Mit den Corona-Infektionszahlen steigt die Aufregung im Land
Wie viel G brauchen wir zukünftig fürs normale Leben?
Freitag, 27. August 2021, 20:35 Uhr
In seiner heutigen nnz-Betrachtung widmet sich Olaf Schulze den wieder steigenden Corona-Infektionszahlen bei gleichzeitig erhöhtem Druck auf die immer noch Ungeimpften und der zunehmenden Aufgeregtheit einer ratlosen Gesellschaft, die in eine ungewisse Zukunft blickt …
Das wird ein heißer Herbst. Nicht nur der Ausgang der Bundestagswahl ist so offen, wie selten zuvor; auch die Entwicklung der Corona-Krise scheint völlig unvorhersehbar. Während in Thüringen so gut wie keine neuen Infektionen registriert werden, nähern sich Großstädte wir Hamburg schon wieder der 100er Marke an und landesweit liegt der Wert schon wieder um die 70. Die vierte Welle mit der Delta-Variante rollt scheinbar unaufhaltsam an.
Angesichts der immer deutlicher zutage tretenden Tatsache, dass sich die bereits Geimpften nicht nur wieder anstecken, sondern auch selbst weiter Überträger der Krankheit sein können, werden die Rufe nach drastischen Einschränkungen für alle Ungeimpften, einschließlich der Kinder, immer lauter. Erst vor kurzem rückte die Ständige Impfkommission von ihrer lange aufrecht erhaltenen Skepsis gegen eine Impfung für Kinder ab und empfiehlt sie nun für 12 - 16jährige Jugendliche.
Inzwischen wird schon von den ersten Mobbingfällen an Schulen in Nordrhein-Westfalen gegen umgeimpfte Kinder berichtet. Dem will Thüringens Bildungsminister Holter offensichtlich aus dem Wege gehen, weshalb er heute vorschlug, im beginnenden neuen Schuljahr umgeimpfte und ungetestete Kinder in den Schulen zu separieren in eigene Lerngruppen. Wie die Schulen das bewerkstelligen sollen wird er noch erklären müssen.
Die Ende September scheidende Bundeskanzlerin Angela Merkel wird hingegen langsam ungeduldig und will die dringende Bitte an ihre Untertanen, sich impfen zu lassen, nun nicht mehr mit dem Zuckerbrot, sondern eher mit der Peitsche durchsetzen. Anders ist ihr heutiger Vorschlag nicht zu verstehen, dass in den Zügen der Deutschen Bahn nur noch Geimpfte, Genesene und Getestete transportiert werden sollen. Diese Art Druck auf Impfunwillige wird dann aber sogar der loyalen Polizei und dem Bahnpersonal zu viel, die unisono bei Frau Merkel nachfragten, wer das Bitteschön bei Millionen Bahnpendlern täglich kontrollieren soll.
In Hamburg geht der regierende Bürgermeister Dr. Peter Tschentscher subtiler vor: er überläßt ab morgen die Kontrollen den Veranstaltern von Aktivitäten in Innenräumen. Das heißt dann 2-G-Regelung, weil in dieser speziellen Ausformung der Bestimmungen und Regelungen zur Eindämmerung etc… gibt die Staatsmacht den Anreiz, der veranstaltende Unternehmer könne auf jegliche Einschränkung in seinem Etablissement verzichten, wenn er lediglich Geimpften und Genesenen Zutritt gewährt. In der Hansestadt wird das Modell heiß diskutiert und von den meisten Unternehmern (bis jetzt) abgelehnt. Aber es werden auch schon Kneiper zitiert, die diesen generellen Ausschluss Ungeimpfter begrüßen. Ein gewisser Stephan Fehrenbach beispielsweise diktierte der Webseite von T-Online in den Block: Wer sich gegen die Impfung entscheidet, entscheidet sich damit auch gegen die Teilnahme an unserer Gesellschaft. Wenn ich keinen Führerschein mache, muss ich mich auch nicht wundern, wenn ich nicht Autofahren darf.
Dieser Meinung ist auch der Präsident des Bundesverbandes der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft, Jens Michow. Wir hoffen, dass das Hamburger 2G-Modell eine Blaupause für alle anderen Bundesländer ist, sagte er.
