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Spezielle Führungen im Park Hohenrode:

Ein „Pfad der Poesie“ in der Natur

Donnerstag, 08. Juli 2021, 09:19 Uhr
Fast auf den Tag genau, am 12. Juli 2014, wurde im Park Hohenrode der „Pfad der Poesie“ eröffnet. In diesem Jahr können Besucher dieses Parkes am 10. Juli ab 13 Uhr während der romantischen Woche diesen besonderen Weg im Park mit Heidelore Kneffel begehen und dabei etwas über die Entstehung und Wirkung von Literatur erfahren und natürlich Gedichte hören...

Pfad der Poesie im Park Hohenrode (Foto: H.Kneffel) Pfad der Poesie im Park Hohenrode (Foto: H.Kneffel)

Keine Angst vor Gedichten, möchte man jedem zurufen! Tura Jursa aus Nordhausen hat 21 deutsche Versgebilde in feinster Schrift in Holz geschnitten, dass man nur staunen kann. Ganz allmählich steigt man den Parkweg auf einem ersten Abschnitt bis zum Pavillon herauf, liest genau dort Lyrik von der Dichterin Sarah Kirsch, die beschreibt, wie ein kleiner Gartenpavillon in ihrem Garten im hohen Norden verfällt. Hier im Park Hohenrode ist es zur Freude vieler gelungen, diese feine Gartenarchitektur zu erhalten. Ein wirkliches Schmuckstück ist da auferstanden. Solche Schmuckstücke sind auch die Poesietafeln. Jede von ihnen hat als besonderes kunstvolles Zeichen von Frau Jursa ein grünlich schimmerndes Akanthusblatt eingeprägt bekommen, dieses südliche Gewächs aus Griechenland, das schon in den Kapitälen der Tempel verwendet wurde.

Ja, auch Gedichte überdauern die Zeit, sie altern eigentlich nie. Deshalb wurde die Auswahl der Lyrik im Park so vorgenommen, dass der Lesende bemerkt, wie die Sprache und der Inhalt sich ähneln, jedoch trotzdem eine Zeitepoche aufleuchten lassen. Es beginnt mit dem Althochdeutschen, mit einem Merseburger Zauberspruch. Germanische Götter helfen, dass ein Pferd mit verrenktem Fuß wieder gesundet. Als zweite Sprachform stehen Verse im Mittelhochdeutschen auf dem Weg. Der berühmte Minnesänger Walther von der Vogelweide kommt zu Wort, der an dem legendären Sängerstreit auf der Wartburg teilgenommen hat. Er denkt in einem seiner berühmten Sprüche darüber nach, wie man in der Welt leben sollte. Man merkt deutlich, wie sich die Sprache zum Neuhochdeutschen verändert hat. Die Renaissance tritt mit ihrer hohen Wissenschaftlichkeit und Kunst auf die Weltbühne. Der große Ritter Ullrich von Hutten schreibt: „O Jahrhundert! O Wissenschaften! Es ist eine Freude zu leben …“. Der an der Universität Erfurt lehrende Dichter und Philosoph Eobanus Hessus, der in lateinischer Sprache schreibt, ehrt seinen Lehrer, der ihm das Dichten beigebracht hat. Er ist mit dem Bürgermeister Nordhausens, Michael Meyenburg, befreundet, besucht ihn in seinem kunstvoll ausgestalteten Haus. Noch heute wird in Erfurt für Jugendliche der Eobanus-Hessus-Preis ausgeschrieben. Und dann folgen die sprachgewaltigen Barockdichter Paul Gerhardt und Andreas Gryphius: „Jetzt lacht das Glück uns an, bald donnern die Beschwerden …“.

Die Klassik naht mit Johann Gottfried Herder, Johann Wolfgang Goethe und Friedrich Schiller, es folgen die romantischen Dichter mit Friedrich von Schlegel, Clemens Brentano. Joseph von Eichendorff, Annette von Droste-Hülshoff und Heinrich Heine: „… leise zieht durch mein Gemüt liebliches Geläute, …“ Verse von Theodor Storm und Christian Morgenstern folgen. Den Abschluss des Gedichte-Reigens bildet oben am Warttürmchen die Wortkunst Rudolf Hagelstanges: „… Ach, wie viele Dinge sind aufgeboten deinetwegen; Vogel, Blatt und Stern und Regen und der Wind …“.

Inmitten des Weges stehen Bänke zum Verweilen, eine ist von dem Ehepaar Jursa der Erika Schirmer gewidmet, von der Verse zum Lob des Parkes Hohenrode stammen. Ein Tipp zum Abschluss – sprechen sie, wenn es irgend geht, Gedichte laut, denn diese Kunstform möchte klingen. In Hohenrode ist das ungestört möglich.
Heidelore Kneffel
Autor: red

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