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ein besonderes Exponat

Ein Nordhäuser Taler

Samstag, 07. August 2021, 07:00 Uhr
Ende August wird in der Flohburg die zweite Ausstellung anlässlich des 800 Reichsstadt-Jubiläums unter dem Motto „Reichsstadt ist … eigenes Geld?“ eröffnet. Numismatiker Paul Lauerwald hat sich eines der alten Geldstücke einmal genauer angesehen, einen echten Nordhäuser Taler aus dem Jahr 1660...

Die Ausstellung widmet sich der Münz- und Geldgeschichte Nordhausens in reichsstädtischer Zeit. Unter den Ausstellungsstückeen befindet sich auch die letzte Talermünze der Reichsstadt Nordhausen aus dem Jahre 1660. Taler sind die größten Silbermünzen, sieht von den mit den Talerstempeln geprägten Doppeltalern im zweifachen Gewicht einmal ab, die die Reichsstadt Nordhausen verausgabt hat. Sie wurden nur in den Jahren 1556, 1616, 1620, 1623, 1624 und eben 1660 geprägt. Sie sind nur in kleinerer Auflage geprägt und entsprechend sehr selten.

Leider sind die reichsstädtischen Gepräge in der städtischen Münzsammlung in den Kriegs- und den ersten Nachkriegsmonaten nach dem II. Weltkrieges durch die Plüderung der Sammlung durch amerikanische Soldaten verschwunden. Und so kann sich das Flohburg-Museum glücklich schätzen, dass die Kreissparkasse Nordhausen einen Taler von 1660 im Münzhandel erworben und für die Ausstellung als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt hat. Die Talerprägung von 1660 hat eine interessante Geschichte. Nachdem 1624 letztmalig die Reichsstadt eigene Münzen geprägt hat, entschloss sie sich 1660 erneut Münzen zu prägen. Sie hatte gerade mit Kursachsen eine Einigung wegen des Schultheißenamtes erreicht und war so mit diesem auch wieder in den Besitz des Münzrechts gekommen. Offensichtlich wollte die Stadt mit der Wiederaufnahme der Münzprägung über den Schlagschatz Geld für die klammen Stadtfinanzen erwirtschaften. Sie setzte sich mit dem bisherigen Münzmeister der Grafen von Stolberg in Stolberg, Johann Krieg, in Verbindung. Dieser teilte der Reichsstadt mit, dass er bereit sei für sie zu münzen. Er benötige dazu keinen Ofen, sondern lediglich 10 – 12 Ziegelsteine und einen Ort wie eine Küche.

Die Vorderseite des Stadttalers von 1660 (Foto: Paul Lauerwald) Die Vorderseite des Stadttalers von 1660 (Foto: Paul Lauerwald)


Die Instrumente zu Prägung würde er mitbringen. Daraus wird zu einen deutlich, dass die Stadt nicht mehr über ein besonderes Münzgebäude verfügte, zum anderen aber auch, dass wesentliche Arbeiten zur Münzprägung wie die Herstellung der Zaine, das Ausschneiden der Schrötlinge aus den Zainen (Silberblechstreifen) und anderes nicht in Nordhausen, sondern in der Münze zu Stolberg erfolgen sollte. Nur die den Prägeprozess abschließenden Tätigkeiten sollten in Nordhausen erfolgen. Möglicherweise ist auch die gesamte Ausprägung der Münzen in der Stolberger Münzstätte erfolgt. Als willkommener Anlass für die Prägung wird die bevorstehende Huldigung an den neuen Kaiser Leopold I., die im August 1661 mit großem Pomp erfolgte, angegeben. Mit dem Talerstempeln, die sich erfreulicherweise erhalten haben, wurden auch Doppeltaler und Goldabschläge als 5-Dukaten-Stücke geprägt. Die Prägung endete bereits 1660. Ob der plötzliche Tod des Münzmeisters oder andere Ursachen dafür maßgebend waren, ist nicht bekannt.

Und hier die Rückseite des Talers (Foto: Paul Lauerwald) Und hier die Rückseite des Talers (Foto: Paul Lauerwald)


Der Stadttaler von 1660 hat eine bestimmte Berühmtheit erlangt. 1986 brachte die Deutsche Post der DDR eine Serie von 5 Briefmarken heraus. Auf dem Wert von 35 Pfennigen war der Taler Nordhausens von 1660 abgebildet. Und kurz nach der Wende brachte die NordLB im Jahre 1990 eine Feinsilberreplik dieses Talers heraus, die sich ebenfalls großer Beliebtheit erfreute.

Die Originalmünze, die Briefmark mit dem Vorderseitenbild des talers 1660 und auch die Replik können in der Ausstellung neben vielen anderen Ausstellungsstücken in der Sonderausstellung in de“Flohburg-Das Nordhausen Museum vom 29. August bis zum 24. Oktober bewundert werden.
Paul Lauerwald
Autor: red

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