Die bundesdeutsche Inzidenzzahl, die klugerweise im Herbst nicht mehr als alleiniges Kriterium der Lagebeschreibung dienen wird, lag übrigens am 23. August des Vorjahres für die Bundesrepublik bei 10,3. Damals gab es noch keine Impfungen. Genau ein Jahr später lag die Inzidenz am 23. August bei 56,4. Inzwischen sind laut veröffentlichten Statistiken 63,8% der deutschen Bevölkerung geimpft.
Jetzt könnte an dieser Stelle eingewendet werden, dass es damals noch nicht die hoch ansteckende Delta-Variante des Virus gab. Das ist natürlich richtig, aber genau so richtig ist auch, dass die Impfstoffe die Delta-Variante nicht voraussehen konnten und weniger Schutz dagegen bieten werden als von Impfstoffherstellern und Politikern erwünscht.
Die Aufrufe zur dritten Impfung erfolgen deshalb inzwischen auch schon für die vunerablen Mitglieder unserer Gesellschaft. Hätte vor einem Jahr jemand gesagt, es würde einst eine dritte Impfung zur selben Corona-Krankheit geben, wäre derjenige hohnlachend mit einem Aluhut beschenkt worden.
Es bleibt ein spannender und völlig offener Feldversuch, in dem sich die ganze Welt befindet. Die Argumente der Impfbefürworter und ihrer Gegner werden weiter unversöhnlich aufeinanderprallen. Und selbst wenn sich das Virus irgendwann verabschiedet bzw. seine Omega-Variante so harmlos ist, dass niemand mehr darüber sprechen möchte, wird keine Seite Fehleinschätzungen eingestehen.
Immerhin könnten die Inzidenzzahlen mit der Durchsetzung von 2G und der Bezahlung von Tests ab Oktober zurückgehen. Aus Überzeugung Ungeimpfte werden sich weder testen lassen noch am gesellschaftlichen Leben teilhaben, was die neuen Fälle per PCR-Tests stark eindämmen dürfte.
Erst ein querschnittsmäßiger Antikörpertest der Bevölkerungen verschiedenster Länder würde Auskunft darüber geben können, in wie weit die bisher nicht vom Virus betroffenen Erdenbürger gefährdet sind. Warum es solche Tests bisher nicht gab, ist auch eine interessante Frage, deren Beantwortung sich die Politik bisher verweigert.
Bis dahin gilt aber wohl weiter, was der schon im vergangenen Frühjahr mit seinen Testreihen bekannt gewordene Virologe Hendrik Streeck heute wieder bekräftigte: Die häufigsten Ansteckungen passieren immer noch im privaten Haushalt – trotz Impfung und Genesenen-Status.
Olaf Schulze
Autor: oschDas wird ein heißer Herbst. Nicht nur der Ausgang der Bundestagswahl ist so offen, wie selten zuvor; auch die Entwicklung der Corona-Krise scheint völlig unvorhersehbar. Während in Thüringen so gut wie keine neuen Infektionen registriert werden, nähern sich Großstädte wir Hamburg schon wieder der 100er Marke an und landesweit liegt der Wert schon wieder um die 70. Die vierte Welle mit der Delta-Variante rollt scheinbar unaufhaltsam an.
Angesichts der immer deutlicher zutage tretenden Tatsache, dass sich die bereits Geimpften nicht nur wieder anstecken, sondern auch selbst weiter Überträger der Krankheit sein können, werden die Rufe nach drastischen Einschränkungen für alle Ungeimpften, einschließlich der Kinder, immer lauter. Erst vor kurzem rückte die Ständige Impfkommission von ihrer lange aufrecht erhaltenen Skepsis gegen eine Impfung für Kinder ab und empfiehlt sie nun für 12 - 16jährige Jugendliche.
Inzwischen wird schon von den ersten Mobbingfällen an Schulen in Nordrhein-Westfalen gegen umgeimpfte Kinder berichtet. Dem will Thüringens Bildungsminister Holter offensichtlich aus dem Wege gehen, weshalb er heute vorschlug, im beginnenden neuen Schuljahr umgeimpfte und ungetestete Kinder in den Schulen zu separieren in eigene Lerngruppen. Wie die Schulen das bewerkstelligen sollen wird er noch erklären müssen.
Die Ende September scheidende Bundeskanzlerin Angela Merkel wird hingegen langsam ungeduldig und will die dringende Bitte an ihre Untertanen, sich impfen zu lassen, nun nicht mehr mit dem Zuckerbrot, sondern eher mit der Peitsche durchsetzen. Anders ist ihr heutiger Vorschlag nicht zu verstehen, dass in den Zügen der Deutschen Bahn nur noch Geimpfte, Genesene und Getestete transportiert werden sollen. Diese Art Druck auf Impfunwillige wird dann aber sogar der loyalen Polizei und dem Bahnpersonal zu viel, die unisono bei Frau Merkel nachfragten, wer das Bitteschön bei Millionen Bahnpendlern täglich kontrollieren soll.
