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Reden im Siechenhof

Dienstag, 11. Oktober 2005, 08:51 Uhr
Nordhausen (nnz). Das ehemalige Hospital für Aussätzige und ansteckend Kranke lag vor den Toren der Stadt und wurde zusammen mit der Cyriaci - Kapelle um 1284 fertiggestellt. Heute wird dort (nachdenklich) gefeiert.


Das Nordhäuser Original, der Prof. Zwanziger, lebte im ehemaligen Nordhäuser Siechenhof von 1907 bis zu seinem Tod 1919. Bis 1991 war das Gebäude Altenheim, dann zog die jüngere Generation ein. In der Cyriaki-Kapelle wird am Abend gleich zweimal gefeiert. Zum einem begeht die Kreismusikschule Nordhausen den 15. Jahrestag ihrer Eigenständigkeit in der Trägerschaft des Landkreises, zum anderen sind es (fast) auf den Tag genau zehn Jahre, da das rekonstruierte Gebäude bezogen werden konnte.

Die Geschichte
Der Nordhäuser Musiklehrer und Musikkritiker Otto Schelz wurde 1958 der erste Direktor der Volksmusikschule, die als Abteilung der Bezirksvolkskunstschule Sondershausen ihre Unterrichtstätigkeit aufnahm. In den Anfangsjahren wurden in einer Fachgrundschule für Musik in Sonderhausen Instrumentalschüler (Abgänger der 8. Klasse) intensiv auf ein Musikstudium vorbereitet. Nach der Einführung der 10-klassigen Oberschulen 1958 wurden diese Schulen aufgelöst, und es erfolgte die schrittweise Umgruppierung der Schüler- und Lehrerkapazität zur Hauptstelle Sondershausen.

Die Außenstelle
In Nordhausen begann 1957 Dieter Schwarz mit dem Aufbau der Außenstelle Nordhausen. Für kurze Zeit erhielten die ersten Musikschüler ihre Ausbildung nachmittags in fünf Räumen der Wiedigsburg-Schule. Mühsam war das Beschaffen geeigneter Instrumente durch Lehrer und Eltern. Bald zog die Außenstelle in die Ingenieurschule für Landtechnik um. Zwar waren die Räume hell und modern, doch leider lag die Schule nun am Stadtrand, und viele Eltern hatten Angst, ihre Kinder durch die öden, menschenleeren Trümmergebiete gehen zu lassen. Meist wurden sie von ihren Eltern zum Musizieren gebracht und auch wieder abgeholt. 1962 wurde Christa Pohl die Leitung der Außenstelle Nordhausen übertragen.

Der Umzug
Die Nachfrage nach einer instrumentalen Ausbildung wurde so groß, dass Wartelisten für einen Unterrichtsplatz eingeführt werden mussten. Mit viel Aufwand und Energie suchte die Leiterin der Außenstelle geeignete Unterrichtsräume in der Stadtmitte. Als 1969 die evangelische Schwesternstation in der Dr. Külz-Straße dezentralisiert wurde, konnten diese Räume bezogen werden. Die Musikschule Sondershausen war eine kleine Schule und nicht in der Lage, alle Möglichkeiten, die sich in der Außenstelle boten, finanziell zu fördern. So suchte die Leiterin immer wieder Unterstützung bei den hiesigen Stellen. Laut Gesetz durften Fördermittel vom Rat der Stadt und vom Rat des Kreises nur an kreiseigene Einrichtungen vergeben werden. Die konsequenten Bemühungen hatten Erfolg: Das Pionierhaus und Kreiskulturhaus erhielten Mittel zum Kauf von Noten und Instrumenten, die der Außenstelle zur Nutzung überlassen wurden.

