nnz-Betrachtung: Abgang
Montag, 17. Oktober 2005, 08:29 Uhr
Nordhausen (nnz). Das Firmenimperium des Otto Brandt wird in den kommenden Monaten von der unternehmerischen Bildfläche verschwinden. Auch der Name Otto Brandt. Was aus seinem Firmennachlass wird – dazu eine unvollständige Betrachtung.
Er galt seit seiner Rückkehr Mitte der 90er Jahre als Guru in Nordhausen. Er wollte die Welt retten, der Otto Brandt. Dabei wusste damals niemand so recht, wie diese Rettung denn aussehen sollte oder könnte? Otto Brandt baute sich ein Imperium auf, über das er regieren konnte. War das sein Traum? Er war Gesellschafter, er hatte das Sagen. Nicht so wie bei der Umformtechnik in Erfurt.
Otto Brandt hatte Kontakte, feinste Kontakte. Zum Beispiel ins Thüringer Wirtschaftsministerium. Die Ebene, in der Otto Brandt am liebsten spielte, das waren nicht nur die Minister- oder Staatssekretäretagen. Das waren die Referate. Dort kannte er sich nicht nur bestens aus, er kannte auch die Leiter. Und sie kannten ihn.
Als erstes rettete der vermeintliche Guru die damals ins Gerede gekommene Pro Innovatio. Otto Brandt nannte sie IMG. Sie blieb gemeinnützig, sie verschlang in den nächsten zehn Jahren wieder Fördermittel. Wenn die Ströme mal kurzzeitig versiegten, dann ging Otto Brandt auf die Tippel-Tappel-Tour. Das klappte auch immer wieder, solange niemand in Erfurt, Bonn oder Berlin selbst über die Knappheit der Gelder nachdenken musste.
Otto Brandt wollte aber nicht nur gemeinnützig bleiben. Igeno in mehreren Varianten kam hinzu, auch die angeschlagene VWM musste mit ins Portfolio. Nur so war man richtig aufgestellt. Der letzt Coup sollte der Kauf der Reemtsma-Immobilie sein. Doch dazu kam es nicht mehr. Fördermittel blieben ebenso aus, wie die Aufträge. So muß man den Deal mit den Kasachen wohl als die Rettungsleine betrachten – für Igeno, aber auch für IMG. Längst wurde schon das wenige Geld hin- und hergeschoben. Mal wurden dort Gehaltsabschläge gezahlt, mal hier. Das Imperium verkam zum Kartenhaus, dass mit Kasachstan einstürzte.
Aus dem Guru, der im Landkreis Nordhausen mehr als 250 Menschen Arbeit verschaffte, wurde ein Versager, der genau diese Menschen und ihre Familien mit ausbleibenden Gehaltszahlungen ins Elend stürzte. Und wie das so ist: Diejenigen, die sich mit Otto Brandt schmückten, die bewundernd seinen langen Diskussionsbeiträgen zuhörten, die wenden sich ab. Jetzt haben sie alles besser gewusst. Wie immer.
Mit Otto Brandt ist es ein wenig so wie mit Heike Drechsler. Die Sportlerin wusste nicht, wann sie aufhören sollte. Abgang nach dem Höhepunkt – das war die verpasste Chance bei Drechsler. Statt als Siegerin abzutreten, hoppste die Jenenserin nach ihrem Olympiasieg 2000 erfolglos in die Sandgruben diverser Stadien. Otto Brand hätte mit dem Combino-Auftritt in Nordhausen abtreten müssen. Diesen Absprung verpasste er. Was jetzt von dem Mann bleibt, das wird nicht weiter erwähnenswert sein.
Viel wichtiger ist, dass es eine Zukunft für die insolventen Unternehmungen des Otto Brandt gibt. Noch wichtiger ist, dass möglichst viele Arbeitsplätze in der Region erhalten bleiben. Und da ist es dann eigentlich schon unwichtig, wo das dafür notwendige Kapital herkommt: Ob aus Deutschland oder aus dem Rest dieser Welt – es muß sich nur hier vermehren.