In Hamburg geht der regierende Bürgermeister Dr. Peter Tschentscher subtiler vor: er überläßt ab morgen die Kontrollen den Veranstaltern von Aktivitäten in Innenräumen. Das heißt dann 2-G-Regelung, weil in dieser speziellen Ausformung der Bestimmungen und Regelungen zur Eindämmerung etc… gibt die Staatsmacht den Anreiz, der veranstaltende Unternehmer könne auf jegliche Einschränkung in seinem Etablissement verzichten, wenn er lediglich Geimpften und Genesenen Zutritt gewährt. In der Hansestadt wird das Modell heiß diskutiert und von den meisten Unternehmern (bis jetzt) abgelehnt. Aber es werden auch schon Kneiper zitiert, die diesen generellen Ausschluss Ungeimpfter begrüßen. Ein gewisser Stephan Fehrenbach beispielsweise diktierte der Webseite von T-Online in den Block: Wer sich gegen die Impfung entscheidet, entscheidet sich damit auch gegen die Teilnahme an unserer Gesellschaft. Wenn ich keinen Führerschein mache, muss ich mich auch nicht wundern, wenn ich nicht Autofahren darf.
Dieser Meinung ist auch der Präsident des Bundesverbandes der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft, Jens Michow. Wir hoffen, dass das Hamburger 2G-Modell eine Blaupause für alle anderen Bundesländer ist, sagte er.
Die bundesdeutsche Inzidenzzahl, die klugerweise im Herbst nicht mehr als alleiniges Kriterium der Lagebeschreibung dienen wird, lag übrigens am 23. August des Vorjahres für die Bundesrepublik bei 10,3. Damals gab es noch keine Impfungen. Genau ein Jahr später lag die Inzidenz am 23. August bei 56,4. Inzwischen sind laut veröffentlichten Statistiken 63,8% der deutschen Bevölkerung geimpft.
Jetzt könnte an dieser Stelle eingewendet werden, dass es damals noch nicht die hoch ansteckende Delta-Variante des Virus gab. Das ist natürlich richtig, aber genau so richtig ist auch, dass die Impfstoffe die Delta-Variante nicht voraussehen konnten und weniger Schutz dagegen bieten werden als von Impfstoffherstellern und Politikern erwünscht.
Die Aufrufe zur dritten Impfung erfolgen deshalb inzwischen auch schon für die vunerablen Mitglieder unserer Gesellschaft. Hätte vor einem Jahr jemand gesagt, es würde einst eine dritte Impfung zur selben Corona-Krankheit geben, wäre derjenige hohnlachend mit einem Aluhut beschenkt worden.
Es bleibt ein spannender und völlig offener Feldversuch, in dem sich die ganze Welt befindet. Die Argumente der Impfbefürworter und ihrer Gegner werden weiter unversöhnlich aufeinanderprallen. Und selbst wenn sich das Virus irgendwann verabschiedet bzw. seine Omega-Variante so harmlos ist, dass niemand mehr darüber sprechen möchte, wird keine Seite Fehleinschätzungen eingestehen.
Immerhin könnten die Inzidenzzahlen mit der Durchsetzung von 2G und der Bezahlung von Tests ab Oktober zurückgehen. Aus Überzeugung Ungeimpfte werden sich weder testen lassen noch am gesellschaftlichen Leben teilhaben, was die neuen Fälle per PCR-Tests stark eindämmen dürfte.
Erst ein querschnittsmäßiger Antikörpertest der Bevölkerungen verschiedenster Länder würde Auskunft darüber geben können, in wie weit die bisher nicht vom Virus betroffenen Erdenbürger gefährdet sind. Warum es solche Tests bisher nicht gab, ist auch eine interessante Frage, deren Beantwortung sich die Politik bisher verweigert.
Bis dahin gilt aber wohl weiter, was der schon im vergangenen Frühjahr mit seinen Testreihen bekannt gewordene Virologe Hendrik Streeck heute wieder bekräftigte: Die häufigsten Ansteckungen passieren immer noch im privaten Haushalt – trotz Impfung und Genesenen-Status.
Olaf Schulze
