Umweltministerin besuchte Nordhäuser Wissenschaftler
Forschung am gordischen Knoten
Freitag, 27. August 2021, 18:00 Uhr
Aus Abfall- und Störstoffen sollen wieder Wert- und Rohstoffe werden, das ist die Mission der man an ThIWert in Nordhausen folgt. Das Forschungszentrum bekam heute Besuch von Umweltministerin Anja Siegesmund und berichtete vom Stand der Dinge. Den gordischen Knoten hat man noch nicht durschlagen, aber viele Eisen im Feuer…
Harte Nuss oder gordischer Knoten - in Nordhausen war heute wieder die Gipsproblematik Thema (Foto: agl)
Seit 2019 residiert das Thüringer Innovationszentrum für Wertstoffe (ThIWert) in drei alten Fabrikhallen in der Helmestraße. Die Räumlichkeiten haben sich seitdem gefüllt, viel technisches Gerät, zwei Laborcontainer und diverse Haufen Abfallproben bestimmen das Bild. Von Müll und Abfall spricht man hier freilich nicht, in den Überresten stecken immer noch jede Menge Rohstoffe, an die man gerne wieder herankommen würde.
Eigentlich könnte man die Hallen bis unter das Dach füllen, erklärte Professorin Arianne Ruff am Nachmittag, doch Corona hat der Beschaffung einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht. Auf manches dringend benötigte Stück Technik müsse man ein Jahr und länger warten. Außerdem steht die Zwischenprüfung des Forschungsvorhabens an und man würde sich den Standort am Rande Nordhausens gerne langfristig sichern. Für letzteres hofft man auf die Hilfe der Politik. Die Höhen, Tiefen und Details der Forschungsarbeit der letzten zwei Jahre legte man heute drei Vertreterinnen der Grünen dar - zu Gast waren Umweltministerin Anja Siegesmund, die Landtagsabgeordnete Babette Pfefferlein und die Europaabgeordnete Viola von Cramon-Taubadel.
Die Wissenschaftler haben viele sprichtwörtliche Eisen im Feuer, vier größere und große Forschungsprojekte im Bereich Bioressourcenmanagement, drei in Sachen Elektrogeräte, Batterien und Kunststoffen, weitere vier drehen sich um das Bauststoffrecycling und den Gips. Außerdem kümmert man sich mit den Nachbarn aus dem Kreis Mansfeld Südharz um die Nachwuchsgewinnung und die Förderung der MINT-Fächer. Verstärkung in Form von Fachkräften könnte man gut brauchen, gerade 16 Forscher teilen sich die vielen Aufgaben und passendes Personal ist nicht leicht zu finden, auch nicht in einer Hochschulstadt. Aber nicht alle Eisen liegen in den Händen der Nordhäuser, mit schwergewichtigen Partnern wie dem Institut für Angewandte Bauforschung Weimar, der Bauhaus-Universität, den forschen Kollegen aus Clausthal-Zellerfeld und Partnern in der Wirtschaft hat man sich ein breites Netzwerk aufgebaut.
Professorin Ruff forscht im Bereich Baustoffrecycling, vornehmlich am Gips. Rückgewinnung und Aufbereitung allein würden das Problem in absehbarer Zeit nicht lösen, so ehrlich müsse man sein, meinte Ruff gegenüber den Gästen, die Substitution müsse ein weiterer Ansatz sein. Auf einem Tour de Force Ritt durch die einzelnen Projekte erklärten Professorin Ruff und Kollegin Antje Samtleben die Palette hoffentlich gangbarer Wege. Konkrete Ergebnisse könne man aber nicht morgen oder übermorgen präsentieren, die Forschung stehe noch am Anfang und brauche ihre Zeit. Im wissenschaftlichen Alltag gilt eher Störe meine Kreise nicht als Eureka.
Das man den gordischen Knoten der Rohstofffragen in den nächsten zwölf Monaten zerschlägt, verlange niemand, meinte Umweltministerin Siegesmund. Die Arbeit der Forscher sei aber am Puls der Zeit und eine der drei Säulen der Gipsstrategie des Freistaates. Ihre Rolle wird in den kommenden Jahren immer wichtiger werden, prophezeite Siegesmund. Entsprechend wenig Sorgen muss man sich am ThIWert um die Standortfrage machen, mit der Unterstützung des Landes wird man wahrscheinlich vom Mieter zum Eigentümer der Räumlichkeiten werden können.
Von der Politik wünschen sich die Forscher aber mehr als die, freilich willkommene, finanzielle Unterstützung. Auch rechtliche Rahmen zum Umgang mit Abfall müssten angepasst werden, außerdem sollte der Export von Recyclingabfällen ins Ausland dringend unterbunden werden. Die Umweltministerin wiederum hofft das Thüringen mit den Ergebnissen der Recycling-Forschung in die Pole Position in Deutschland kommt. Der Weg dahin dürfte aber noch ein paar Stadien lang sein und wird sicherlich kein Sprint.