Peter-Stefan Greiner
Autor: nnzEr galt seit seiner Rückkehr Mitte der 90er Jahre als Guru in Nordhausen. Er wollte die Welt retten, der Otto Brandt. Dabei wusste damals niemand so recht, wie diese Rettung denn aussehen sollte oder könnte? Otto Brandt baute sich ein Imperium auf, über das er regieren konnte. War das sein Traum? Er war Gesellschafter, er hatte das Sagen. Nicht so wie bei der Umformtechnik in Erfurt.
Otto Brandt hatte Kontakte, feinste Kontakte. Zum Beispiel ins Thüringer Wirtschaftsministerium. Die Ebene, in der Otto Brandt am liebsten spielte, das waren nicht nur die Minister- oder Staatssekretäretagen. Das waren die Referate. Dort kannte er sich nicht nur bestens aus, er kannte auch die Leiter. Und sie kannten ihn.
Als erstes rettete der vermeintliche Guru die damals ins Gerede gekommene Pro Innovatio. Otto Brandt nannte sie IMG. Sie blieb gemeinnützig, sie verschlang in den nächsten zehn Jahren wieder Fördermittel. Wenn die Ströme mal kurzzeitig versiegten, dann ging Otto Brandt auf die Tippel-Tappel-Tour. Das klappte auch immer wieder, solange niemand in Erfurt, Bonn oder Berlin selbst über die Knappheit der Gelder nachdenken musste.
Otto Brandt wollte aber nicht nur gemeinnützig bleiben. Igeno in mehreren Varianten kam hinzu, auch die angeschlagene VWM musste mit ins Portfolio. Nur so war man richtig aufgestellt. Der letzt Coup sollte der Kauf der Reemtsma-Immobilie sein. Doch dazu kam es nicht mehr. Fördermittel blieben ebenso aus, wie die Aufträge. So muß man den Deal mit den Kasachen wohl als die Rettungsleine betrachten – für Igeno, aber auch für IMG. Längst wurde schon das wenige Geld hin- und hergeschoben. Mal wurden dort Gehaltsabschläge gezahlt, mal hier. Das Imperium verkam zum Kartenhaus, dass mit Kasachstan einstürzte.
Aus dem Guru, der im Landkreis Nordhausen mehr als 250 Menschen Arbeit verschaffte, wurde ein Versager, der genau diese Menschen und ihre Familien mit ausbleibenden Gehaltszahlungen ins Elend stürzte. Und wie das so ist: Diejenigen, die sich mit Otto Brandt schmückten, die bewundernd seinen langen Diskussionsbeiträgen zuhörten, die wenden sich ab. Jetzt haben sie alles besser gewusst. Wie immer.
Mit Otto Brandt ist es ein wenig so wie mit Heike Drechsler. Die Sportlerin wusste nicht, wann sie aufhören sollte. Abgang nach dem Höhepunkt – das war die verpasste Chance bei Drechsler. Statt als Siegerin abzutreten, hoppste die Jenenserin nach ihrem Olympiasieg 2000 erfolglos in die Sandgruben diverser Stadien. Otto Brand hätte mit dem Combino-Auftritt in Nordhausen abtreten müssen. Diesen Absprung verpasste er. Was jetzt von dem Mann bleibt, das wird nicht weiter erwähnenswert sein.
Viel wichtiger ist, dass es eine Zukunft für die insolventen Unternehmungen des Otto Brandt gibt. Noch wichtiger ist, dass möglichst viele Arbeitsplätze in der Region erhalten bleiben. Und da ist es dann eigentlich schon unwichtig, wo das dafür notwendige Kapital herkommt: Ob aus Deutschland oder aus dem Rest dieser Welt – es muß sich nur hier vermehren.
Peter-Stefan Greiner