Die Umgestaltung
Daraus ergaben sich einschneidende Strukturveränderungen. Im Zuge einer Zentralisierung wurde Bleicherode Stützpunkt, und Nordhausen erhielt eine Kapazitätserweiterung auf 95 Schüler. Die Musikschulen hatten nun die Aufgabe, den Nachwuchs für die Orchester, Musiklehrer, Tänzer und Sänger vorzubilden. Für die Lehrer bedeutete dies eine Neuorientierung in der Auswahl der Schüler und in den Ausbildungsinhalten. Die hohen Lehrplanziele machten es erforderlich, schon Vorschulkinder für das Erlernen eines Orchesterinstrumentes zu interessieren und frühzeitig mit der musikalischen Ausbildung zu beginnen.

Die Gründung
Auf Beschluss der letzten Direktorentagung vor der Wende vereinten sich 1989 die beiden Stätten der Instrumentalausbildung - das Musikunterrichtskabinett unter den Leiterinnen Gertrude Mönch/Christa See, das seit 1983 eine große Schülerzahl vorwiegend auf Volksinstrumenten ausbildete und die Außenstelle der Musikschule Sondershausen zur Kreismusikschule Nordhausen.

1990 wurde Wilfried Höflich zum Direktor der Musikschule berufen, und als seine Stellvertreterin war die bisherige Außenstellenleiterin Christa Pohl tätig. Mit Ende des Schuljahres 1990/91 schieden die letzten Sondershäuser Kollegen aus dem Lehrkörper aus und auch in der Schulleitung gab es eine Veränderung; Roswitha Will löste Christa Pohl als stellvertretende Direktorin ab. Von Januar bis Mai 1993 übernahm Roswitha Will nach dem Ausscheiden von Wilfried Höflich übergangsweise die Leitung der Musikschule, bis am 1.Juni 1993 Christine Eberlein-Mollov als Musikschuldirektorin eingesetzt wurde. Die Stelle des stellvertretenden Direktors wurde mit Beginn des Schuljahres 1993/94 an Holger Niebhagen übertragen.

Der zweite Umzug
Am 11. Oktober 1995 bekam die Musikschule ihr neues Domizil im ehemaligen Siechenhof, Freiherr-vom-Stein-Str. 1. Dadurch haben sich die Unterrichtsbedingungen wesentlich verbessert. Im Laufe des Jahres 1997 wurde die Cyriaci-Kapelle, der Konzertsaal, grundhaft saniert und am 5. September 1997 durch Landrat Claus feierlich eröffnet. Im September 1998 wurden die Bauarbeiten im Eingangsbereich der Cyriaci-Kapelle, Treppenaufgang und Anbau fortgesetzt. Ab Februar 1999 konnte der untere Saal der Cyriaci-Kapelle wieder für Vorspiele und Unterricht genutzt werden.

Im Februar 2002 kündigte die Direktorin Christine Eberlein-Mollov aus persönlichen Gründen ihren Vertrag. Die Musikschulleitung wurde durch Landrat Joachim Claus kommissarisch an den stellvertretenden Direktor Holger Niebhagen übertragen. Im November 2002 wurde Holger Niebhagen in feierlichem Rahmen zum Direktor der Kreismusikschule Nordhausen ernannt. Dem Kollegium gehören inzwischen 12 haupt- und 26 nebenamtliche Lehrkräfte an, die in der Musikschule Nordhausen sowie den heute bestehenden Außenstellen Bleicherode und Ellrich unterrichten.

All diese Daten werden in den drei Festreden zur Festveranstaltung wohl noch einmal durch den Kapellenraum schwirren. Aber bei der Vergangenheit stehen bleiben, damit werden die Reden nicht ausklingen. Vor allem der Vorsitzende des Fördervereins, Thomas Kohl, wird in seinen Worten auf die weitere Unterstützung der Bildungseinrichtung eingehen. Der rührige Verein kümmert sich seit Jahren um Sponsorengelder. Die werden in der kommenden Zeit auch bitter nötig sein. Bei aller politischen Anstrengung im Landkreis, die Finanzierung einer solchen Einrichtung wird von Jahr zu Jahr schwerer.

Und so passen die am Abend erklingenden Musikstücke irgendwie zur gegenwärtigen und vielleicht auch zur künftigen Situation. Ausgewählt wurden sie aus Mendelssohn Bartholdys „Ein Sommernachtstraum“.
Autor: nnz

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