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Linke mit Wahlkampfauftakt in Nordhausen

Wissler und Zwanziger und der doppelte Korn

Mittwoch, 18. August 2021, 19:31 Uhr
Eigentlich ist der Hof der Echter Nordhäuser Traditionsbrennerei der Ort, an dem die CDU ihre Partei- und Wahlvolksfeste feiert. Doch heute wurde das Ambiente von den Linken geentert. Gekommen waren alte und neue Bekannte und eine Frau, die im Osten noch bekannt werden soll…

Musste mit Prof. Zwanziger anstoßen - eine der beiden Bundesvorsitzenden der LINKE (Foto: nnz) Musste mit Prof. Zwanziger anstoßen - eine der beiden Bundesvorsitzenden der LINKE (Foto: nnz)
Wie schon der CDU, so passierte es der LINKE dieses Landkreises zum Sommerfest auch: das Partei-Publikum blieb aus. Durchgezählt begaben sich zur Eröffnung 38 Frauen und Männer (vielleicht waren auch Diverse darunter, die seien hier natürlich mit erwähnt) in den Brennereihof. Eine ähnliche Zahl gab es zum christdemokratischen Sommerfest in Bleicherode.

Eröffnet wurde die Veranstaltung durch den Kreisvorsitzenden der LINKE, Martin Heucke, der von sich gab, dass er eh’ nicht viel zu sagen habe. Mehr zu sagen hatte da schon Matthias Mitteldorf, der durch das Programm führte.

Nach einigen Interpretationen von Anni am Mikrofon, erklärte Sigrid Huppach als Direktkandidatin für die Landkreise Nordhausen und Eichsfeld sowie für den Kyffhäuserkreis, warum sie gerne wieder in der Bundestag wollte. Vielleicht erinnerte sie sich unterschwellig an die schönen Jahre zwischen 2013 bis 2017, als sie schon mal Abgeordnete in Berlin war. Aber nein, sie hatte acht gute Gründe für einen erneuten Einzug in den Bundestag, die sie immer mal wieder vom Zettel ablesen musste, obwohl eine Kandidatin ihr Wahlprogramm eigentlich auswendig kennen müsste.

Hielt Plädoyer für gerechtere Politik (Foto: nnz) Hielt Plädoyer für gerechtere Politik (Foto: nnz)
Inzwischen war auch die Frau an der Grimmelallee angekommen, die den Kapitalismus überwinden oder vielleicht auch ablösen will: Janine Wissler, eine der beiden Vorsitzend:innen der LINKE. Sie habe heute mit ihrer großen Deutschlandreise angefangen, in Thüringen, wo ihre Partei regiert und den Ministerpräsidenten stellt.

Schluss müsse sein mit der Politik der verlorenen Zeit, in der nicht über Gerechtigkeit geredet wurde. Was das mit Kabul zu tun hat, erschloss sich dem Auditorium nicht sofort. Aber als Hauptredner beginnt man immer mit einem aktuellen Aufhänger und der Unfähigkeit von Auswärtigem Amt und dem BND. Man habe auf Zeit gespielt und damit habe sich jeder aktuelle Minister für eine neue Bundesregierung disqualifiziert. Jetzt müssen so viele Menschen wie möglich gerettet werden. “Erst retten, dann fragen!”

Nach der Rettung von Menschen und des Friedens kam Wissler dann zur sozialen Gerechtigkeit, zum Pflegenotstand, zur vernünftigen Bezahlung von Pflegenden und zur Entprivatisierung von Krankenhäusern. Mehr Rente, mehr Gehalt, mehr Lohn und ja - es gebe in diesem Land 70.000 neue Millionäre. Die müssen sich an der Finanzierung der Gesellschaft beteiligen und seien “herzlich willkommen in der Vermögenssteuer”, gilt für die Hessin. Und die Umverteilung soll weitergehen: Mietendeckel auf Bundesebene, mehr sozialer Wohnraum, Wohnungskonzerne enteignen, Klimagerechtigkeit herstellen, Deutschland soll Bahnland werden.

Blick ins linke Auditorium (Foto: nnz) Blick ins linke Auditorium (Foto: nnz)
Wisslers Finale war dem Kampf gegen Rechts vorbehalten. Auch deshalb war die linke Frontfrau heute schon in Suhl, dort wo ein Rechter Verschwörungsideologe namens Maaßen zur Wahl stehe. Die Linke stehe immer für den Kampf gegen Rechts, der nur dann gelingen könne, wenn möglichst viele Menschen ihr Kreuz am 26. September bei der Linke machen.

Wer dachte, dass es jetzt nicht besser gehen werde, der wurde enttäuscht: Prof. Zwanziger, alias Winfried Schmitt hatte seinen Auftritt. Der erklärte der Frau aus Hessen nicht nur den Nordhäuser Dialekt, sondern auch so sämtliche Facetten der Politik. Aus seiner Sicht. Zum Beispiel die moralische Arroganz der Eliten beim Verbiegen der deutschen Sprache - dem Gendern. Ähnlich sei es in der DDR gewesen: Auch damals hörten die da Oben nicht, was die da Unten sagten und dachten. Und letztlich interessierte es die da Oben auch nicht mehr. Richtig amüsiert zeigte sich die Co-Vorsitzende der Linke da nicht. Aber gut, es gibt ein Smartphone und man kann sich über die Weltpolitik informieren und die Rettung der Welt, statt einem Professor zuzuhören. Auch Teile des Parteivolkes sparten bei diesem Thema mit dem Beifall. Eben wie immer...
Peter-Stefan Greiner
Autor: psg

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