Angelo Glashagel
Autor: red
Harte Nuss oder gordischer Knoten - in Nordhausen war heute wieder die Gipsproblematik Thema (Foto: agl)
Seit 2019 residiert das Thüringer Innovationszentrum für Wertstoffe (ThIWert) in drei alten Fabrikhallen in der Helmestraße. Die Räumlichkeiten haben sich seitdem gefüllt, viel technisches Gerät, zwei Laborcontainer und diverse Haufen Abfallproben bestimmen das Bild. Von Müll und Abfall spricht man hier freilich nicht, in den Überresten stecken immer noch jede Menge Rohstoffe, an die man gerne wieder herankommen würde.
Eigentlich könnte man die Hallen bis unter das Dach füllen, erklärte Professorin Arianne Ruff am Nachmittag, doch Corona hat der Beschaffung einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht. Auf manches dringend benötigte Stück Technik müsse man ein Jahr und länger warten. Außerdem steht die Zwischenprüfung des Forschungsvorhabens an und man würde sich den Standort am Rande Nordhausens gerne langfristig sichern. Für letzteres hofft man auf die Hilfe der Politik. Die Höhen, Tiefen und Details der Forschungsarbeit der letzten zwei Jahre legte man heute drei Vertreterinnen der Grünen dar - zu Gast waren Umweltministerin Anja Siegesmund, die Landtagsabgeordnete Babette Pfefferlein und die Europaabgeordnete Viola von Cramon-Taubadel.
Die Wissenschaftler haben viele sprichtwörtliche Eisen im Feuer, vier größere und große Forschungsprojekte im Bereich Bioressourcenmanagement, drei in Sachen Elektrogeräte, Batterien und Kunststoffen, weitere vier drehen sich um das Bauststoffrecycling und den Gips. Außerdem kümmert man sich mit den Nachbarn aus dem Kreis Mansfeld Südharz um die Nachwuchsgewinnung und die Förderung der MINT-Fächer. Verstärkung in Form von Fachkräften könnte man gut brauchen, gerade 16 Forscher teilen sich die vielen Aufgaben und passendes Personal ist nicht leicht zu finden, auch nicht in einer Hochschulstadt. Aber nicht alle Eisen liegen in den Händen der Nordhäuser, mit schwergewichtigen Partnern wie dem Institut für Angewandte Bauforschung Weimar, der Bauhaus-Universität, den forschen Kollegen aus Clausthal-Zellerfeld und Partnern in der Wirtschaft hat man sich ein breites Netzwerk aufgebaut.
Professorin Ruff forscht im Bereich Baustoffrecycling, vornehmlich am Gips. Rückgewinnung und Aufbereitung allein würden das Problem in absehbarer Zeit nicht lösen, so ehrlich müsse man sein, meinte Ruff gegenüber den Gästen, die Substitution müsse ein weiterer Ansatz sein. Auf einem Tour de Force Ritt durch die einzelnen Projekte erklärten Professorin Ruff und Kollegin Antje Samtleben die Palette hoffentlich gangbarer Wege. Konkrete Ergebnisse könne man aber nicht morgen oder übermorgen präsentieren, die Forschung stehe noch am Anfang und brauche ihre Zeit. Im wissenschaftlichen Alltag gilt eher Störe meine Kreise nicht als Eureka.
Das man den gordischen Knoten der Rohstofffragen in den nächsten zwölf Monaten zerschlägt, verlange niemand, meinte Umweltministerin Siegesmund. Die Arbeit der Forscher sei aber am Puls der Zeit und eine der drei Säulen der Gipsstrategie des Freistaates. Ihre Rolle wird in den kommenden Jahren immer wichtiger werden, prophezeite Siegesmund. Entsprechend wenig Sorgen muss man sich am ThIWert um die Standortfrage machen, mit der Unterstützung des Landes wird man wahrscheinlich vom Mieter zum Eigentümer der Räumlichkeiten werden können.
Von der Politik wünschen sich die Forscher aber mehr als die, freilich willkommene, finanzielle Unterstützung. Auch rechtliche Rahmen zum Umgang mit Abfall müssten angepasst werden, außerdem sollte der Export von Recyclingabfällen ins Ausland dringend unterbunden werden. Die Umweltministerin wiederum hofft das Thüringen mit den Ergebnissen der Recycling-Forschung in die Pole Position in Deutschland kommt. Der Weg dahin dürfte aber noch ein paar Stadien lang sein und wird sicherlich kein Sprint.
Angelo Glashagel


