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Von Rüdigsdorf führt jetzt ein Pfad in ungestörte Natur

Der Urwald hinter Nordhausen

Freitag, 16. Juli 2021, 15:00 Uhr
Gestern wurde im Beisein des Nordhäuser Oberbürgermeisters und anderer hochrangiger Vertreter verschiedenster Organisationen in einem der schönsten landschaftlichen Flecken um Nordhausen ein „Urwaldpfad“ eröffnet. „Die Thüringer Urwaldpfade bieten eine ideale Möglichkeit die Bedeutung und die Schönheit wilder Wälder vor unserer eigenen Haustür hautnah zu erleben“, erklärte dazu Philipp Schürmann, der Projektleiter des WWF Deutschland…

Astrid Koschorrek und Philipp Schürmann am Ausgangspunkt des "Urwaldpfades" in Rüdigsdorf (Foto: oas) Astrid Koschorrek und Philipp Schürmann am Ausgangspunkt des "Urwaldpfades" in Rüdigsdorf (Foto: oas)

Das Land Thüringen hat fünf Prozent seiner Waldflächen aus der forstwirtschaftlichen Nutzung genommen. Auf diesen geschützten Flächen haben sich wegen der pfleglichen, zum Teil auch seit längerer Zeit ausgebliebenen forstwirtschaftlichen Nutzung, struktur- und artenreiche Wälder entwickelt, die sich langfristig wieder zu „Urwäldern von morgen“ entfalten dürfen. Mit dem Projekt „Thüringer Urwaldpfade“ werden solche Wälder für Naturfreunde und Besucher geöffnett.

In einer Gemeinschaftsaktion hatten der World Wildlife Fund (WWF), das Hotspot-Projekt „Gipskarst Südharz – Artenvielfalt erhalten und erleben“ des Landschaftspflegeverbandes Südharz/Kyffhäuser, die Stadt Nordhausen und der Förderverein Karstwanderweg Nordhausen den Urwaldpfad „Rüdigsdorfer Schweiz“ konzipiert und eingerichtet. Finanziert wurde das Projekt aus Mitteln des Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raumes (ELER) und durch das Programm „Förderung von Vorhaben zur Entwicklung von Natur und Landschaft des Thüringer Ministeriums für Umwelt, Energie und Naturschutz.

Der neue Weg führt durch die beiden Naturschutzgebiete „Rüdigsdorfer Schweiz“ und „Harzfelder Holz“ und damit durch einen repräsentativen Ausschnitt der Gipskarstlandschaft mit vielfältigen Lebensräumen gefährdeter Tier- und Pflanzenarten. Während auf den frischen Nordhängen Waldgersten-, Waldmeister- und Hainsimsen-Buchenwald dominieren, bestimmen auf den trockenen Hängen meist Orchideen-Buchenwald und Waldlabkraut-Eichen-Hainbuchenwald das Bild. Charakteristisch für die zahlreichen Offenlandbiotope sind Äcker, Intensivgrasland, Streuobstwiesen und artenreiche Halbtrockenrasen. Das Gebiet verzeichnet auch ein bedeutsames Fledermausvorkommen.

Zur feierlichen Eröffnung mit anschließender erster Wanderung auf dem Pfad waren gestern neben Nordhausens Oberbürgermeister Kai Buchmann auch Vertreter der beteiligten Organisatoren gekommen. Philipp Schürmann vom WWF Deutschland erläuterte das Konzept der „Urwaldpfade“, die sich wie Perlen an einer Kette um das Thüringer Becken zögen. Ziel des Vorhabens sei es eine Verbindung zu schaffen zwischen Naturschutz, Umweltbildung und sanftem Naturtourismus. „Der Öffentlichkeit werden naturschutzfachliche Argumente präsentiert, um Akzeptanz für Wildnis im Allgemeinen und Urwald im Besonderen zu schaffen“, sagte Schürmann.

Kai Buchmann bedankte sich für die fleißige Arbeit aller am Projekt Beteiligten und betonte, dies sei für ihn „ein schöner Termin, denn ich habe nichts dafür regeln müssen.“ Astrid Koschorreck vom Landschaftspflegeverband lobte die gute Zusammenarbeit mit dem WWF, aber auch mit allen anderen Helfern des Projektes, bei denen sie sich herzlich bedankte. Nordhausens Wegewart Andreas Heise schloss sich den Danksagungen an, warnte aber auch die zukünftigen Besucher des Urwaldpfades: „Das Wandern in Wäldern ist nicht mehr so einfach, wie es noch vor einigen Jahren war. Das massive Buchensterben, aber auch das Sterben anderer Baumarten sorgt für Gefahren durch herabstürzende Äste und umknickende Bäume. Vorsicht ist deshalb auf jeder Wanderung geboten.“

Der große Holzkäfer fand gleich auf der ersten Wanderung viele Freunde  (Foto: S.Staubitz) Der große Holzkäfer fand gleich auf der ersten Wanderung viele Freunde (Foto: S.Staubitz)

Auf dem Rüdigsdorfer „Urwaldpfad“ warten auf die Wanderer auch die Waldschenke zum Entspannen und ein künstlerisch gestalteter Riesenkäfer aus Holz. Dem Vernehmen nach handelt es sich dabei aber nicht um einen Borkenkäfer. Die geführte Premierenwanderung haben wir Ihnen hier mit einigen Impressionen bildlich zusammengefasst.

Schon am kommenden Dienstag wird ein weiterer touristischer Haltepunkt eröffnet. Zwischen Buchholz und Steigerthal, direkt am Wegedreieck der Wanderwege zwischen “Singerberg” und den “Pfaffenköpfen” soll ein Pavillon für Besucher seiner Bestimmung übergeben werden.
Olaf Schulze

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