschiedlich. Dafür hat das System keinen großen Wartungsaufwand und arbeitet für die Umwelt minimalinvasiv ganzjährig im Stillen, unabhängig von Wind und Wetter. Möglich gemacht habe das der technische Fortschritt in Sachen Wärmepumpen. Aufgabe müsse es nun sein, die Methode wirtschaftlich umzusetzen, erklärte Weidt, denn bisher geht das nur mit Fördermitteln die im Moment, für die Projektpartner wie auch die Häuslebauer, aus Richtung Freistaat reichlich fließen.
Angelo Glashagel
Autor: red
Wie sie sehen, sehen sie (fast) nichts: an der "Lehmkuhle" in Werther soll in Zukunft mit Geothermie geheizt werden (Foto: agl)
Wenn die Bewohner der Lehmkuhle im Winter ihre Heizungen aufdrehen, müssen sie sich keine Gedanken machen ob Putin mit dem Gashebel Politik macht, das Haus Saud frisches Geld braucht oder die Kohle knapp wird. Denn in dem neuen Wohngebiet in Werther wird man zum heizen keinen fossilen Brennstoff benötigen. Stattdessen wird man über ein kaltes Wärmenetz versorgt, das Erdwärme aus niedriger Tiefe nutzt um über eine Wärmepumpe die gewünschten Temperaturen zu erzeugen.
So soll es einmal, in nicht allzu ferner Zukunft werden, aber noch bestimmen die Bagger das Bild zwischen den zwei Werthers. Die Firma Waresa ist dabei, dass Gelände für die 33 Neubauten zu erschließen, ein Grundstein wurde hier noch nicht gelegt. Der zweite und außergewöhnliche Teil des Bauvorhabens hat die größten Hürden derweil schon genommen - in der vergangenen Woche wurden die Arbeiten am Kollektorfeld abgeschlossen, lediglich die Steuerungstechnik muss noch errichtet werden.
Außer einer Brachfläche, zwei Baggern in der Ferne und einigen Rohren, die aus dem Boden ragen ist von dem ambitionierten Pilotprojekt nicht mehr viel zu sehen denn der Prozess der Wärmegewinnung soll ja größtenteils unter der Krume stattfinden. Rund zehn Kilometer Wärmeleitungen wurden in 1,4 Metern Tiefe versenkt und werden zum Start mit einem Glucose-Wassergemisch gefüllt. Die Flüssigkeit nimmt die relativ konstant bleibende Wärme des umgebenden Erdreiches von acht bis zehn Grad an und wird zum Wohngebiet geführt wo Wärmepumpen in den Häusern das Gemisch nutzen um die gewünschten Temperaturen zu erzeugen. Die Glucose wird zugesetzt, damit das Wasser auch in einem harten Winter nicht einfriert.
Das Prinzip an sich ist nicht revolutionär, im Grunde funktioniert ein Kühlschrank ganz ähnlich nur eben in der umgekehrten Richtung, erklärt Tim Hörth vom Thüringer Wärme Service (TWS), einer Tochterfirma der Thüringer Energie AG. Im einem Maßstab, wie man ihn jetzt in Werther umsetzt, hat man die Technik in Thüringen aber noch nicht angewandt, der Versuch ist bisher einzigartig. Entsprechend konservativ hat man gebaut, alles ist etwas umfangreicher ausgefallen als nötig. Für die TWS ist die Lehmkuhle auch ein Beobachtunsobjekt an dem man Erfahrungen sammeln kann. Hörth versichert, dass der Wärmetausch in jedem Fall funktionieren wird, die Kapazitäten des Systems reichen für mehr Gebäude als die geplanten Häuser. Für die Fachleute gehe es darum zu sehen, wie effizient die oberflächennahe Erdwärme in der Praxis arbeitet. Könnten etwa die Rohre und damit die Durchflussmenge eine Nummer kleiner geplant werden, würden zukünftige Projekte kostengünstiger. Die nötigen Daten wird man vor Ort im Detail sammeln.
v.l.: Tim Hörth und und Hans-Jürgen Weidt auf dem Kollektorfeld in Werther (Foto: agl)
Mit im Boot sitzt auch die Energiegenossenschaft Helmetal, die das Pilotprojekt angestoßen hat. Die Energiewende ist vor allem auch eine Wärmewende, meint Hans-Jürgen Weidt. Mit der Geothermie habe die Genossenschaft nun in den drei wichtigsten Bereichen der erneuerbaren Energie den sprichwörtlichen Fuß in der Tür. Ich habe schon vor zwei, drei Jahren argumentiert, das die Unabhängigkeit von fossilen Brennstoffen immer wichtiger wird. Da lagen die Erdgaspreise noch im Keller und keiner wollte so recht zuhören. Aber es war klar, dass das nicht auf ewig so bleiben würde, erzählt Weidt. In der Lehmkuhle wird man unabhängig vom volatilen Weltmarkt heizen können und sollten die Anwohner Mitglied der Genossenschaft werden, würden sich auch Teilhaber am eigenen Wärmenetz und könnten über den Preis mitbestimmen. Wird die Erdwärme mit einer PV-Anlage und einem Batteriespeicher kombiniert, könne man den Bedarf eines Hauses im Jahresmittel zu 70 Prozent decken.
Ein Allheilmittel für die deutschen Energiesorgen ist die Geothermie allerdings nicht. Zwar lasse sich das Prinzip gut skalieren, führt Techniker Hörth aus, sei aber vor allem für Quartierskonzepte, sprich Neubauten geeignet, da die Häuser bestimmte Vorraussetzungen mit sich bringen müssen. Zudem sind die Parameter, wann und wo die Erdwärme effektiv genutzt werden kann unterschiedlich. Dafür hat das System keinen großen Wartungsaufwand und arbeitet für die Umwelt minimalinvasiv ganzjährig im Stillen, unabhängig von Wind und Wetter. Möglich gemacht habe das der technische Fortschritt in Sachen Wärmepumpen. Aufgabe müsse es nun sein, die Methode wirtschaftlich umzusetzen, erklärte Weidt, denn bisher geht das nur mit Fördermitteln die im Moment, für die Projektpartner wie auch die Häuslebauer, aus Richtung Freistaat reichlich fließen.
Angelo Glashagel
