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Die AfD erinnert an Mauerbau und deutsche Teilung

Wahlkampfauftakt mit geringer Resonanz

Donnerstag, 12. August 2021, 19:37 Uhr
Der Termin war clever gewählt von den Wahlkampfstrategen der Alternativen. Am Vorabend des Mauerbaujubiläums wollte man - und somit als erste Partei öffentlichkeitswirksam - des Todesstreifens entlang der deutsch-deutschen Grenze gedenken. Aber das Wetter war so hochsommerlich, dass es nur wenige Nordhäuser vor das Rathaus zog, um den drei Rednern zu lauschen…

Marcus Bühl, Jürgen Pohl und Jens Cotta (v.l.n.r.) (Foto: oas) Marcus Bühl, Jürgen Pohl und Jens Cotta (v.l.n.r.) (Foto: oas)

Eine im Rathaus noch stattfindende Trauungszeremonie verzögerte den Anfang der Veranstaltung und erst als das junge Glück sich von Freunden und Verwandten gebührend hatte feiern lassen, schritt der Nordthüringer Direktkandidat der AfD, Jürgen Pohl, auf die Bühne. Wo er den Faden gleich aufnahm und nach seinem Glückwunsch an die frisch Getrauten über die Möglichkeiten eines jungen Paares heute sinnierte. Zum traurigen Jubiläum der Grenzschließung durch das SED-Regime am 13.August 1961äußerte er sein Unverständnis, dass 60 Jahre nach diesem einschneidenden Ereignis in Thüringen, dem Bundesland mit einem der größten Grenzabschnitte damals, ein westdeutscher Kommunist regiert. „Denn es waren die Kommunisten, die das Leid der Trennung verursacht und die Mauertoten zu verantworten haben“, rief Pohl seinen Zuhörern unter Applaus zu.

Jetzt wäre es angezeigt, im Thüringer Land eine funktionierende Infrastruktur aufzubauen. Ganz Deutschland bräuchte jetzt Hilfe zur Selbsthilfe und die über 800 000 Flüchtlinge, die seit 2015 aus Syrien gekommen sind, wären keine große Hilfe. Er habe Syrien mehrmals bereist, erzählte Pohl, und den Wiederaufbau von Damaskus bestaunt. Dort seien Hilfsorganisationen aus der ganzen Welt tätig, nur nicht aus Deutschland. Und dort würden die vielen jungen Männer beim Aufbau gebraucht, nicht hier.

Die Spaltung Deutschlands bestehe für ihn immer noch fort, wenn nach dreißig Jahren Wiedervereinigung ein Bauhelfer in Goslar immer noch mehr verdient als ein Facharbeiter in Nordhausen. Auch die unterschiedlichen Renten müssten endlich ausgeglichen und die Versorgungsleistungen für Bedürftige erhöht werden.

Der Bundestagsabgeordnete Marcus Bühl folgte ihm ans Mikrofon und wetterte gegen den „Klimasozialismus“ einer überforderten Bundesregierung und einen Energiepreis, bei dem wir immerhin Europameister seien, wenn es schon beim Fußball nicht mehr klappen würde, ehe der Landtagsabgeordnete und medienpolitische Sprecher der Thüringer AfD-Fraktion, Jens Cotta, das Wort ergriff. Er bezeichnete die AfD als die Stimme der Vernunft in Thüringen“ und versicherte, die Abgeordneten seien angetreten um das Land, das sie lieben, zu retten.

Besonders die Thüringer CDU nahm Cotta in die Kritik, die für ihn aufgehört habe zu existieren und zum Handlanger der roten Regierenden geworden sei. „Ramelow kann jeden Tag abgewählt werden“, betonte er, „die CDU muss uns nur anrufen.“ Als medienpolitischer Sprecher will er für eine Reform des Rundfunkstaatsvertrages kämpfen und den öffentlich-rechtlichen Rundfunk reformieren. Eine Klage seiner Partei läuft derzeit und zusätzlich wird ein Volksbegehren gegen die diskriminierenden Corona-Maßnahmen auf den Weg gebracht, das in den nächsten Tagen starten soll. Abschließend rief er die wenigen Kundgebungsteilnehmer auf, am 26. September zur Bundestagswahl zu gehen. „Egal, was ihr wählt, aber geht hin!“ Und: „Wir brauchen Wahlhelfer. Beobachtet die Auszählungen, seid wachsam.“

Nach einer knappen Stunde war der erste Wahlkampfauftritt zur anstehenden Bundestagswahl in Nordhausen heute schon wieder Geschichte. Welche weiteren und wann folgen und ob andere Parteien angesichts der grassierenden Delta- und schon angekündigten Lambda-Variante des Corona-Virus überhaupt öffentlich auftreten, das wird die nahe Zukunft zeigen. Eine sehr nahe Zukunft übrigens, denn in einem reichlichen Monat wird schon das Berliner Erbe von Kanzlerin Merkels vier Amtszeiten an den Wahlurnen verteilt.
Olaf Schulze

Autor: osch

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